VG-Wort Pixel

Ende des Transferstreits Drama, Baby! Wie Messi den FC Barcelona in einen Schockzustand versetzte

Diva und Genie: Lionel Messi
Diva und Genie: Lionel Messi
© Joan Monfort / DPA
Zwischen Lionel Messi und dem FC Barcelona bleibt die schmutzige Scheidung aus, der Argentinier will nun seinen Vertrag bis 2021 erfüllen. Dennoch ist klar: Die ehemals gute Beziehung hat schweren Schaden genommen.

Lionel Messi wird nun doch seinen Vertrag bis 2021 beim FC Barcelona erfüllen. Es ist das vorläufige Ende eines Beziehungsdramas, das zu einem schmutzigen Rosenkrieg auszuarten drohte. Doch Messi und seine Berater sahen offenbar ein, dass sie im Falle einer juristischen Auseinandersetzung den Kürzeren gezogen hätten. Der FC Barcelona und Präsident Josep Bartomeu hatten den Beratern von Messi, seinem Bruder Rodrigo und Vater Jorge, unmissverständlich klargemacht, dass sie auf der Erfüllung des Vertrages bestehen. Das zeigte offenbar Wirkung. In einem Interview mit "goal.com" bestätigte Messi die Einigung. "Die andere Option war, dass ein Richter es klärt. Aber ich würde niemals gegen Barça vor Gericht ziehen, weil es der Club ist, den ich liebe. Der mir alles gegeben hat, seit ich hier herkam. Es ist der Klub meines Lebens", sagte er. 

Ursprünglich hatte Messi darauf bestanden, dass die im Vertrag festgeschriebene Kündigungsfrist bis zum 31. Mai wegen der verlängerten Saison länger gelte. Im Fall einer fristgerechte Kündigung hätte er ablösefrei gehen dürfen. Ohne Kündigung sind 700 Millionen Euro Ablöse fällig.

Der überraschenden Entscheidung gingen zwei turbulenten Wochen voraus. Und sie bedeutet das Ende des Schweigens, dass sich "La Pulga", der Floh, auferlegt hatte, seit er mit dem FC Barcelona die epochale 2:8-Niederlage gegen den FC Bayern erlitten hatte. In dieser Zeit gab es nur die eine offizielle Nachricht: Dass der heilige Leo Messi seine Kündigung in einem Einschreiben beim FC Barcelona einreichte. Ein Schock für alle Anhänger, für den Verein und die Stadt. Sollte auf diese traurige Weise eine 20-jährige Traumbeziehung enden, die die mit Abstand erfolgreichste Zeit des Klubs darstellt? Seitdem war beim FC Barcelona und seinen Anhängern nichts mehr, wie es war. In diesem Fall von einer Erschütterung zu sprechen, ist nicht übertrieben.

Messi schwänzte vorsorglich das Training

Spekulationen und Superlative lösten sich in schneller Reihenfolge ab, es gab kein Halten mehr. Die spanische Sportzeitung "Marca" schrieb in maßloser Übertreibung: "Der Fußball-Planet hängt von Messi ab." Nicht viel anders war der Tenor aus Argentinien: "Die Welt richtet ihren Blick auf Barcelona." Doch der, um den sich alles drehte, äußerte sich nicht und befeuerte so die Gerüchte. "Geht er oder geht er nicht?" wurde in diesen Tagen in Barcelona fast zu einer existentiellen Frage.

Während sich die Welt im Barca-Messi-Universum um diese eine Frage drehte, zog sich der Hauptprotagonist des Dramas mit Frau Antonella und den drei Kindern in seine Villa in Castelldefels zurück, einem Küstenort südwestlich von Barcelona. Er war offenbar fest entschlossen, den Verein zu verlassen. Sportliche Tiefschläge und interne Missstimmungen wie das Verhältnis zu Klubboss Bartomeu waren (und sind) der Grund für Messis Frustration.

An der Verhandlungsfront stand Vater Jorge. Im Privatjet flog der von Rosario, der argentinischen Heimatstadt Messis, nach Barcelona, um sich mit Rodrigo und einem Anwalt im Schlepptau mit Klubpräsident Josep Bartomeu zu treffen. Als neuer Klub stand wohl Manchester City bereit. Dort trainiert Pep Guardiola, mit dem Messi zwei Mal die Champions League gewann. Zudem ist der englische Klub mit den Millionen aus Abu Dhabi in der Lage, sich einen Messi zu leisten. Messis aktuelles Jahresgehalt liegt angeblich bei 50 Millionen Euro. Wie ernst es dem 33-Jährigen mit seinem Wechselwunsch war, unterstrich er, als er weder zum Corona-Test noch zum Training ging, dass seit wenigen Tagen wieder läuft.

