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Sonntagsspiele: Bayern behäbig, Stuttgart glücklich

Der VfB Stuttgart im Wechselbad der Gefühle: Nach zwei Roten Karten sicherte ein Traumtor in der Schlussphase das 3:2 bei Arminia Bielefeld. Im zweiten Sonntagsspiel hatte Bayern München einige Mühe mit den tapferen Bochumern.

Mit seinem Treffer in der 65. Minute hat Philipp Lahm den FC Bayern München am Sonntagabend zu einem verdienten 2:1 (1:0)-Erfolg bei Aufsteiger VfL Bochum geschossen. Vor 31.328 Zuschauern im ausverkauften rewirpower-Stadion hatte Roy Makaay (43.) die teilweise nachlässig spielenden Gäste in Führung gebracht, Fabio Junior (52.) schaffte für die wackeren und unter Wert geschlagenen Hausherren den Ausgleich. Dank seines Erfolgs empfängt der FC Bayern in sechs Tagen Tabellenführer 1. FC Nürnberg zu einem echten Spitzenspiel.

"Ich habe da vorne normalerweise nichts zu suchen und habe Glück gehabt, dass der Ball dann durch alle Beine hindurch ins Tor gegangen ist", schilderte Lahm mit einem Lächeln im Gesicht seinen Siegtreffer. "Aber Hauptsache, er war drin", ergänzte er. VfL Bochum-Coach Marcel Koller gratulierte seiner Mannschaft zu ihrer engagierten Leistung, monierte aber einige folgenschwere Nachlässigkeiten: "Wir waren sicher nicht schlechter als die Bayern, aber sie waren die clevere Mannschaft. Die Münchner haben zwei Fehler von uns brutal ausgenutzt. So etwas wird in der Bundesliga bestraft."

Owen Hargreaves krank allein zu Haus

Im seinem 300. Punktspiel als Trainer musste Bayern-Coach Felix Magath auf Owen Hargreaves verzichten, der mit einer Grippe zu Hause bleiben musste. Der Engländer wurde vom Argentinier Martin Demichelis vertreten. Ansonsten spielte die Mannschaft, die mit 2:0 gegen Borussia Dortmund erfolgreich in die Saison gestartet war - Top-Neuzugang Lukas Podolski blieb also erneut nur ein Platz auf der Reservebank. Die Bayern versprühten in den ersten 45 Minuten dennoch wenig Glanz gegen die gut mithaltenden Hausherren, bei denen Zvjezdan Misimovic für Benjamin Auer ins Team zurückkehrte, so dass Fabio Junior zunächst einzige VfL-Spitze war.

Mit Ausnahme von Daniel van Buyten (3.), der per Kopf nur die Latte traf, hatten die Münchnern lange keine nennenswerte Chance. Glück hatten die Bochumer allerdings, als Pavel Drsek nach Roque Santa Cruz' Kopfball der Ball gegen die Hand sprang (33.), der Elfmeterpfiff aber ausblieb. Dennoch schaffte Bayern wie so oft kurz vor der Pause das 1:0. Der bis dahin nicht in Erscheinung getretene Makaay nutzte Hasan Salihamidzic' Steilpass zu einem schön herausgespielten zweiten Saisontor.

Behäbige Müncher wachen auf

Nach Wiederanpfiff wurde die Bochumer schnell für ihr unermüdliches Engagement belohnt. Auf Zuspiel des agilen Misimovic bestrafte der nicht eng genug markierte Fabio Junior die wiederholt zu sorglos auftretende Abwehr der Bayern mit dem 1:1. Erst jetzt wachten die behäbigen Münchner auf und übernahmen wieder das Kommando. Nachdem Andreas Ottl (60.) knapp an Schlussmann Peter Skov-Jensen gescheitert war, machte es Nationalspieler Lahm besser. Er nahm Willy Sagnols Flanke geschickt an und traf platziert ins Eck.

Im zweiten Sonntagsspiele hat der überragende Cacau für den VfB Stuttgart ein verloren geglaubtes Spiel aus dem Feuer gerissen und den totalen Fehlstart der Schwaben in der Fußball-Bundesliga abgewendet. Mit dem 3:2 (1:0) am Sonntag bei Arminia Bielefeld machte die Mannschaft von Trainer Armin Veh die.0:3-Heimpleite zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Nürnberg wett. Der brasilianische VfB-Stürmer traf vor 22.095 Zuschauern in der Schüco Arena zwei Mal (73., 82.), Fernando Meira (39.) hatte die Stuttgarter in Führung geschossen.

Neun Stuttgarter gegen elf Bielefelder

Die eingewechselten Abdelaziz Ahanfouf (65.) mit einem umstrittenen Handelfmeter und der bei Borussia Mönchengladbach ausgemusterte Jörg Böhme (76.) hatten jeweils für den Ausgleich der Arminia gesorgt. Nachdem Stuttgarts mexikanischer Verteidiger Ricardo Osorio wegen des Handspiels vor dem Strafstoß (Rote Karte) und Antonio da Silva wegen wiederholten Foulspiels (Gelb-Rot) vom Platz mussten, hatte alles nach einem Heimsieg für Bielefeld ausgesehen.

Gleich auf vier Positionen hatte Veh, der am 11. Februar mit einer 1:2-Niederlage auf der Bielefelder Alm seine Premiere als Chefcoach der Schwaben gefeiert hatte, seine Elf im Vergleich zur.0:3-Blamage gegen den 1. FC Nürnberg am ersten Spieltag umgestellt. Meira, Antonio da Silva, Cacau und Ludovic Magnin kamen rein, der schwedische Neuzugang Alexander Farnerud, Markus Babbel und Mario Gomez wurden auf die Bank verbannt. Nationalspieler Thomas Hitzlsperger stand nicht einmal im Aufgebot. Das rigorose Durchgreifen des Trainers und die weit reichende Rotation wirkte sich dann auch prompt spürbar positiv auf das Spiel der Schwaben aus.

Meira spielte stark

Vor allem der neue Kapitän Meira sorgte für mehr Stabilität in der gegen den "Club" äußerst anfälligen Hintermannschaft. Zudem schaltete sich der Portugiese immer wieder in den Angriff ein und sorgte so für ein Übergewicht der Gäste in den ersten 45 Minuten. Zunächst scheiterten zwar Daniel Bierofka (3.) und der Schweizer Magnin (38.) an Arminen-Torwart Mathias Hain. Doch gegen Meiras Kopfball nach einer Ecke von da Silva war auch Bielefelds Schlussmann machtlos.

Erst mit der Hereinnahme von Ahanfouf erwachten die Bielefelder nach dem Seitenwechsel aus ihrer Lethargie. Der Angreifer schnappte sich auch nach dem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe sofort den Ball und sorgte für den 1:1-Ausgleich. Nachdem Cacau die erneute Führung (73.) für die Schwaben erzielt hatte, kam es zu einem wundersamen Comeback: Dem früheren Schalker Jörg Böhme, der zuletzt auch bei Borussia Mönchengladbach aussortiert worden war, gelang mit einem traumhaften Weitschuss der kurzfristige Ausgleich. Für den glücklichen Schlusspunkt sorgte aber Cacau mit einem einem Traumtor aus der zweiten Reihe zum 3:2 für den VfB Stuttgart.

Dietmar Fuchs und Ulli Brünger/DPA / DPA

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