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Ohne Plan: Jonker rügt holländischen Fußballverband und lobt den DFB

Die Europameisterschaft in Frankreich nicht erreicht, die Weltmeisterschaft 2018 in Gefahr. VfL-Coach Andries Jonker sieht in der Krise des holländischen Fußballs die Konsequenz aus der planlosen Arbeit der letzten Jahre.

Andries Jonker steht am Spielfeldrand und blickt auf das Feld

Andries Jonker ist seit Februar 2017 Cheftrainer des VfL Wolfsburg. Als Assistent von Louis van Gaal betreute er auch schon Bayern München, sowie den FC Barcelona.

Andries Jonker kennt den holländischen Fußballverband sehr gut. Schließlich war er selbst Anfang des Jahrtausends für die ambitionierten Holländer als Jugendkoordinator tätig. Während parallel Louis van Gaal als Bondscoach arbeitete. Für den Niederländer war dies die letzte Phase, in der der Verband einen konkreten Plan für die Zukunft vorweisen konnte.

Mit deutlichen Worten und ernster Miene kritisierte der VfL-Coach nun im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur den Zustand des Fußballs in seiner Heimat. "Louis van Gaal und ich haben 2001 für den KNVB den letzten Plan gemacht. Und in den 15 Jahren danach ist nichts mehr passiert", sagte der 54-Jährige im Wolfsburger Trainingslager in Bad Ragaz. Dass nach der verpassten EM in Frankreich auch die WM in Russland ohne die Niederlande stattfinden könnte, sei auch ein Ergebnis dieser Arbeit, findet Jonker - und fordert: "Es wird Zeit für einen neuen Plan." 

Jonker lobt den DFB - und Mario Gomez

So deutlich Jonker die Verbandsarbeit in seiner Heimat kritisiert, so deutlich lobt er die Arbeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dass Deutschland jüngst den Confed Cup und die U21-Europameisterschaft gewinnen konnte, hat für ihn einen einfachen Grund: "Weil Deutschland genau das hat, was den Niederlanden fehlt: einen Plan." Bei den Bayern habe er sich oft mit Matthias Sammer unterhalten, der von 2006 bis 2012 DFB-Sportdirektor gewesen war. Damals sei auch der DFB in einer Krise gewesen, Sammer habe sich daher im Ausland nach neuen Ideen umgeschaut. "Er wollte die deutschen Werte behalten, aber aus dem Ausland mitnehmen, was ihn weiterbringt", sagte Jonker. Sowas trage aber erst Jahre später Früchte. "Und jetzt funktioniert es", so der Holländer.

Dass VfL-Torjäger Mario Gomez angesichts der Fülle an großen Talenten und der neuen Konkurrenzsituation im Angriff der DFB-Auswahl um sein Ticket für die WM bangen muss, glaubt Jonker aber nicht. Es gebe für einen Stürmer nur Erfolg, wenn er Tore schießt, sagte er. "Und Mario schießt immer Tore." Gomez habe eine großen Stellenwert für den VfL Wolfsburg. Die anderen Spieler würden zu dem 32-Jährigen aufschauen. "Mario zahlt das mit einer sehr positiven Präsenz und seiner Leistung zurück", sagte der Coach. Ob Gomez der neue Kapitän des VfL wird, wollte er aber nicht verraten. "Bis zum 10. August werde ich bekanntgeben, wer Kapitän wird."

Zu seinem ehemaligen Chef, Louis van Gaal hatte Jonker auch noch ein paar Worte übrig. Unter van Gaal arbeitete er unter anderem für den FC Barcelona und den FC Bayern München. Dass der 65-Jährige das Trainerdasein zu den Akten gelegt hat, glaubt der Wolfsburg-Coach nicht. "Er hat schon öfter gesagt, dass er aufhört. Darum würde es mich nicht überraschen, wenn er nochmal was macht." Mittlerweile ist der 65-jährige seit der Trennung von Manchester United im Sommer 2016 ohne Job.



fk / DPA

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