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Uefa-Cup: HSV und Werder auf Messers Schneide

Spannung pur vor den Viertelfinal-Rückspielen im Uefa Cup (20.45 Uhr live im stern.de-Lievticker): Der Hamburger SV und Werder Bremen haben sich zwar gute Ausgangspositionen erspielt, aber das Weiterkommen gegen Manchester City und Udinese Calcio wird schwer. Sind beide Teams erfolgreich, treffen sie im Halbfinale aufeinander.

Der Hamburger SV will auf dem Weg in sein erstes europäisches Halbfinale seit 26 Jahren das angeschlagene Millionen-Ensemble von Manchester City auf keinen Fall zum Stolperstein werden lassen. Trotz der guten Ausgangsposition nach dem 3:1 im Hinspiel warnte Kapitän David Jarolim davor, zu siegessicher in das Duell auf der Insel zu gehen: "Das ist noch nicht vorbei. Wir müssen Gas geben und kämpfen." Spätestens seit dem späten Schock im Titelrennen beim VfB Stuttgart dürfte aber keine Gefahr bestehen, dass der HSV das Team um Fußball-Künstler Robinho auf die leichte Schulter nimmt. "In diesem Spiel wird sich zeigen, ob wir Charakter haben", befand Keeper Frank Rost vor der Uefa-Cup-Partie am Donnerstag.

HSV will ersten Titel seit 1987

Vor den Wochen der Wahrheit, in denen die Hamburger viermal binnen 19 Tagen auf den Nordrivalen Werder Bremen treffen könnten, verleiht der Glaube an den ersten Titel seit 1987 (Sieg im DFB-Pokal) zusätzliche Kräfte. "Man fühlt in unserer Kabine die besondere Stimmung. Wir haben die wichtigsten Spiele des HSV seit langer Zeit vor uns", sagte Innenverteidiger Michael Gravgaard. Auch Jol ist vom Titelfieber gepackt: "Alles ist noch drin. Auch für mich ist das natürlich eine große Herausforderung."

Dass der Bundesligist wieder einmal personell am Stock geht - acht Akteure fehlen verletzt oder sind nicht spielberechtigt - ficht Nationalspieler Marcell Jansen nicht an: "Wir hatten doch schon ganz andere Rückschläge." Gegen die Engländer, fünftbestes Heim-Team der Premier League, dürfte Jol aber vor allem der Ausfall der Defensiv-Allrounder Guy Demel und Collin Benjamin (beide muskuläre Probleme) schmerzen. Dafür war der zuletzt angeschlagene Brasilianer Alex Silva beim Abschlusstraining dabei, was nichts daran ändert, dass Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer eine Partie "auf des Messers Schneide" erwartet.

Zumal die Hamburger auf einen Gegner treffen, der unter enormem Druck steht. In der Liga sind die mit Scheich-Millionen "gesegneten" Citizens nur Elfte, für die langfristige Weiterbeschäftigung des in der Kritik stehenden Trainers Mark Hughes könnte die K.o.-Runde vorentscheidend sein. "Es wird für uns ein Charaktertest", sagte der Ex-Hamburger Nigel de Jong, der ein 2:0 für "machbar" hält und wieder auf der Tribüne Platz nehmen muss. Nach der verpatzten Generalprobe gegen Fulham (1:3) forderte Hughes Vincent Kompany & Co. jedenfalls auf, gegen den HSV "die Brust rauszustrecken und alles zu versuchen". Mut macht dem Waliser gegen die "europäische Top-Mannschaft" die Stärke im heimischen Stadion: "Unsere Heimform ist das strahlende Licht in dieser Saison."

Werder bangt um Diego

Ähnlich ist die Ausgangslage bei Werder Bremen. Auch Werder geht mit einem 3:1-Hinspiel-Erfolg in die Partie bei Udinese Calcio. Die verhärtete Muskulatur im rechten hinteren Oberschenkel von Diego war das Gesprächsthema Nummer eins, als Sonderflug AB 1000 am Mittwoch in Triest landete. Ohne den kleinen Brasilianer könnte für Werder Bremen schwierig werden, das Halbfinale des Uefa-Pokals zu erreichen.

"Es ist etwas besser geworden, es ist aber noch nicht gut. Wir hoffen einfach, dass er spielen kann, aber es wird eine ganz enge Kiste", sagte ein bekümmert dreinschauender Werder-Trainer Thomas Schaaf. Schließlich hatte der Südamerikaner in der ersten Begegnung mit zwei sehenswerten Toren den Grundstein zum Erfolg gelegt. Schaaf: "Diego ist immer für Tore und Entscheidungen gut, allerdings haben wir auch ohne ihn schon wichtige Spiele gewonnen." Auch der 24-Jährige selbst verbreitete nur gedämpften Optimismus. "Im Moment könnte ich nicht spielen, wahrscheinlich wird es sich erst am Spieltag entscheiden. Ich werde alles versuchen, dass es doch noch geht", erklärte der Mittelfeldregisseur der Hanseaten.

Am Mittwochabend absolvierte Diego Einzeltraining und musste sich auf Lauf- und Dehnübungen beschränken. Sollte er ausfallen, würde U-21-Nationalspieler Mesut Özil versuchen, die Aufgaben Diegos zu übernehmen. Doch ob nun mit oder ohne Diego, für Sportdirektor Klaus Allofs wäre es ein fataler Fehler, im Stadio Friuli den Vorsprung nur zu verwalten: "Wir müssen auftreten wie in Mailand." Sowohl gegen Inter als auch gegen AC hatten die Hanseaten auch dank mutigen Spiels jeweils ein 2:2-Unentschieden erreicht.

Ungeachtet der schwierigen Ausgangslage haben die Platzherren die Hoffnung auf das erstmalige Erreichen der Vorschlussrunde in einem internationalen Wettbewerb noch längst nicht aufgegeben. "Ich weiß um die Klasse meiner Mannschaft und bin weiter optimistisch", verkündete Udinese-Coach Pasquale Morino. Und obwohl die Bremer noch nie einen Zwei-Tore-Vorsprung in einem Europacup-Rückspiel aus der Hand gegeben haben, sollten sie angesichts der Heimstärke der Italiener gewarnt sein. Udine gelangen zuletzt vier Heimsiege hintereinander, unter anderem gegen die Tottenham Hotspurs und Cupverteidiger Zenit St. Petersburg jeweils mit 2:0 - das aktuelle Wunschergebnis des Teams aus dem Friaul. Aber wie schon in der ersten Begegnung in der vergangenen Woche in Bremen fehlt Udine Nationalstürmer Antonio di Natale wegen einer Knieverletzung. Dessen Ersatzmann Fabio Quagliarella erzielte zwar im Weserstadion das möglicherweise wichtige 1:3-Anschlusstor kurz vor Schluss, erwies sich allerdings zuvor gleich mehrfach als fahriger "Chancentod".

DPA/SID / DPA

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