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Länderspiel: Kein Zauber ohne Zidane

Beim mühsamen 3:2 (0:2)-Sieg im Benefizspiel gegen Costa Rica zeigte sich die Erkenntnis: Ohne Zinedine Zidane und Claude Makelele scheint die "Equipe Tricolore" sieben Monate vor der Weltmeisterschaft auf höchstem Niveau nur bedingt konkurrenzfähig.

Keine 60 Stunden vor dem Klassiker gegen Deutschland sind Frankreichs Fußball-Nationalspieler nach ihrem anstrengenden Karibik-Kurztrip mit müden Beinen wieder in Paris gelandet. Zu allem Überfluss brachte der Ex-Weltmeister für das Testspiel gegen die DFB-Elf am Samstagabend (21.00 Uhr/ZDF) im Stade de France aber auch noch ein altes Problem aus Martinique mit zurück. Beim mühsamen 3:2 (0:2)-Sieg im Benefizspiel gegen Costa Rica offenbarte sich am Mittwochabend wieder schonungslos die Erkenntnis: Ohne Zinedine Zidane und den im August im Gefolge des Superstars ins Nationalteam zurückgekehrten Claude Makelele scheint die "Equipe Tricolore" sieben Monate vor der Weltmeisterschaft auf höchstem Niveau nur bedingt konkurrenzfähig.

Im Angriff stark

Bundestrainer Jürgen Klinsmann dürfte als TV-Zuschauer - nicht nur wegen der eigenen Defensivprobleme - lediglich die geballte Angriffsstärke der Franzosen Angst eingejagt haben. Drei Stürmer-Tore durch Rückkehrer Nicolas Anelka (49. Minute), "Joker" Djibril Cissé (80.) und den nach seinem erfolgreichen Kunstschuss mit nun 31 Treffern im Nationaldress nur noch hinter Michel Platini (41 Tore) auf Rekordkurs liegenden Thierry Henry (87.) bewahrten die Franzosen vor einer Blamage und der ersten Niederlage seit dem Ausscheiden im EM-Viertelfinale im Juni 2004 gegen Griechenland.

Unter normalen Umständen hätte dem in den 16 Spielen seiner Amtszeit unbesiegten und dennoch skeptisch beäugten Nationaltrainer Raymond Domenech nach diesem Auftritt trotz möglicher Ausreden wie Reisestress und Klimawechsel die Kritik mächtig ins Gesicht geweht. Doch diesmal war in Frankreich alles anders. Beseelt von der guten Tat mit einer Spende von 550.000 Euro für die Hinterbliebenen einer Flugzeugkatastrophe mit 152 Todesopfern aus Martinique im August und dem symbolisch äußerst hohen Wert des ersten Heimspiels in einem Übersee-Département überwogen schlicht die Emotionen. "Sie haben dort ihr Herz gegeben", titelte Frankreichs Sportblatt "L’Equipe" und meinte damit nicht nur die Aufholjagd in der zweiten Halbzeit.

Wurzeln auf den Antillen

Sieben Spieler mit Wurzeln auf den Antillen - darunter Kapitän Lilian Thuram sowie die Torschützen Henry und Anelka - standen in Frankreichs Aufgebot, und die 16 000 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften Stadion von Fort-de-France feierten ihre Helden. Henry wurde nach der Partie auf Schultern vom Platz getragen. "Alles ist positiv", stellte Domenech fest und übersah bei seiner Analyse wohl doch die besonderen Bedingungen des Spiels.

Ohne den an der Leiste verletzten Zidane sowie die geschonten Makele, David Trezeguet und Patrick Vieira präsentierte sich Frankreich gegen Costa Ricas B-Elf nicht als große Fußball-Nation. Wie bei der erst im Schlussspurt nach der Rückkehr von Zidane gesicherten WM-Qualifikation zeigte sich, dass die "Blauen" ohne ihre Superstars kaum auskommen. Zudem ist die Stimmung im Team offenbar nicht konfliktfrei. Der auf gleich drei Abwehrpositionen hin und her geschobene Star-Verteidiger William Gallas vom FC Chelsea meckerte: "Es freut mich für die Mannschaft, aber für mich wird es langsam zu einer großen Frustration. Ich habe die Schnauze voll."

Von Arne Richter/DPA

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