Messis Vater nuschelte "Si" oder "No sé"

Die verhärteten Fronten führten in den Medien zu einigen Kapriolen. So fingen Journalisten am Donnerstag Jorge Messi an seinem Wagen in einer Parkgarage ab und fragten, ob es möglich sei, dass sein Sohn bis 2021 bleiben könnte. Angeblich soll er "Si" (Ja) gesagt haben. Oder war es ein genuscheltes "No sé" ("Ich weiß es nicht"). Man war sich nicht hundertprozentig sicher.

Dennoch war es ein Wendepunkt in dem Beziehungsdrama. Das angebliche "Si" ließ zumindest die Stimmung von purer Verzweiflung in leise Hoffnung kippen, dass Messi dem Verein erhalten bleibt. "Er denkt darüber nach", titelte die in Barcelona ansässige "Sport". "Im Moment sieht es so aus, als würde er bleiben, aber alle Optionen bleiben noch offen", schrieb die "Mundo Deportivo" zurückhaltend. Die Zeitung hatte extra einen Liveticker eingerichtet, in dem sie detailliert über jede Entwicklung informierte, auch vom andertalbstündigen Besuchs von Vater Jorge im Haus seines Sohnes.

Verstärkt wurde die Hoffnung aus dem Umfeld Messis, aus dem auf einmal wieder positive Signale kamen. Einige Medien berichteten, dass Messi sich zwar weiterhin im Recht fühle. Was Messi aber nicht wolle, sei ein unschöner oder gar schmutziger Weggang von dem Klub, bei dem er zum sechsmaligen Weltfußballer reifte. Das hat er nun bestätigt.

Ist es überhaupt sinnvoll, dass Messi bleibt

Eine andere Frage, die sich vermutlich nur Auswärtige zu stellen wagen, wurde hingegen gar nicht diskutiert: Ist es überhaupt sinnvoll, den Superstar unbedingt halten zu wollen? Die meisten Experten (und Anhänger sowieso) bejahen sie unmissverständlich. Die Vorstellung, dass Leo Messi im Trikot von Manchester City aufläuft, käme für sie einer Gotteslästerung gleich. Schließlich ist der FC Barcelona Messi und umgekehrt.

Das heißt aber genauso, dass der Verein vollkommen abhängig ist von diesem Ausnahmefußballer – das kann Entwicklungen hemmen. Es ist kein Geheimnis, dass Messi eine machtbewusste Diva ist, die massiv Einfluß nimmt. Wer es sich mit Messi verdirbt, hat schlechte Chancen. Das gilt für Mitspieler und Trainer, die im Grunde alle unter Messi spielen. Ein David Villa soll einst verkauft worden sein, weil Messi mit dem Angreifer unzufrieden war. Verteidiger und Landsmann Javier Mascherano spielte noch im gehobenen Alter, obwohl er seinen Leistungszenit längst überschritten hatte – aber er war ein Messi-Kumpel, genau wie Angreifer Luis Suarez. Der wurde nun vom neuen Trainer Ronald Koemann aussortiert, was Messi erzürnt haben soll.

Allerdings weiß Messi genauso, was gut für ihn ist. Er braucht ein stabiles Umfeld und eine auf ihn ausgerichtete Mannschaft, um sich wohl zu fühlen. Schon vor dem Champions-League-Desaster hatte er gewarnt, dass die Mannschaft unter Trainer Quique Setien zu schlecht spiele, um eine Chance in der Champions League zu haben. Er hat recht behalten.

Jetzt wird es das 21. Jahr Messis beim FC Barcelona geben. Es sieht so aus, als wäre die Beziehung zwischen dem Argentinier und dem katalanischen Klub zu einer reinen Zweckgemeinschaft verkommen - trotz Messis Liebesgeständnis im Statement. Messis Ruf hat ebenso gelitten. Es soll Spieler im Kader der Katalanen geben, die nicht traurig gewesen wären, wenn sich der Argentinier verabschiedet hätte. Möglicherweise wären sie mehr zur Geltung gekommen, wie zum Beispiel Angreifer Antoine Griezmann. Es könnte ein schmerzhaftes Trennungsjahr werden.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, "goal.com", "Clarin""Kicker", "Focus"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker