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Psycho-Duell Bayern vs. Schalke: "Der Slomka hat keine Ahnung"

Der Bundesliga-Schlager zwischen Bayern und Schalke (ab 15.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) hat Spieler beider Clubs zu verbalen Höchstleistungen angestachelt. Das Spiel vor dem Spiel steht unentschieden - auf niedrigstem Niveau.

Beim verbalen Vorspiel liefen alle zur Hochform auf - abgerechnet wird zwischen Bayern München und Schalke 04 aber auf dem Fußballplatz. Und der größere Druck liegt eindeutig beim (noch) amtierenden deutschen Meister, dem bei einem Misserfolg mehr denn je ein UEFA-Pokal-Jahr drohen würde. "Wir brennen darauf, in der Allianz Arena die lebenswichtigen drei Punkte gegen Schalke zu holen", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld vor der Bundesliga-Knallpaarung an diesem Samstag vor 69.000 Zuschauern in München.

Um alles oder nichts geht es am 27. Spieltag zwar noch nicht, aber doch um verdammt viel: Für Spitzenreiter Schalke ist die Partie beim Titelverteidiger eine echte Meister-Prüfung, für die Bayern ist der Bundesliga-Gipfel drei Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale beim AC Mailand schon wieder der Start in eine Woche der Wahrheit. "Und da ist der FC Bayern besonders stark", tönte Hitzfeld.

Die Champions League könnte in weite Ferne rücken

"Die Zeit der Vormachtstellung der Bayern ist vorbei." Mit dieser Aussage hatte Nationalstürmer Kevin Kuranyi den Schlagabtausch auf königsblauer Seite eröffnet und die verbalen Psycho-Spielchen ins Rollen gebracht. "Bayern ist über Jahre die beste Mannschaft in Deutschland und wird es auch bleiben", konterte Nationalelf-Kollege Philipp Lahm. Hitzfeld steigerte das Ballyhoo zum Nervenkrieg: "Der erste Platz kann auch ungewohnten Druck erzeugen - und das hat man den Schalkern in den letzten Partien schon angesehen", stichelte der Bayern-Coach. Kollege Mirko Slomka widersprach postwendend: "Die Bayern haben enormen Druck, denn bei einer Niederlage könnten die Champions-League-Plätze für sie schon in weite Ferne rücken."

Tatsächlich geht es für den Rekordmeister bei neun Punkten Rückstand auf Schalke, sechs auf Werder Bremen und zwei auf den VfB Stuttgart vor ausverkauftem Haus erst in zweiter Linie um die letzte Titelchance. Es geht vor allem um das Champions-League-Ticket für 2007/08. "Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um den Druck auf unsere Konkurrenten zu erhöhen", betonte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Und Manager Uli Hoeneß ergänzte in völlig ungewohnter Bescheidenheit: "Es geht nur um Platz drei - wirklich."

"Wir fahren dorthin, um zu gewinnen"

Trotz des erkennbaren Aufschwungs unter Hitzfeld, seit Wochen hängen die Bayern auf Platz vier fest. Schalke dagegen hat sich an Platz eins gewöhnt. "Und wer so lange Tabellenführer ist, der will auch am Ende oben stehen", verdeutlichte Abwehrspieler Mladen Krstajic das neue Selbstverständnis der Gelsenkirchener. Schon ein Punkt würde reichen, um auch am Samstag oben zu bleiben und die Bayern als immer währendes Schreckgespenst im Titelkampf endgültig abzuschütteln. Manager Andreas Müller will aber noch mehr: "Wir fahren dorthin, um zu gewinnen", sagte er selbstbewusst.

Personell fühlen sich beide Kontrahenten gerüstet: Hitzfeld kann sein bestes Team mit den am kommenden Dienstag in Mailand gesperrten Oliver Kahn und Mark van Bommel auf den Platz schicken. Auch Bastian Schweinsteiger hat seinen Bluterguss aus dem EM-Qualifikationsspiel in Tschechien überwunden. Bei Schalke fehlt zwar weiterhin der gesperrte Regisseur Lincoln, und auch Gustavo Varela (Knie) fällt weiterhin aus. Dafür kehrt der konterstarke Peter Lövenkrands nach seinem Bänderriss erstmals wieder in die Startelf zurück. "Ich habe ein gutes Gefühl, bei uns sind fast alle Spieler wieder dabei", sagte Torjäger Kuranyi.

"Slomka hat keine Ahnung"

Kahn contra Neuer, Kuranyi gegen Podolski - viele reizvolle Duelle sind angesagt. Und Slomka hat die Bayern mit seiner Erkenntnis, dass der Rekordmeister im Mittelfeld "Lücken" habe, die man ausnützen wolle, am Freitag noch einmal zusätzlich gereizt. "Der Slomka hat keine Ahnung", bellte Bayerns Mittelfeldrenner Owen Hargreaves in der "Bild"-Zeitung zurück. Und Schweini schickte noch einen schönen Gruß hinterher: "Ich weiß nicht, ob die Schalker mal bei uns aufs Trikot geschaut haben. Da sind ein paar Sterne über dem Wappen." Genug geredet - jetzt soll gespielt werden.

DPA/kbe

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