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Favoritencheck: Spanien Titelverteidigung als "Mission possible"


Das Ziel der Spanier ist klar: Der EM-Titel soll ein zweites Mal her. Die Chancen stehen gut, denn im Team stimmt der Mix aus Jung und Alt. Dennoch: Baustellen gibt es auch bei der "Furia Roja."
Von Cord Sauer

Mit ergebnisorientiertem Minimalisten-Fußball schaffte Spanien vor zwei Jahren den großen Triumph: Erstmals wurde das Team Weltmeister und bezwang in Südafrika unter anderem Portugal, Deutschland oder die Niederlande mit jeweils 1:0. Nun reisen die Iberer als amtierender Welt- und Europameister an und sind so in Polen und der Ukraine der Favorit. Das große Plus der Spanier: Die Korsettstangen der Erfolgsmannschaft sind erhalten geblieben. Dazu hat Trainer Vicente del Bosque viele junge Talente ins Team geholt.

Eine wichtige Rolle spielen die zahlreichen Stars von Real Madrid und dem FC Barcelona. Sie alle konnten das Champions-League-Finale nur vom Fernseher aus verfolgen und gieren jetzt umso mehr nach einem internationalen Titel. Neben den EM- und WM-Helden hat sich die Nationalmannschaft speziell in der zweiten Reihe einer gründlichen Erfrischungs-Kur unterzogen. Mit Tempo, Tricks und tollen Toren haben zuletzt viele No-Names auf sich aufmerksam gemacht, die schnell zeigten: Kritische Gedanken über Spaniens Fußball-Zukunft sind überflüssig wie ein Kropf.

"Basken-Messi" und die jungen Wilden

Speziell die vergangene Europa-Cup-Saison hat viele bis dato wenig bekannte Spanier ins Rampenlicht gerückt. Im Finale der Europa Leaguge zwischen Atletico Madrid und Athletic Bilbao standen sich gleich sieben spanische Nationalspieler gegenüber. Besonders aufgefallen ist dabei der pfeilschnelle und technisch starke Iker Muniain. Schon mit 15 Jahren wurde er als „Basken-Messi“ gefeiert, ehe er ein Jahr später in Bilbaos Profi-Kader debütierte und eine wahre „Muniain-Mania“ verursachte. Barcelona und Real Madrid haben längst ihre Fühler nach ihm ausgestreckt. Vor einem möglichen Wechsel hat der Stürmer jedoch nur die EM im Kopf.

Nicht nur die Offensive der „Furia Roja“ ist stark. Besonders in Mittelfeld und Defensive bringt Spanien laufend Talente hervor. Die Ära Xavi und Iniesta ist lange noch nicht beendet, da warten schon deren Thronfolger. Óscar de Marcos von Athletic Bilbao spielte eine grandiose Saison im offensiven Mittelfeld und wird heiß von Manchester United umworben. Auch (noch) in Bilbao zu Hause ist Javi Martínez, der sich ebenso zu einer festen Größe entwickelt hat, wie auch Álvaro Dominguez bei Atletico Madrid. Speziell Dominguez könnte die große Entdeckung der Euro werden und den verletzten Puyol schnell vergessen machen. Bislang sind die jungen Wilden lediglich Ergänzungsspieler. Del Bosque könnte sie aber schnell von der Leine lassen, sollten die erfahrenen Stars etwas Feuer benötigen.

Die Stars:

Casillas, Piqué, Xavi, Iniesta, Fabregas, Silva. Die Mannschaft ist der Star.

Stärken:

Der größte Vorteil des Teams liegt im Spielverständnis. Kein anderes Team lässt den Ball eleganter und sicherer laufen. Das Team von Trainer del Bosque ist noch genauso stark wie vor zwei Jahren beim WM-Titelgewinn. Die meisten Spieler kennen sich und sind perfekt aufeinander eingespielt.

Schwächen:

Neben dem langzeitverletzten Joan Capdevilla fällt auch Abwehrchef Carles Puyol nach einer Knie-OP aus. „Das durchkreuzt meine EM-Pläne. Ein sehr bitterer Ausfall für uns", brachte Trainer del Bosque sein Bedauern zum Ausdruck. Neben Puyol fehlt auch Topstürmer David Villa. Der Goalgetter brach sich im Dezember 2011 das Schienbein und musste seine EM-Teilnahme absagen. Die Ausfälle sind Rückschläge für das Team.

Den Spaniern macht die lange Saison auf Clubebene zu schaffen. Del Bosque äußerte sich bereits kritisch über seinen „zerstückelten Kader“, der erst wenige Tage vor Turnierstart durch nachreisende Spieler komplettiert wird - ein Nachteil.

Besonderheit:

Im spanischen EM-Kader befinden sich lediglich sechs Legionäre – nur Deutschland (4), Russland, die Ukraine (beide 2) und England (0) haben weniger.

Gruppengegner:

Italien, Irland, Kroatien.

Wahrscheinliche Stamm-Elf:

Casillas– Arbeloa, Ramos, Pique, Alba – Alonso, Xavi, Fabregas – Silva, Iniesta, Llorente

Prognose:

Mit Puyol und Villa fehlen zwei wichtige Säulen im Team, doch del Bosque hat die Qual der Wahl und kann auf höchstem Niveau wechseln. Die Vorrunde wird Spanien problemlos überstehen. Eine Titelverteidigung ist durchaus möglich, doch dafür ist eine noch größere Leistung als in den beiden Turnieren zuvor nötig, den die Gegner wissen längst, was sie mit Spanien erwartet. Gegen eine Titelverteidigung spricht die Statistik: Seit der ersten EM 1960 konnte kein Europameister seinen Titel verteidigen.

Von Cord Sauer

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