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Fußball: Perugia wirbt um Birgit Prinz

Mit der Verpflichtung von Al Saadi Gaddafi hatte Clubchef Luciano Gaucci bereits im Sommer für Aufsehen gesorgt. Jetzt will sein Serie-A-Club AC Perugia Weltmeisterin Birgit Prinz vom 1. FFC Frankfurt verpflichten.

Ein spektakuläres Angebot des italienischen Männer-Erstligisten AC Perugia sorgt im deutschen Frauenfußball für Wirbel. Perugias Präsident Luciano Gaucci hat sich in den Kopf gesetzt, Weltmeisterin Birgit Prinz als erste Fußballerin für die Serie A zu verpflichten. "Wir haben uns vor einer Woche getroffen. Er will mich gerne holen. Aber es war zunächst nicht mehr als ein informatives Gespräch. Alles Weitere wird sich ergeben. Es gibt noch keine Tendenz", bestätigte die 26 Jahre alte Stürmerin des 1. FFC Frankfurt der dpa ein erstes Treffen mit Gaucci vor rund einer Woche in Rom.

Bekannt für spektakuläre Schlagzeilen

Perugias Clubchef ist bekannt für spektakuläre und Schlagzeilen trächtige Aktionen. Vor Saisonbeginn hatte er den Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi, Al Saadi Gaddafi, verpflichtet. Von ihm haben sich die Italiener nach einem positiven Dopingbefund allerdings schon wieder getrennt. Unter dem Marketing-Gesichtspunkt ist auch das Bestreben Gauccis zu verstehen, als erster Club weltweit eine Fußballerin in den Spielbetrieb der ersten Männer-Liga zu integrieren. Von den beiden schwedischen Nationalspielerinnen Hanna Ljungberg und Victoria Svensson holte sich Gaucci allerdings bereits einen Korb.

Eine Fussballerin in einem Männerteam - was halten Sie davon?

"Wir haben uns zunächst seine Vorstellungen angehört. Er ist tatsächlich der Auffassung, dass Birgit als die Nummer eins im Frauenfußball in der Lage wäre, in einer Männermannschaft zumindest teilweise mitspielen zu können. Birgit weiß, was sie kann. Sie ist aber auch sehr skeptisch, was ihre fußballerische Qualität und körperliche Voraussetzung im Vergleich zu den Männern angeht", sagte Prinz-Manager Andreas Rink, der bei dem Treffen dabei war und weitere Gespräche über das "interessante Angebot" plant. "Aber wir wollen auf keinen Fall Birgits guten Ruf leichtfertig aufs Spiel setzen. Das wäre fahrlässig." Rink stellte klar, dass ein Wechsel nur interessant wäre, wenn man es auch als "Marketing-Aktion" begreife und nicht als regulären Transfer. "Am Ende muss Birgit entscheiden, ob das eine attraktive Variante für ihr Leben ist."

Gaucci hofft laut italienischen Medienberichten, den spektakulären Coup bald perfekt machen zu können. "Wir wollen in der nächsten Woche Details klären", wird Gaucci von der italienischen Nachrichten- Agentur ANSA zitiert. "Ich hoffe, dass sie schon vor Weihnachten bei uns trainiert und im Januar spielberechtigt ist."

"Positive Aspekte"

Doch so weit ist es noch lange nicht. Laut Rink müssten noch viele Dinge geklärt werden. Zudem hat Prinz beim deutschen Meister 1. FFC Frankfurt noch einen Vertrag, könnte jedoch dann in die USA wechseln, falls die Profi-Liga (WUSA) trotz der Finanzprobleme den Spielbetrieb wieder aufnehmen sollte. Grundsätzlich kann auch Frankfurts Manager Siegfried Dietrich dem Angebot für Prinz aus Italien positive Aspekte abgewinnen.

"Es zeigt den großen Stellenwert des Frauenfußballs und die hohe Wertschätzung gegenüber Birgit. Für sie ist das Angebot eine große Ehre. Dass es aber auch sportlich realistisch ist, wage ich zu bezweifeln", sagte Dietrich, der von dem Interesse Perugias nicht überrascht wurde. "Ich weiß seit der WM, dass sie eine Top-Spielerin suchen." Gleichwohl würde er die beste Spielerin und Torschützin der WM gern weiter in Frankfurt sehen. "Bis März bleibt sie definitiv bei uns. Und ich wäre glücklich, wenn sie auch danach für den FFC spielen würde."

Ulli Brünger / DPA

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