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Europa-League-Qualifikation: Schalke im Torrausch, Hannover im Glück

Die große Show des Klaas Jan Huntelaar hat dem FC Schalke eine Europapokal-Blamage erspart. Der Torjäger traf im Rückspiel gegen Helsinki gleich vier Mal. Hannover kämpfte wacker gegen den FC Sevilla und spielt nun erstmals in der Europa League.

Mit viel Glück, noch mehr Geschick und einer gehörigen Portion Kampfgeist hat es Hannover 96 erstmals in die Europa League geschafft. Durch ein 1:1 (1:1) im Playoff-Rückspiel beim FC Sevilla machte der zweimalige deutsche Meister den größten internationalen Erfolg in der Clubgeschichte perfekt. Die Niedersachsen hatten bei der Rückkehr auf Europas Bühne nach 19-jähriger Pause den favorisierten zweimaligen UEFA-Cup-Sieger aus Spanien bereits im Hinspiel mit 2:1 bezwungen.

Der Norweger Mohammed Abdellaoue (23.) brachte den Bundesliga-Zweiten am Donnerstagabend vor 40.000 Zuschauern zunächst in Führung. Sevilla freute sich in der 37. Minute dann über ein Eigentor des Österreichers Emanuel Pogatetz. Einen eigenen Treffer schafften die Spanier aber nicht, so dass der Bundesliga-Zweite als zweites deutsches Team nach Schalke 04 in die Gruppenphase der Europa League stürmte und die Feuertaufe in der Hitze Andalusiens mit Bravour bestand.

Freudentänzchen nach der Führung

Sevilla wirkte in der kampfbetonten Begegnung aggressiver, Hannover zog sich zu oft zu weit zurück. Nach einer Viertelstunde traf Alvaro Negredo aus spitzem Winkel nur den Innenpfosten. Piotr Trochowski scheiterte mit seinem Nachschuss nur knapp. Hätte der ehemalige Hamburger getroffen, wäre wohl alles ganz anders gekommen. Doch so schafften die Gäste urplötzlich die Führung. Konstantin Rausch setzte sich auf der linken Außenbahn durch. Abdellaoue lauerte in der Mitte, nahm am Fünfmeterraum die Flanke volley und traf zur umjubelten Führung. Trainer Mirko Slomka feierte den so wichtigen Treffer mit einem Freudentänzchen.

Die Spanier steckten den Schock ganz schnell weg. Doch die neue Nummer drei im Tor der deutschen Nationalmannschaft, Ron-Robert Zieler, zeigte, warum er von Bundestrainer Joachim Löw berufen worden ist. Einen brandgefährlichen Fernschuss von Alvaro Negredo macht der junge Keeper genauso unschädlich wie wenig später einen Volleyschuss von Frederic Kanouté. Gegen den Ausgleichstreffer war er dann jedoch machtlos. Nach Trochowski-Vorarbeit flankte Diego Perotti in die Strafraummitte. Und vom Schienbein des Österreichers Emanuel Pogatetz prallte der Ball ins Tor.

Vor 3000 mitgereisten 96-Fans, auch Clubchef Martin Kind war gekommen, machten die Gastgeber nach der Pause weiter Druck. In ihrem, streikbedingt, erst zweiten Pflichtspiel unter der Regie des neues Trainers Marcelino waren die Spanier nah dran am Führungstor. Doch Zieler hielt den Ausgleich fest. Nach gut 20 Minuten befreiten sich die Gäste und hatte sogar die Chance mit dem zweiten Auswärtstor alles klar zu machen. Der belgische Schiedsrichter Serge Gumienny verweigerte den 96ern gut eine Viertelstunde vor Schluss einen glasklaren Foulelfmeter, als Torhüter Andres Palop Jan Schlaudraff fällte. Nach einer Tätlichkeit sah Gary Medel kurz vor Abpfiff die Rote Karte.

