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Jüngste britische Olympionikin Skateboarding-Profi Sky Brown tritt mit 13 bei Olympia an: "Wenn du die Luft spürst, fühlt es sich beinahe an wie fliegen"

Sky Brown mit einem breiten Grinsen im Gesicht
Sky Brown strahlt eigentlich immer. Sport macht sie glücklich, vor allem Skateboarding, Surfen und Tanzen. Sie gehört zu den jüngsten Olympionik:innen in Tokio.
© Sky Brown / Discovery / Hersteller
Sky Brown ist gerade 13 Jahre alt geworden, bereits eine Profi-Skateboarderin und ein Star. In Tokio tritt sie für Großbritannien an, das Heimatland ihres Vaters – weil ihr die Einstellung des Teams gefällt: Geht einfach raus da und habt Spaß!

Es war schon ein bisschen seltsam. Montagabend, am 5. Juli 2021, saßen um 22 Uhr zehn Journalist:innen aus ganz Europa in ihren Home-Offices und warteten darauf, dass eine Zwölfjährige erscheint. Eine knapp noch Zwölfjährige – denn am 7. Juli wurde Sky Brown 13 Jahre alt und Ende Juli wird sie zu den Olympischen Spiele nach Tokio reisen. Sky tritt in einer der fünf neu oder wieder hinzugefügten Sportarten an, die dazu dienen sollen, die Spiele zu verjüngen: Skateboarding. Die gebürtige Japanerin, die das Heimatland ihres Vaters vertritt, wird die jüngste britische Olympia-Teilnehmerin sein. 

Der Anlass für die einberufene Interview-Runde ist ein Image-Film, der über Sky gedreht worden ist, "Reaching the Sky", und auf Eurosport zu sehen ist. Ein vollmundiger Titel, doch wer die Social-Media-Kanäle des Mädchens verfolgt, weiß: Seine Mama macht einen guten Job. Die Vorgaben für das Interview sind strikt: Reichen Sie vorab Fragen ein, denn sie müssen genehmigt werden. Nur fair, denkt man, schließlich sitzt ein Kind vor der Kamera. Es wird 22.30 Uhr bis Sky erscheint, sie ist gerade in Kalifornien, das Frühstück hat wohl länger gedauert.

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Sky kommt herein und strahlt

Es müssen besondere Endorphine sein, die das Skateboard-Fahren auslöst. Sky Brown steht auf dem Brett, seit sie zwei Jahre alt ist, aber irgendwo habe ich mal gelesen, dass sie skaten konnte, bevor sie laufen konnte. Bilder aus der Zeit zeigen, dass der Sport sie schon immer glücklich gemacht hat, einen solchen Gesichtsausdruck können Eltern ihren Kindern nicht antrainieren. Auch wenn die "Welt" im März 2021, nachdem Sky im Mai 2020 einen schweren Unfall gehabt hatte, titelte: "Mit 12 durchvermarktet bis zum Schädelbruch", gewinnt man nicht den Eindruck, als stünde sie unter der Geldknute ihrer Eltern. Im Interview erzählt das Mädchen dann seine Version. 

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Vor einem Jahr hattest du einen schweren Unfall. Woran kannst du dich noch erinnern?
Ich erinnere mich an den Tag nicht genau. Ich war skaten wie jeden Tag. Bei dem Trick, den ich machte, bevor ich stürzte, macht man einen Spin in der Luft und kann nicht sehen, was hinter einem ist. Als ich herunterkam, war ich genau neben der Stelle, an der ich landen wollte, ich konnte nichts mehr machen, dort war eine Lücke. Es war ein harter Sturz, ich habe stark geblutet und war eine lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Ich bin froh, dass ich es überstanden habe.

Wie konntest du nach so einem Unfall zum Skaten zurückkehren, physisch, aber vor allem mental?
Für mich war es ganz einfach, ich hatte überhaupt keine Angst. Für meine Eltern war es schwer, mich wieder aufs Skateboard zu lassen. Ich wollte direkt wieder zurück, es war so viel Zeit vergangen. Der Unfall hat mich stärker und zu einem besseren Menschen gemacht. Aber es war wirklich schwer, meine Eltern zu überzeugen. Sie sagten: Nein, mach das nicht, mach etwas anderes, geh tanzen oder geh surfen. Ich liebe sie, aber ich konnte nicht mit dem Skaten aufhören.

