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Paolo Guerrero: Ein Krieger in München

Durch seine Tore hat sich Paolo Guerrero bei Bayern München ins Rampenlicht und die Rekord-Bücher der Fußball-Bundesliga geschossen. Der Vergleich mit Gerd Müller macht die Runde.

Seinen Körper zieren unzählige Tattoos, sein Name bedeutet übersetzt "Krieger", aber sein Markenzeichen sind Tore: In Atem beraubendem Tempo hat sich Paolo Guerrero bei Bayern München in die Herzen der Fans und in die Rekordbücher der Fußball-Bundesliga geschossen. So schnell wie der 20 Jahre alte Peruaner startete in den 60er Jahren nicht einmal sein Lehrmeister Gerd Müller durch. Nur 107 Minuten benötigte Super-"Joker" Guerrero für seine ersten vier Liga-Tore, das ist Rekord in 42 Jahren Bundesliga.

"Bomber" Gerd Müller, mit 365 Toren in 427 Ligaspielen die "ewige" Nummer 1, benötigte immerhin drei Mal so lange. Uli Hoeneß erkennt durchaus Parallelen zwischen Vergangenheit und Zukunft des FC Bayern: "Paolo trägt das Torjäger-Gen in sich wie einst Gerd Müller", sagte der Bayern-Manager der «Bild»-Zeitung vor dem Champions-League-Spiel des Rekordmeisters am Dienstag gegen Maccabi Tel Aviv.

Mit 7 Toren innerhalb von zwei Wochen hat sich Guerrero ins Rampenlicht katapultiert. Vier Mal traf er als Einwechselspieler in der Bundesliga, zwei Mal für die Bayern-Amateure im DFB-Pokal und erstmals für die peruanische Nationalmannschaft. "Er hat einen Lauf", sagen alle von Trainer Felix Magath bis zu Kapitän Oliver Kahn.

"Ich bin vor jedem Spiel überzeugt, dass ich mein Tor mache", erzählte Guerrero. Tore schießen kann er sehr viel besser als Deutsch sprechen, auch wenn er sich längst wohlfühlt in München. "Ich habe kein Heimweh", sagt er. Nach seiner Beförderung zum Nationalspieler wird er allerdings in Zukunft wieder häufiger nach Peru kommen, wo er nach seinem jüngsten Premieren-Treffer beim 2:1 gegen Chile von der Zeitung "Libero" bereits als "neuer Inka-Gott" gefeiert wurde.

Die Bayern-Stars applaudierten ihm sogar spontan in der Kabine, nachdem er beim 3:1-Sieg in Bochum mit seinen Toren die Partie nach dem Rückstand kippte. Eine bemerkenswerte Wertschätzung für einen Jung-Profi, der als Mitspieler Ernst genommen wird. "Paolo ist ein sehr guter Spieler. Klar, ist das eine Extra-Konkurrenz im Angriff. Aber das tut Claudio und mir nur gut", bemerkte Roy Makaay.

18,75 Millionen Euro Ablöse kostete die Bayern der Niederländer, 300.000 Dollar überwiesen sie vor zwei Jahren nach Lima an den Club Alianza. Amateur-Trainer Hermann Gerland brachte den "Schlawiner" mit seinem Assistenten Gerd Müller in die richtige Spur. Nach 21 Toren für die "kleinen Bayern" in der vergangenen Regionalliga-Saison war Guerreros Durchbruch eine Frage der Zeit und einer Portion Glück.

Natürlich wird sein Lauf nicht ewig anhalten. Das weiß auch Felix Magath, der in Stuttgart mit Kevin Kuranyi Ähnliches erlebt hat. Der Nationalspieler konnte nach den ersten Bundesligatoren die Form nicht halten, fiel in ein Loch und und musste sich sogar wieder über die VfB-Amateure nach oben dienen. "Ich weiß genau, dass junge Spieler in der Lage sind, durch eine euphorische Stimmung gute Leistungen in der Bundesliga zu bringen", bemerkte der Trainer. Auch bei Guerrero, den Magath als "Straßenfußballer" bezeichnet, "der ein Näschen hat und sich gut bewegt", wird ein Einbruch irgendwann kommen.

«Wenn er vom Kopf her klar bleibt, kann er ein Großer werden», glaubt der nach langer Verletzung wieder angreifende Team-Kollege Zickler. Bis 2006 steht er bei den Bayern unter Vertrag. Für die Vereinsführung ist Guerrero eine weitere Ermutigung, noch mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Nach Owen Hargreaves und Bastian Schweinsteiger ist Guerrero immerhin der dritte Spieler aus dem Bayern-Talentschuppen, der den Sprung ins Profiteam geschafft hat.

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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