Ein Niederländer im Alleingang

Der überragende Vierfach-Torschütze Klaas Jan Huntelaar hat den FC Schalke 04 fast im Alleingang vor dem peinlichen Aus in den Europa-League-Playoffs bewahrt. Beim spektakulären 6:1 (2:1)-Heimsieg des deutschen Pokalsiegers im Rückspiel gegen den HJK Helsinki traf der eiskalte Niederländer am Donnerstagabend in der 15., 25., 49. und 63. Minute, zweimal davon per Foulelfmeter. Zudem trugen Kyriakos Papadopoulos (56.) und Julian Draxler (82.) zum höchsten Schalker Europapokal-Sieg bei und sorgten so mit dafür, dass die Gelsenkirchener das blamable 0:2 aus dem Hinspiel reparierten und ihren Platz in der Gruppenphase buchten. Da half dem finnischen Fußball-Rekordmeister vor 52.034 Zuschauern auch der zwischenzeitliche Ausgleich von Teemu Pukki (20.) nicht.

Vier Tage nach der als Mutmacher gewerteten Aufholjagd beim 4:2-Sieg in Mainz hatte Schalke-Coach Ralf Rangnick diesmal Mittelfeld-Renner Jefferson Farfan und Youngster Draxler gleich in die Startelf beordert. Die Gastgeber suchten sofort die Offensive, wackelten aber erneut bedenklich bei einigen gefährlichen Kontern der Finnen. Auch das frühe 1:0 durch Huntelaars Elfmetertor trug nicht zur Sicherheit der Königsblauen bei. Der in Helsinki noch geschonte Raúl war zuvor von Rafinha gefoult worden.

Einfallslos, aber treffsicher

Doch schon im Gegenzug hatte der Ex-Bielefelder Berat Sadik die dicke Ausgleichschance. Kurz darauf rettete Joel Matip gerade noch auf der Linie gegen Pukkis Schuss. Nur 30 Sekunden später sorgte der wieselflinke HJK-Torjäger, der schon vor Wochenfrist beide Tore für HJK erzielt hatte, dann für das längst verdiente 1:1. Nach einem einfachen Doppelpass mit dem früheren Leverkusener Alexander Ring hebelte er Schalkes Abwehr aus und ließ Keeper Ralf Fährmann keine Chance.

Erneut fünf Minuten später jedoch gab abermals Huntelaar den Hausherren wieder frische Hoffnung. Nach Vorarbeit von Raúl tanzte der Niederländer Helsinki-Verteidiger Mathias Lindström aus und drosch den Ball in die Maschen. Nun bekamen die Schalker die Partie etwas besser in den Griff, agierten aber zu einfallslos im Spielaufbau. Fünf Minuten vor der Pause hätte der Champions-League-Halbfinalist der Vorsaison seine Führung ausbauen müssen, doch Draxler übersah den einschussbereiten Huntelaar und scheiterte an Gäste-Torwart Ville Wallen.

Die letzten Minuten der ersten Hälfte mussten die Schalker ohne Raúl überstehen. Der Spanier blutete nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler am Kopf, kehrte aber nach der Pause auf das Feld zurück. Für die Tore war allerdings weiter Huntelaar zuständig. Nach dem Zupfer von Tuomas Kansikas gegen Farfan am Strafraumrand verwandelte der Angreifer auch seinen zweiten Elfmeter sicher. Als dann Lewis Holtby perfekt auf den Kopf von Papadopoulos flankte und der Grieche sein erstes Europapokal-Tor für Schalke erzielte, war der Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht.

Doch Huntelaar hatte noch nicht genug. Farfans Flanke spitzelte der 28-Jährige zum 5:1 über die Torlinie. Draxler krönte nach Huntelaars Vorarbeit den Schalker Sturmlauf in der zweiten Hälfte. Auf den Rängen tobte längst die königsblaue Party, die Gelsenkirchener dürfen auch in dieser Saison mit Zusatzeinnahmen aus dem Europapokal planen.

swd/DPA / DPA

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