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EM 2012: Joachim Löw - ''Es werden mehr Dortmunder spielen''

Nach dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft können sich einige BVB-Akteure Hoffnung machen, bei der EM 2012 nominiert zu werden. Bundestrainer Joachim Löw kündigte an, mehr BVB-Spieler nominieren zu wollen. Im selben Atemzug kritisierte Löw die Hertha und darf sich über die Hand von Michael Ballack freuen.

Joachim Löw sieht eine gute Chance, dass mehr Dortmunder Meister-Spieler als zuletzt in der deutschen Nationalmannschaft spielen könnten. "Es werden sicher mehr Spieler aus Dortmund bei der EM dabei sein als Mats Hummels, etwa Mario Götze", kündigte der Bundestrainer in einem Interview mit der Bild am Sonntag an.

Zuletzt beim 1:2-Test gegen Frankreich Ende Februar hatte neben Hummels Linksverteidiger Marcel Schmelzer noch zu Löws Kader gehört. Generell sei es ihm aber egal, wo ein Spieler unter Vertrag steht. "Entscheidend ist allein die Qualität der Spieler und nicht die Zugehörigkeit zu einem Verein", betonte der DFB-Chefcoach.

Die Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine, die für das DFB-Team am 11. Mai mit einem Trainingslager auf Sardinien beginnt, wird Löw auf jeden Fall mit einem erweiterten Kader bestreiten, falls der FC Bayern den Sprung ins Champions-League-Finale schafft.

Dann würden die acht Münchner EM-Kandidaten nicht nur das erste Trainingscamp, sondern auch einen Großteil des zweiten Trainingslagers in Südfrankreich verpassen. "Dann werden wir den Kader für die EM-Vorbereitung vergrößern müssen", erklärte Löw.

Mertesacker und Klose unter Beobachtung

Genau verfolgt der Bundestrainer das Rehabilitationsprogramm seiner Stammkräfte Per Mertesacker und Miroslav Klose. "Ganz normal" sei die Mühe von Bastian Schweinsteiger, zurück zu Topform zu finden. Dem müsse er aber bei der EM Rechnung tragen und Alternativen haben.

"Die Entscheidung, wer bei der EM spielt, fällt nach zwei, drei Wochen Vorbereitung. Und wenn ich merke, dass ein Spieler nach längerer Verletzung nicht in Form ist, dann kann es gut sein, dass ich mich für einen anderen Spieler entscheide", sagte Löw.

Es gehe nicht darum, "was ein Spieler vielleicht mal für die Mannschaft geleistet hat. Sondern dann ist entscheidend, wie gut er bei der EM ist." Intensiv beobachtet Löw derzeit die Leistungen von Cacau, Mike Hanke und Patrick Helmes, die er für die EM als mögliche Angriffs-Ergänzungen zu Klose und Mario Gomez einordnet.

Ballack will Löw die Hand reichen

Nicht dabei ist natürlich Michael Ballack, der im aktuellen Sportstudio versöhnliche Worte für den Bundestrainer fand. "Die Zeit heilt Wunden. Heute sehe ich es natürlich auch mit anderen Augen", sagte der frühere Kapitän der DFB-Auswahl. Es seien "beide Seiten nicht ganz unschuldig" an der damaligen Situation gewesen, meinte Ballack zum lange schwelenden Konflikt mit dem Deutschen Fußball-Bund.

"Ich war ja verletzt, habe lange warten müssen. Das Einzige, was ich hätte machen können, wäre vielleicht konsequenter zu mir gewesen zu sein und eher zurückzutreten", ergänzte Ballack in einem Interview mit dem ZDF am Sonntag. "Aber ich wollte keinen voreiligen Entschluss treffen, den ich später bereut hätte, deshalb habe ich abgewartet.

"Der Prozess hat sich dann wie Kaugummi hingezogen" und Löw habe eben taktiert, meinte der 98-malige Nationalspieler. "Man hätte es anders lösen können. Man wird sich über den Weg laufen, sich die Hand geben und es ausräumen." Seine Jugendlinie zieht Löw indes weiter durch und appellierte dabei auch an die Bundesliga.

Löw wünscht sich mehr Mut in der Bundesliga

Für die wünscht sich Löw von seinen Kollegen, "dass Trainer auch einen gewissen Mut haben, vorbehaltlos auf junge, gut ausgebildete Spieler zu setzen. Die sind in allen Vereinen zweifelsohne vorhanden." In manchen Vereinen sieht der Bundestrainer keine Entwicklung, "es werden häufig ähnliche Fehler gemacht – aufgeblähte Kader, viele mittelmäßige Spieler. Dabei gibt es Potenzial in vielen Vereinen, Freiburg zeigt das ja gerade. Diesen Mut wünsche ich mir besonders bei Vereinen, die nicht die ganz großen Ambitionen haben", sagte Löw.

Vor allem die vielen Trainerwechsel kritisierte Löw. "Du musst doch einen Trainer holen, der für die Vereins-Philosophie steht. Berlin holt sich drei oder vier verschiedene Philosophien in einem Jahr", sagte er. Die Talfahrt von Hertha überrascht Löw deshalb nicht. "Da kann man sich ausrechnen, dass das nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Diese ständigen Trainer-Wechsel sorgen dafür, dass am Ende nichts mehr zusammenpasst", meinte der 52-Jährige.

sportal.de / sportal

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