DFB-Pokalfinale Ärger bei Bayer - Ruhe in Bremen


Das hat Bayer Leverkusen gerade noch gefehlt: Vor dem DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen lässt Trainer Bruno Labbadia Frust ab. "Es gäbe eine Kampagne gegen ihn", sagte er. Beim Gegner Werder Bremen läuft die Vorbereitung dagegen gewohnt ruhig ab - die volle Konzentration gilt Diegos Abschiedsspiel.

Rudi Völler stärkte Bruno Labbadia demonstrativ den Rücken, doch der Leverkusener Trainer sorgte vor dem 66. DFB- Pokalfinale mit einem Rundumschlag und unverhohlenen Drohungen für Zündstoff. Der Bayer-Coach sagte einen Tag vor dem Endspiel an diesem Samstag (ab 20 Uhr im stern.de-Live-Ticker), dass es eine "Kampagne" gegen ihn gebe. "Sicher ist: Es müssen sich einige Voraussetzungen ändern", wird er in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Vor allem mit Manager Michael Reschke gebe es momentan keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit: "Fakt ist, dass wir eigentlich von Anfang an keine gemeinsame Arbeitsebene fanden."

Am Mittag hatte es noch halbwegs harmonisch bei den Bayer-Verantwortlichen ausgesehen, aber am Nachmittag war es mit der Ruhe vorbei. Labbadia störte mit seinen forschen Aussagen die Vorbereitung auf das letzte Saisonspiel, mit dem Bayer - genau wie Gegner Werder Bremen - die verkorksten Spielzeit noch retten kann. "Ein 'Weiter so' kann es ja für beide Seiten nicht geben", sagte Labbadia.

Dabei hatte Völler kurz zuvor noch eine Lanze für Labbadia gebrochen. "Wir sind überzeugt, dass er tolle Arbeit macht", erklärte Völler. Dies sei ein klares Bekenntnis zu Chefcoach, versicherte er auf Nachfrage: "Absolut." Labbadia kündigte hingegen an, dass es nach dem Pokalendspiel ein Treffen zu seiner Zukunft geben werde, "mit Sportchef Rudi Völler, Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und mir. Nur wir drei. Wir werden alles klar analysieren." Holzhäuser wollte den Rundumschlag nicht überbewerten. "Das nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, haben wir nie gesagt", erklärte Holzhäuser. "Ich sehe es als Reaktion auf die Kritik an ihm. Eine Kampagne gegen ihn gibt es nicht."

Bei den Bremern ging es hingegen gewohnt ruhig zu, auch wenn für Werder der Titel genauso wichtig ist. Die Europa League wäre dabei ein positiver Nebeneffekt, über den Werder-Clubchef Klaus Allofs sagte: "Finanziell ist die Europa League kein Ruhekissen wie die Champions League", erklärte Allofs. Gute Kasse machen beide Clubs zumindest im nationalen Pokal: 3,25 Millionen Euro waren vor dem Finale schon überwiesen, dem Gewinner winken weitere 2,5 Millionen.

Der fünfmalige Pokal-Gewinner aus Bremen (1961, 1991, 1994, 1999 und 2004) genießt bei Labbadia auch sportlich Hochachtung. "Werder hat alles, was eine Klassemannschaft haben muss. Und ein Club, der in zwei Finals steht, hat Topqualität", sagte der Bayer-Coach, unter dessen Ägide Leverkusen nach dem Pokal-Coup 1993 erstmals wieder einen Titel gewinnen könnte. Sein Kollege Thomas Schaaf glaubt, dass sein Team die Niederlage im UEFA-Cup-Finale (1:2 gegen Donezk) verarbeitet hat. "Es war eine Enttäuschung, den Pokal nicht hochheben zu können", sagte Schaaf, «doch wir hatten eine Woche Zeit und die positive Stimmung ist zurückgekehrt.»

"Finale könnte der Wendepunkt sein

Außerdem kann Werder im mit 72 964 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion noch einmal auf Ballzauberer Diego (zu Juventus Turin) und Frank Baumann (Karriere-Ende) bauen und muss nur auf Per Mertesacker und Daniel Jensen verzichten. "Ich hoffe, dass die beiden ihren Abschied krönen können", sagte Schaaf über Diego und Baumann. Kapitän Baumann sieht bei dem Duell mit der jungen Bayer-Truppe die Hanseaten in diesem Alles-oder-Nichts-Endspiel im Vorteil. "Beide Mannschaften konnten die Erwartungen in dieser Saison nicht erfüllen. Deshalb ist ein gewisser Druck da", meinte er. "Speziell wir haben jedoch gezeigt, dass wir mit solchen Situationen gut umgehen können."

Die enormen Leistungsschwankungen der beiden Topclubs in dieser Spielzeit hat das Pokal-Finale zur sportlichen Wundertüte gemacht: Keiner weiß, was drin ist. "Bundesliga und Pokal muss man klar trennen. Jetzt sind wir im Finale, und das könnte der Wendepunkt sein", meinte Völler und erwartet einen attraktiven Schlagabtausch: "Im DFB-Pokalendspiel stehen die beiden spielstärksten Mannschaften Deutschlands. Dies klingt vielleicht komisch, weil sie Neunter und Zehnter in der Bundesliga wurden." Für ihn habe Bayer den Titel verdient, "weil wir Titelverteidiger FC Bayern rausgeworfen haben".

Andreas Schirmer und Michael Rossmann, DPA DPA

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