TV-Rechte Kantersieg für die Sportschau


Deutschlands Fußball rettet sich unter den öffentlich-rechtlichen Schutzschirm und kann seine Einnahmen gegenüber den Vorjahren sogar steigern. Offen ist, wann und wo die Sportschau am Sonntag auf Sendung geht. Der Sendeplatz von Anne Will soll sicher sein. Kommen jetzt die Dritten zum Zug?
Von Daniel Theweleit, Frankfurt a. Main

Angesichts der Dimension des Triumphes fiel die Freude der Herren aus der Fußballwelt fast schon bescheiden aus. Wie sich schon länger abzeichnete, ging es bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Bundesliga nicht nur um Geld für die Klubs und ihre millionenschweren Angestellten, das Verfahren handelte auch von der deutschen Fernsehkultur. Die Furcht, der Fußball könne aus dem samstäglichen Vorabend verschwinden, hat das Kartellamt schon vor Monaten aus der Welt geschafft, nun erobert das Spiel recht überraschend auch noch den Sonntagabend im Ersten. Der Polittalk von Anne Will im Anschluss an den Tatort soll seinen Sendeplatz behalten, wie ARD-Programmdirektor Volker Herres versicherte. Wo die Zusammenfassungen der beiden Sonntagsspiele in der ARD gezeigt werden, darüber wird noch beraten werden. Eine realistische Möglichkeit scheint die Ausstrahlung in den Dritten. Für die Bundesliga ist das ein erstaunlicher Erfolg.

"Wir haben herausgeholt, was der Markt in Deutschland hergibt", erklärte Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), als sein Verband am Freitagmittag die Details des neuen Modells der TV-Vermarktung präsentierte. Zwar enthielt seine Rede stets den Subtext, dass man auf anderen Märkten mehr hätte erlösen können als die durchschnittlich 412 Millionen Euro pro Jahr (bisher 409), doch der Sendeplatz der Sonntagssportschau ist von enormem Wert. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, sprach daher von einem "überragenden Ergebnis", bevor er mit wehendem Mantel das Flugzeug nach Bremen bestieg, wo sein Klub am morgigen Samstag antreten muss.

Sportschau lebendiger denn je

Das neue Modell sieht vor, dass der Bezahlsender Premiere nach wie vor alle Spiele der ersten und zweiten Liga live überträgt. Ein Top-Spiel am Samstagabend zeigt Premiere zeitgleich mit der Sportschau, so sollen ein paar neue Abonnenten gewonnen werden. Skeptiker hatten das ARD-Format ohne diese Spitzenpartie bereits für tot erklärt, mit dem Sonntagscoup erstrahlt es lebendiger denn je. Natürlich lächelte auch ARD-Sportschef Steffen Simon nach der Absegnung des Konzeptes durch die Manager der 36-DFL Mitglieder zufrieden, kommentieren mochte er den Erfolg für seine Redaktion jedoch nicht.

Wahrscheinlich bezahlt die ARD nun trotz des verlorenen Topspiels am Samstag sogar mehr als die 97 Millionen Euro, die der Sender derzeit jährlich für sechs Bundesligaspiele pro Spieltag aufbringt. Details zu den Zahlen wurden nicht verkündet, nur die Summe der künftigen Einnahmen präsentierte der Ligaverband stolz. 1,65 Milliarden Euro erhält die Bundesliga von Premiere (Pay-TV und WEB-TV), ARD, ZDF (Zusammenfassungen in Sportschau und im aktuellen Sportstudio), der Deutschen Telekom (Mobile-Rechte und IPTV) für vier Jahre.

"Damit bewegen wir uns über den Durchschnittspreisen des laufenden Vertrages", sagte Seifert, und weil noch eine gesteigerte Auslandsvermarktung hinzukommt (statt 18 Millionen Euro künftig 35 Millionen) haben die Klubs trotz Finanzkrise ab dem kommenden Jahr mehr Geld als bisher. Das ist erstaunlich und nur mit den öffentlich-rechtlichen Zuwendungen möglich. Denn Premiere hat große finanzielle Schwierigkeiten, angeblich rang der Bezahlsender bis zuletzt um die nötigen Bürgschaften für seine lebensnotwendige Großinvestition.

Nur St. Pauli stimmte gegen den neuen TV-Vertrag

Das neue Modell sei mit einem "überwältigenden Ja-Ergebnis" angenommen worden, erklärte Liga-Präsident Reinhard Rauball nach der Versammlung, einzig der FC St. Pauli gab ein ablehnendes Votum ab. Der Hamburger Zweitligist kann sich nicht damit anfreunden, dass ab dem kommenden Sommer zwei Zweitligaspiele samstags um 13:30 Uhr stattfinden. Auf dem Kiez ist das am Samstag früher Morgen. Dafür sind diese Partien abends in der Sportschau zu sehen, das ist ein Gewinn für die beteiligten Klubs.

Trotz des guten Abschlusses hegt der Ligaverband allerdings weiter großen Groll gegenüber dem Kartellamt. Man werde "rechtliche Schritte" gegen die Intervention die Behörde einleiten, aufgrund derer die Zusammenarbeit mit der Firma Sirius aus dem Umfeld Leo Kirchs scheiterte.

Vielleicht können die Fußballfunktionäre aber sogar froh sein über die Entscheidung der Wettbewerbshüter. Denn Sirius hatte ein hoch komplexes Finanzierungsmodell ausgetüftelt, das mit großer Wahrscheinlichkeit in Zeiten der Finanzkrise ins Wanken geraten wäre. Seifert widersprach dieser Überlegung nicht. "Ich beschäftige mich nicht mehr mit solchen theoretischen Möglichkeiten", sagte er.

In jedem Fall hat der deutsche Fußball großes Glück gehabt: Es fließen weiterhin üppige öffentlich-rechtliche Mittel, sichereres Geld gibt es im Augenblick nicht. Zudem ist Rupert Murdoch genau im richtigen Moment bei Premiere eingestiegen, und steht nun mit all seiner Macht hinter dem deutschen Pay-TV, und die Klubs sind aufgrund des deutschen Lizenzierungsverfahren gesünder als die Konkurrenz aus allen anderen großen Ligen. Vielleicht zeigt sich das ja bald auch einmal in den europäischen Wettbewerben.


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