Doping Matthias Kessler mit zu viel Testosteron


Der deutsche Radprofi Matthias Kessler vom Astana-Team ist positiv auf das Hormon Testosteron getestet worden. Der ehemalige Ullrich-Gehilfe beim T-Mobile-Team wurde umgehend von seiner Mannschaft suspendiert.

Das aus den Rückständen des Skandal-Teams Liberty Seguros hervorgegangene Rad-Team Astana hat seinen ersten Dopingfall. Zehn Tage vor dem Start der 94. Tour de France am 7. Juli in London ist Matthias Kessler bei einer unangemeldeten Doping-Kontrolle des Weltverbandes UCI am 24. April in Charleroi/Belgien positiv auf das männliche Hormon Testosteron getestet worden. Das bestätigte am Mittwoch die Teamleitung des 28-jährigen Nürnberger Radprofis, der im Vorjahr für das Bonner Team T-Mobile seine erste Tour-Etappe gewonnen hatte. Mit einem erhöhten Testosteron-Status war im Vorjahr auch Toursieger Floyd Landis (USA) überführt worden.

Nach seinem positiven Test wird Kessler nicht an den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Wiesbaden teilnehmen. Dies gab der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Abend bekannt. Bis zur Öffnung der B-Probe in spätestens fünf Tagen wurde Kessler von seinem Team suspendiert, teilte die Mannschaftsführung mit, die in der Schweiz lizenziert ist und mit Finanzmitteln der führenden kasachischen Industrie-Unternehmen ausgestattet wird. Die Teamleitung unter Manager Marc Biver (Luxemburg) und Teamchef Mario Kummer, bis zum Vorjahr wie der Astana-Berater Walter Godefroot in T-Mobile- Diensten, tagte am Mittwoch in Kasachstans Hauptstadt Astana. Die Team-Kapitäne Alexander Winokurow und der Wahl-Schweizer Andreas Klöden gehören zu den Topfavoriten auf den möglichen Toursieg 2007.

"Men in Black im Visier"

In der Vorwoche hatte der Weltverband UCI bekannt gegeben, dass vor dem Tour-Start verstärkt Fahrer des obersten Niveaus unangemeldet getestet würden. Die Australierin Anne Gripper, neue Anti-Doping- Beauftragte der UCI, hatte erklärt, dass unter anderen sechs bis sieben mutmaßliche Tour-Favoriten mit auffälligen Ergebnissen getestet worden seien. Gripper hatte auch von irritierenden "Männern in Schwarz" berichtet, die als Astana-Fahrer identifiziert wurden.

Die Astana-Sprecherin Corinne Druey hatte angegeben, dass Team-Kapitän Winokurow und andere Fahrer an der Cote d'Azur "ein- bis zwei Mal" in neutralen Trikots trainiert hätten, damit sie nicht ständig von Cyclo-Touristen verfolgt und gestört würden. Winokurow sprach von haltlosen Verdächtigungen. Er habe sich nichts vorzuwerfen.

"Anomalien" bei einem weiteren Astana-Fahrer

Bei kombinierten Urin- und Blut-Kontrollen, die das Italienische Olympische Komitee (CONI) nach der "Königsetappe" des diesjährigen Giro d'Italia vorgenommen hat, gab es auch bei dem Astana-Fahrer Eddy Mazzoleni aus Italien "Anomalien". Darüber berichteten Medien in Italien und Frankreich. Die nach der 17. Etappe überraschend kontrollierten Danilo di Luca, Gilberto Simoni, Riccardo Ricco und Mazzoleni wiesen "unnatürlich niedrige Testosteron-Werte auf, wie Kinder, nicht wie erwachsene Männer", schrieb der "Corriere dello Sport". Die Auswertungen der Analysen vom 30. Mai seien vom CONI sowohl an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als auch an den Weltverband UCI weitergeleitet worden.

Die "L'Equipe" mutmaßte, dass wegen der merkwürdigen Werte der frühere T-Mobile-Profi Mazzoleni nicht die Tour de France bestreiten werde. "Unser neunköpfiges Tour-Team wird am Ende der Woche benannt. Unser Management und der Teamleiter tagen gerade in Kasachstan. Ich kann zu Mazzoleni nichts sagen", erklärte Druey am Mittwochvormittag.

Andreas Zellmer/DPA DPA

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