Länderspiel Podolski rettet DFB-Elf Remis


Würdiger Auftritt nach dem Tod von Robert Enke: Mit einer engagierten Leistung hat die DFB-Elf ein Unentschieden gegen die Elfenbeinküste erreicht. Lukas Podolski setzte in der Schalker Arena sowohl den ersten, als auch den letzten Höhepunkt der Partie.

Nach der Trauer um Robert Enke hat Lukas Podolski der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein Remis zum Jahresabschluss gerettet. Der Kölner erzielte am Mittwochabend in Gelsenkirchen in der Nachspielzeit den verdienten Treffer zum 2:2 (1:0). Das Team von Bundestrainer Joachim Löw zeigte im Duell gegen WM-Teilnehmer Elfenbeinküste eine Mut machende Leistung, ein halbes Eigentor des Schalker Torhüters Manuel Neuer und ein spätes Joker-Tor hätte aber beinahe für eine Niederlage gesorgt. Nach einem Rückpass von Vereinskollege Heiko Westermann schoss Neuer Emmanuel Eboué (57. Minute) aus kurzer Distanz an. Der Ball trudelte ins Tor. Der zwei Minuten zuvor eingewechselte Seydou Doumbia (85.) erzielte kurz vor Schluss den zweiten Gästetreffer. Der überzeugende Podolski (11.) hatte bei der Premiere in den WM-Trikots per Foulelfmeter die DFB- Auswahl in Führung gebracht.

Im vorletzten Test vor Benennung des WM-Kaders für Südafrika hatten die Gastgeber vor 33 015 Zuschauern zahlreiche Torchancen. Auch nach dem unglücklichen Ausgleich drängten die Gastgeber auf das Siegtor. Die besten Gelegenheiten vergaben zunächst Podolski (74.) und der bei seiner Einwechslung ausgepfiffene Mario Gomez (81.). Die DFB-Auswahl, in der der Bremer Aaron Hunt als 32. Löw-Neuling für zwölf Minuten sein Debüt feierte, beendete 2009 dennoch mit einer positiven Bilanz von sieben Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlagen. Am 3. März 2010 beginnt der WM-Countdown mit der Härteprüfung gegen Argentinien in München.

Test- und Gedenkspiel zugleich


Die Partie gegen die Elfenbeinküste war Test- und Gedenkspiel zugleich. Ein tatsächlicher, sportlicher Maßstab konnte sie aber nicht sein. Vor dem Anpfiff wurde bei einer Schweigeminute an den gestorbenen Robert Enke erinnert. Ein Film auf der Videoleinwand zeigte Bilder des Nationaltorwarts. Dazu wurde der Fußball-Song "You'll never walk alone" gespielt. An den deutschen Fahnen hing ein Trauerflor. Beide Mannschaften spielten mit einer schwarzen Armbinde. Auf der deutschen Ersatzbank war ein Trikot mit dem Namenszug des Torwarts von Hannover 96 platziert. Die Gäste trugen vor der Partie T-Shirts mit dem Konterfei des Torhüters und der Aufschrift "In memoriam Robert Enke".

Schon vor der Partie hatten sich die Nationalspieler in einem bewegenden Offenen Brief von ihrem Kollegen verabschiedet. "Wir spielen heute für Deutschland, wir spielen für die Fans. Aber wir spielen vor allem für Dich. Für einen guten Freund, durch dessen Tod wir alle noch ein Stückchen näher zusammengerückt sind", hieß es in dem Abschiedsgruß. Nur zaghaft erklangen nach dem Anpfiff Fan- Gesänge. Die Atmosphäre in dem lediglich gut zur Hälfte gefüllten Stadion blieb bis zum Führungstor gedrückt. Danach herrschte auf den spärlich besetzten Rängen immer mehr normale Länderspielstimmung. Nach knapp einer halben Stunde versuchten sich die Fans an einer "La Ola".

Trotz aller Trauer musste Löw das Duell mit dem WM-Teilnehmer zum Testen nutzen. Ohne den angeschlagenen Kapitän Michael Ballack (Knie), der in Zivil auf der Ersatzbank saß, kehrte der Bundestrainer zum System mit einer Mittelfeldraute zurück, Mesut Özil war zentraler Spielgestalter. Im Angriff durfte sich neben Podolski erstmals Stephan Kießling von Beginn an beweisen und nutzte seine Chance. Schon nach zehn Minuten holte der bewegliche Leverkusener im Laufduell mit dem Hamburger Guy Demel den Elfmeter heraus, den Podolski zu seinem 36. Länderspieltor verwandelte. Gejubelt wurde über den ersten Strafstoßtreffer des Jahres nur zurückhaltend.

Neuer hatte viel Pech


Kurz darauf hatte Ersatzkapitän Philipp Lahm Glück, dass der Heber des agilen Eboué (13.) nach zu kurzem Kopfballrückpass auf der Latte landete. Tim Wiese, dem in der ersten Halbzeit die emotional schwere Aufgabe zukam, in seinem ersten Starteinsatz im DFB-Trikot auf der Enke-Position zu spielen, hätte keine Chance gehabt. Gelegenheiten, sein Torwart-Können zu zeigen, hatte der Bremer nicht.

Die offensive Ausrichtung von Löw zeigte mit attraktiven Spielzügen Wirkung. Gegen den technisch versierten Gegner konnte sich die DFB-Auswahl auch leichtere Abwehrwackler auf den Außenbahnen leisten und hätte vor der Pause den Vorsprung ausbauen können. Stuttgarts Arthur Boka klärte bei einem Kopfball von Westermann (25.) auf der Linie. Podolski (22./31.) versuchte es aus der Distanz. Özils (32.) Schuss aus freier Position war zu lasch. Trochowski (44.) traf kurz vor dem Halbzeitpfiff den Pfosten.

Im zweiten Abschnitt kam der Schalker Neuer für Wiese zum vereinbarten Heim-Einsatz und hatte reichlich Pech. Nach dem schlampigen Westermann-Rückpass traf er den Bauch des Arsenal-Profis Eboué. Zuvor hatten die Antreiber Podolski (51.) und Kießling (53.) auf der Gegenseite Akzente gesetzt - doch das mögliche zweite Tor verpasst. Da beide Mannschaften nicht mit letzter körperlicher Konsequenz agierten, setzte sich das ansehnliche Spiel fort. Als alles nach einem gütlichen Remis aussah, schlug Doumbia nach tollem Solo per Fernschuss noch zu, doch Podolski verhinderte doch noch die erste DFB-Niederlage seit neun Partien.

Jens Mende und Klaus Bergmann, DPA DPA

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