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Ryder Cup: Europas Golfstars wie im Rausch

Was für ein Comeback im Regen-Chaos: Mit dem deutschen Golfstar Martin Kaymer hat das europäische Team beim Ryder Cup in Wales spektakulär die Führung gegen die USA übernommen. Tiger Woods war völlig von der Rolle.

Wie im Rausch übernahm das europäische Team von Kapitän Colin Montgomerie nach dem Regenchaos am Sonntag beim Golf-Ryder-Cup gegen Titelverteidiger USA mit 9,5:6,5 erstmals die Führung. Nach dem 4:6-Rückstand am Samstag sind vor den auf Montag (ab 10.05 MESZ) verlegten 12 Einzeln die Chancen sprunghaft gestiegen, der Auswahl von Kapitän Corey Pavin nach 2008 den Titel wieder abzujagen. Erstmals seit 1927 wurde das Prestigeturnier auf vier Tage ausgedehnt.

"Wir können gar nicht schnell genug die Einzelauslosungen abwarten. Hoffentlich kommen genauso viele Fans, um uns zu unterstützen. Meinen ersten Ryder Cup hier zu spielen - und dass noch mit diesen wunderbaren Enthusiasten - es ist einfach super gut", meinte Kaymer vor der Bekanntgabe der Paarungen. "Jeder will dabei sein, und dann gehen wir raus und holen den Cup."

Kaymer bis jetzt ungeschlagen


Kaymer steuerte im Celtic Manor Resort als immer noch ungeschlagener Debütant in der letzten Hängepartie der sechs Vierer bisher 2,5 Punkte aus drei Matches bei. Mit dem Engländer Ian Poulter hatte er Phil Mickelson/Ricky Fowler im Fourballs-Match mit 2&1 besiegt. Allerdings gelang dem Weltranglisten-6. kein Birdie, während Poulter gleich fünf gewinnbringende glückten. Auch der Weltranglisten-Zweite Mickelson lochte die kürzesten Putts nicht.

Begleitet vom Jubel der 45 000 entfesselten Zuschauer schlich Tiger Woods wie ein begossener Pudel völlig demoralisiert vom 13. Grün, wo seine Pleite schon besiegelt war. Es war die höchste Niederlage seiner Ryder Cup-Karriere: 6 down leuchtete es für das triumphierende englische Duo Lee Westwood/Luke Donald gegen den immer noch besten Spieler der Welt auf. Wortlos trollte sich der 34-jährige Sportmilliardär mit seinem Partner Steve Stricker durch den tiefen Morast der aufgeweichten Grüns.

Emotionsgeladene Ansprache des Kapitäns


Montgomeries emotionsgeladene Ansprache nach dem 4:6 am Samstag im Clubhaus hatte den Knoten platzen lassen. "Wir müssen die Zuschauer elektrisieren, für uns begeistern. Mir fehlt die Eigendynamik im Team. Bei einem Heimspiel machen die Fans mindestens 66 Prozent der Punkte aus. Geht raus und reißt alle mit", hatte der 47-jährige Schotte gefordert - und den richtigen Ton getroffen.

Die Initialzündung von Westwood löste die Stimmung im wolkenverhangenen Einheitsgrau nicht nur bei "Montie". Zum sechsten Mal stellte der 37-jährige Westwood dem Tiger ein Bein im Ryder Cup und demoralisierte im Vierer seinen Lieblingsgegner. "Montie hat gesagt, wir sollen schnell einen Punkt machen, damit man den Schrei auf dem ganzen Platz hört", meinte Westwood. US-Open-Sieger Graeme McDowell nahm im nordirischen Doppel mit Youngster Rory McIlroy den Ball auf und knöpfte Zach Johnson/Hunter Mahan mit 3&1 ab. Die außer Rand und Band geratenen Fans klatschten im Triumphmarsch an den Absperrseilen die Hände der Sieger ab.

Der Bann war gebrochen: Padraig Harrington/Ross Fisher machten das gegen FedEx-Cup-Millionär Jim Furyk/Dustin Johnson mit 2&1 fast nach. Das italienische Brüderpaar Francesco und Edoardo Molinari rettete einen halben Punkt gegen Stewart Cink/Matt Kuchar. Der schwedisch- spanische Mix Peter Hanson/Miguel Angel Jiminez holte gegen Bubba Watson/Jeff Overton mit 2 auf den fünften Tagessieg.

Rainer Fülscher/DPA / DPA

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