Die Schädelfrakturen und der Armbruch sind verheilt, Sky verhält sich im Interview professionell und begrüßt die Journalist:innen freundlich und gut gelaunt. Die Fragen, die in den kommenden 45 Minuten gestellt werden, hat sie ziemlich sicher alle schon einmal gehört, doch sie beantwortet sie geduldig. Sky erzählt von ihren Vorbildern im Skaten, zum Beispiel der 28-jährigen Brasilianerin Letícia Bufoni: "Sie skatet nicht ins Parks, so wie ich, sondern auf der Straße. Ihr wurde gesagt, sie sei ein girly girl, aber sie gibt nie auf. Zu ihr sehe ich wirklich auf." Bufoni gewann als erste Frau die Street League Skateboarding Women's SLS Super Crown World Championship in Chicago und gilt als Wegbereiterin für die Anerkennung von Skaterinnen im Sport-Sponsoring.

Ein Vorbild für andere will Sky auch sein. Sie bringt gerne weniger erfahrenen Skater:innen neue Tricks bei, ihr erster Schüler war ihr kleiner Bruder Ocean. "Ich liebe es, mit meinem Vater und meinem Bruder zu skaten. Wir treiben uns gegenseitig an und bringen uns in der Luft zum Lachen. Es ist großartig. Skateboarding bringt uns definitiv näher zusammen." Kinder im Skaten zu unterrichten, könnte sich Sky auch durchaus als späteren Beruf vorstellen. Aktuell geht es ihr aber gezielt darum, mehr Mädchen für den Sport zu begeistern, denn die sind noch stark unterrepräsentiert.

Deswegen freut sich Sky besonders darauf, in Tokio ihre gleichaltrigen Mitstreiterinnen zu treffen, etwa die 14-jährige Berlinerin Lilly Stoephasius. "Sie ist so cool, ich sehe sie bei fast jedem Wettbewerb und in den sozialen Medien, sie veröffentlicht so viele coole Skate-Clips. Sie inspiriert mich auch. Wenn du andere junge Mädchen siehst, die sich so anstrengen, strengst du dich selbst auch gleich mehr an. Es wird toll, Lilly dort auch zu treffen." Hier sehen Sie ein Video über die 14-jährige deutsche Skateboarderin Lilly Stoephasius, die ebenfalls an den Olympischen Spielen teilnimmt.

Jüngste britische Olympionikin: Skateboarding-Profi Sky Brown tritt mit 13 bei Olympia an: "Wenn du die Luft spürst, fühlt es sich beinahe an wie fliegen"

"Wer an sich glaubt, kann alles machen"

In Tokio startet Sky vor allem deswegen für Großbritannien, weil ihr die Einstellung des Teams gefällt. "Meine Eltern wollten erst nicht, dass ich teilnehme, weil es zu viel Druck und Wettbewerb ist. Aber das Skateboarding-Team GB ist anders, dort heißt es: Geht einfach raus da und habt Spaß. Ihr könnt jederzeit aufhören." Auch auf die Frage, ob es eine spezielle Konkurrentin gibt, die sie gern besiegen möchte, reagiert Sky diplomatisch: "Nein, ich will niemanden besiegen. Ich will mich selbst besiegen. Ich will besser sein, als ich es von mir selbst glaube. Ich werde mein Bestes geben und sehen, was passiert."

Wenn Sky beginnt, von ihrem Sport zu schwärmen, leuchten ihre Augen und ein bisschen auch der Rest ihres Körpers. Sie beschreibt das Skaten so: "Es ist das beste Gefühl der Welt. Es ist wirklich aufregend, weil du manchmal nicht weißt, ob du richtig landest. Und wenn du die Luft spürst, fühlt es sich beinahe an wie fliegen, es macht glücklich." Bei den nächsten Olympischen Spielen würde sie gern in zwei Disziplinen antreten, Skaten und Surfen. Die Botschaft, die sie für andere Kinder hat, scheint sie selbst zu hundert Prozent zu leben: "Glaub an dich! Wer an sich glaubt, kann alles machen. Gib dein Bestes und vor allem: Genieß es und hab Spaß!"

Sky Brown tritt am 4. August im Women’s Park an: 
2 Uhr deutscher Zeit: Park, Frauen, Ausscheidungsläufe (Ariake Urban Sports Park)
5.30 Uhr deutscher Zeit: Park, Frauen, Finale (Ariake Urban Sports Park)


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