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Werder-Gegner Bilbao: Baskisches Gegenkonzept zur Globalisierung

Werder Bremen spielt bei Athletic Bilbao um den Gruppensieg in der Europa League (ab 21.05 Uhr im stern.de-Liveticker). In Bilbao pflegt man eine eiserne Tradition: Nur baskische Spieler dürfen für den Verein auflaufen - und Bart Simpson.

Nur Bayern beim FC Bayern, nur Westfalen bei Borussia Dortmund, nur Schwaben beim VfB Stuttgart - in der Bundesliga unvorstellbar, bei Athletic Bilbao seit fast einem Jahrhundert ehernes Gesetz. Ausschließlich Basken gehören zum Kader des achtmaligen spanischen Meisters Athletic Bilbao, der sich als einziger Verein neben den Topklubs Real Madrid und FC Barcelona rühmen darf, noch nie aus der Primera Division abgestiegen zu sein.

Und auch in der globalisierten und total kommerzialisierten Welt des Profifußballs hält man an diesem Anachronismus, der im Norden Spaniens nicht als solcher empfunden wird, unbeirrt fest. "Ehe wir unsere Gewohnheiten ändern, steigen wir lieber ab", erklärt Präsident Fernando Garcia Macua tapfer. Doch derzeit behaupten sich die "Löwen" als Tabellensiebter im nationalen Alltagsgeschäft gut. Schon vor dem Heimspiel gegen den deutschen Pokalsieger Werder Bremen hatten sie in der neuen Europa League die Zwischenrunde erreicht. Werder-Trainer Thomas Schaaf betrachtet die baskischen Fußball-Romantiker mit Ambivalenz. "Ein solche Gemeinschaft kann eine Stärke sein, die die Mannschaft als Einheit zusammenschweißt. Aber man ist dann natürlich auch sehr begrenzt, was den Spielermarkt angeht", sagt der Coach der Hanseaten.

Auch sein deutscher Kollege Jupp Heynckes, der schon zweimal bei Athletic auf der Trainerbank saß, musste seinerzeit damit leben. Überleben kann der 111 Jahre alte Klub nur durch ein ausgeklügeltes Scouting-System, das mittlerweile sogar weltweit nach guten Nachwuchsfußballern mit baskischen Vorfahren fahndet. Rekrutiert wurden und werden auch französische Basken wie der spätere Bayern-Verteidiger Bixente Lizarazu. Doch die größte sportliche Hoffnung bei Bilbao ist der spanische Baske Iker Muniain. Noch nicht einmal ganz 17 Jahre alt, wird der kleine wendige Dribbler fast schon in einem Atemzug mit Barca-Superstar Lionel Messi genannt.

Bereits beim Hinspiel im Weserstadion, das die Platzherren 3:1 gewannen, staunte das Bremer Publikum über den Trickreichtum von "Bart Simpson", wie er von seinen Teamkollegen genannt wird. "Dieser Junge steht für ganz besondere Momente auf dem Platz", beschreibt Schaaf seine Eindrücke von Muniain, der im Juli bereits sein erstes Pflichtspiel für Athletic bestritt. Und jede Partie macht das Ausnahmetalent teurer für die Interessenten aus ganz Europa, denn die Ablösesumme richtet sich angeblich nach der Zahl der Einsätze des 1,67 Meter kleinen Technikers für Bilbao.

Ganz anders, aber irgendwie charakteristisch für Athletic, ist die Karriere von Stürmer Joseba Etxeberria verlaufen. Der 32-Jährige spielt nach 15 Jahren seine Abschiedssaison im rot-weiß gestreiften Trikot - wie ein lupenreiner Amateur ohne jede Bezahlung: "Das soll mein Dankeschön an diesen großen Klub sein."

Fernando Medialdea/sid / SID

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