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Affenlaute von Tribünen Medienberichte: Französische Spieler in Ungarn offenbar rassistisch beleidigt

Ungarische Fans beim Spiel gegen Frankreich
Ungarische Fans beim Spiel gegen Frankreich
© Robert Michael / DPA
Schwarze französische Spieler sollen beim EM-Spiel gegen Ungarn von Teilen des Publikums rassistisch beleidigt worden sein. Ungarn ist nächster Gegner der Deutschen – Gastgeber München möchte ein klares Zeichen setzen.

Beim EM-Gruppenspiel der französischen Nationalmannschaft gegen Ungarn ist es in Budapest offenbar zu rassistischen Beleidigungen gegen einige Spieler der "Equipe Tricolore" gekommen. In der Puskas-Arena seien Affenlaute aus dem Publikum zu hören gewesen, wenn schwarze Spieler wie N'Golo Kanté oder Paul Pogba am Ball gewesen seien, schrieb die französische Sportzeitung "L'Equipe" unter Berufung auf im Stadion anwesende Fotografen.

Auch ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete, dass Frankreichs Superstar Kylian Mbappé mit Affenlauten beleidigt worden sei. Gegen den algerischstämmigen Stürmer Karim Benzema habe es vereinzelt wüste verbale Beschimpfungen von den Rängen gegeben. Trotz der Corona-Pandemie waren beim 1:1 von Ungarn gegen den Weltmeister fast 56.000 Zuschauer in der Budapester Arena zugelassen.

Ungarn: Anhänger von rechter Gruppierung im Publikum

Hunderte Anhänger in schwarzen T-Shirts hatte sich hinter dem Tor postiert – es handelte sich offenbar um Mitglieder der rechten Gruppierung "Carpathian Brigade". Schon im ersten Gruppenspiel gegen Portugal, das ebenfalls in Budapest stattfand, sollen einige ungarische Fans auf der Tribüne den Hitlergruß gezeigt haben. Die rassistischen Beleidigungen gegen französische Spieler könnten zu Sanktionen der Uefa führen.

Die politischen Positionen der ungarischen Regierung und einiger Fans sorgen bei der Europameisterschaft für eine kontroverse Diskussion. Schon bei einem Testspiel vor der EM hatten ungarische Anhänger irische Spieler ausgebuht, weil sie aus Solidarität mit der "Black Lives Matter"-Bewegung niedergekniet waren. Ungarns Präsident Viktor Orban hatte die Geste als "unhöfliche Provokation" bezeichnet: "Wenn du zu Gast bist in einem Land, dann provoziere nicht die Einheimischen."

München will Zeichen für Gleichberechtigung setzen

Am Mittwoch sind die Ungarn in München zu Gast – als letzter Gruppengegner der deutschen Mannschaft. Der Münchner Stadtrat möchte ein Zeichen gegen die LGBTQ-feindliche Politik der Orban-Regierung setzen und hat sich in einem fraktionsübergreifenden Antrag dafür ausgesprochen, die Arena am Abend des Spiels in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Anlass ist die Verabschiedung eines Homosexuellen-feindlichen Gesetzes durch das ungarische Parlament. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat angekündigt, bei DFB und Uefa um Unterstützung für die Aktion zu werben.

Quellen: "L'Equipe" / DPA / Stadtrat München

epp

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