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FUSSBALL: Jens Jeremies in Mailand nur Zuschauer

Körper streikt: Pechvogel Jens Jeremies hat den Wettlauf gegen die Zeit und den eigenen Körper drei Tage vor dem Champions-League-Finale in Mailand gegen den FC Valencia endgültig verloren.

»Kämpfer« Jens Jeremies war der Pechvogel unter lauter Münchner Glückspilzen. Mit der Meisterschale unter dem Arm kam der Fußball-Nationalspieler am Sonntag auf das Trainingsgelände des FC Bayern München, das er nur wenig später »total deprimiert« wieder verließ. Der 27-Jährige hat den Wettlauf gegen die Zeit und den eigenen Körper drei Tage vor dem Champions-League-Finale in Mailand gegen den FC Valencia endgültig verloren. »Jens ist für Mittwoch kein Thema mehr«, überbrachte Ottmar Hitzfeld die einzige schlechte Nachricht an einem Wochenende des Bayern-Glücks. »Wir haben keine Chance, er kann nicht fit werden«, erläuterte der Trainer: »Er hat Schmerzen. Er hat alles unternommen. Jens tut mir sehr Leid.«

Seit zwei Wochen konnte der Mittelfeldspieler wegen einer Entzündung der Muskulatur am kürzlich operierten rechten Knie nicht trainieren - aber bis zuletzt hatte er nicht aufgegeben. »Manchmal kann man den Körper nicht überlisten. Ich wollte es noch einmal eine Woche zwingen«, sagte Jeremies und versuchte, seine grenzenlose Enttäuschung mit professionellem Verhalten zu überspielen: »Für mich persönlich ist das ganz bitter. Aber man kann es sich nicht aussuchen im Leben.«

Wie am Samstag in Hamburg, als er den 17. Meister-Titel als Zuschauer am Spielfeldrand mitverfolgte, wird er in Mailand nur als Fan dabei sein, so wie vor zwei Jahren Giovane Elber und Bixente Lizarazu, die damals wegen Kreuzbandrissen nicht spielen konnten: »Ich hoffe, dass die Mannschaft den Titel für mich mitholt.«

Jeremies? Pech betrifft auch Teamchef Rudi Völler und die deutsche Nationalmannschaft. Denn der Mittelfeldspieler wird definitiv auch für das Test-Länderspiel gegen die Slowakei (29. Mai/Bremen) sowie die WM-Qualifikationsspiele gegen Finnland (2. Juni/Helsinki) und Albanien (6. Juni/Tirana) nicht zur Verfügung stehen. »Es geht um die Zukunft von Jens«, sagte Hitzfeld und deutete an, dass Jeremies in den letzten Wochen womöglich Raubbau an der Gesundheit betrieben hat.

»Die Muskelentzündung ist eine Reaktion auf die Belastung der letzten Wochen«, räumte der Pechvogel selbst ein. Im Viertelfinale hatte er beim 1:0-Hinspielsieg bei Manchester United trotz einer schmerzhaften Kapselverletzung am Sprunggelenk gespielt. Beim 1:0-Auswärtserfolg im Halbfinal-Hinspiel bei Real Madrid feierte er - wie Giovane Elber - nur zwölf Tage nach einem operativem Eingriff am rechten Knie ein Blitz-Comeback, das Hitzfeld als »kleines Wunder« der medizinischen Abteilung bezeichnet hatte. »Bei so einem Spiel kann man auch über die Schmerzgrenze gehen«, sagte Jeremies damals.

Doch vor dem finalen Kraftakt streikt der Körper endgültig. Dabei wollte Jeremies unbedingt in Mailand den »Henkeltopf« in seinen Händen halten, wie er flapsig den Champions-League-Pokal genannt hat. Denn Barcelona ?99, das bittere Endspieldrama gegen Manchester (1:2), wollte auch er unbedingt auslöschen: »Ich denke jeden Tag an diese Niederlage. Man kann das verarbeiten, aber nicht vergessen.«

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