Autoindustrie Niemand will 'nen neuen Wagen

Schlechte Nachrichten genau zur IAA: Eine Studie ergab, dass nur jeder zehnte Erwachsenen über die Anschaffung eines Neuwagens nachdenkt. Und ohne Preisnachlass lässt sich kein Kunde ködern.

Automobilindustrie und Autoverkäufern stehen offenbar immer noch keine rosigen Zeiten ins Haus: Nach einer Studie des Instituts für Automobil-Marktforschung (IFA) plant nur jeder zehnte Erwachsene, sich in den kommenden 18 Monaten einen Neuwagen zu kaufen. 1999 war es noch jeder Fünfte. Zudem erwarteten Interessenten immer höhere Preisnachlässe. Wer als Händler nicht mindestens 13 Prozent Rabatt auf den Angebotspreis gewähre, verliere den Neuwagen-Kunden an einen Wettbewerber.

Weitere Ergebnisse der von Aral in Auftrag gegeben Studie: Fahrsicherheit, Wirtschaftlichkeit und Verbrauch spielen beim Autokauf derzeit eine wesentlich größere Rolle als Design, Image und Prestige. Männer lassen sich jedoch immer noch deutlich stärker vom Äußeren eines Fahrzeugs beeindrucken als Frauen. Über die Hälfte aller Bundesbürger bevorzugt graue und schwarze Fahrzeuge. Bunte Farben wie Rot und Grün sind out.

Mit steigenden Absatzzahlen können nach der Studie in den kommenden 18 Monaten Audi, BMW und japanische Firmen rechnen. Seltener als bei der letzten Erhebung im Jahr 1999 würden aber die Käufer wieder zu VW, Ford, Opel und Importfahrzeugen aus Frankreich und Italien greifen. Gleichwohl führt Volkswagen die Beliebtheitsskala mit 20 Prozent weiterhin an.

Kein Grund zum Jubeln für die Industrie

Kein Wunder also, dass die Stimmung bei den Herstellern eher mäßig ist. Der Chef des Renault-Konzerns, Louis Schweitzer, erwartet für dieses Jahr keine Erholung auf dem europäischen Automarkt: "Der Markt sinkt durch die schwache Wirtschaft in diesem Jahr um rund drei Prozent", sagte er der 'Welt am Sonntag'. Trotzdem rechne er fest damit, dass Renault den Marktanteil des vergangenen Jahres wieder erreichen oder leicht steigern werde. Zudem erwartet er, "dass sich die Wirtschaft im kommenden Jahr wieder erholt". In der Wartezeit richtet der Franzose seinen Ehrgeiz auf das Formel 1-Engagement von Renault: "Fest steht, dass wir in den nächsten Jahren um den Sieg mitfahren müssen. Nur dabei zu sein, macht wirtschaftlich keinen Sinn."

Der Automobilhersteller Opel hat nach Angaben seines Vorstandschefs Carl Peter Forster ein positives erstes Halbjahr absolviert. "Allerdings basiert unsere Strategie auf einem Fünfjahresplan und den haben wir nicht einmal zur Hälfte erfüllt", sagte Forster der 'Bild am Sonntag'. Und auch hier wieder der magische Satz: Um ein stabiles positives Ergebnis zu erreichen, müsse endlich der Automarkt anspringen.

Die deutsche Fiat Automobil AG hat nach schweren Fehlern in der Vertriebspolitik wieder die Gewinnzone erreicht. Trotz deutlicher Rückgänge bei den Pkw-Zulassungen auf dem wichtigsten Absatzmarkt außerhalb Italiens peilt der neue Vorstandsvorsitzende Klaus Fricke einen Betriebsgewinn von mehr als 50 Millionen Euro an. "Wir haben uns aus Geschäften zurückgezogen, mit denen nur Geld verbrannt wird."

Und auch bei Jaguar blickt man eher in die Zukunft - trotz oder gerade wegen eines eher schlechten Jahres. Nach einem Absatzeinbruch von rund 30 Prozent hofft der britische Luxuswagenhersteller Jaguar in Deutschland auf 2004. "Bricht ein Markt so heftig ein, wie der der Luxuswagen in Deutschland in diesem Jahr, kann er nächstes Jahr auch wieder zweistellig zulegen, wenn der wirtschaftliche AUfschwung kommt", sagte der Geschäftsführer von Jaguar Deutschland, Rainer Landwehr, in einem dpa-Gespräch in Frankfurt.

Autokäufer nutzen gern das Internet

Wer allerdings sparen muss, wird für den fahrbaren Untersatz seiner Träume wahrscheinlich nicht den Jaguar-Händler, sondern eher einen Gebrauchtwagenmarkt ansteuern. Das geht inzwischen auch online sehr gut. Das Portal mobile.de, bei dem jeder fünfte deutsche Gebrauchtwagenüber den virtuellen Tresen geht, wagt es jetzt sogar, eine Gebühr für die Annocne zu erheben. Und das Internet-Auktionshaus eBay kassiert schon lange erfolgreich Provisionen.

Alle drei Minuten ein PKW

Es macht dem Gebrauchtwagenhandel damit sogar zunehmend Konkurrenz. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt am Main berichtete, stieg das Handelsvolumen des Automobilbereichs im zweiten Quartal 2003 um 192 Prozent. Alle drei Minuten werde ein Pkw verkauft, alle vier Stunden eine Harley-Davidson und alle zehn Minuten ein Navigationssystem. Das Angebot umfasse neben Automobilen, Motorrädern, Zubehör und Ersatzteilen seit Beginn des Jahres auch Boote und Flugzeuge.

Mit mehr als 1,5 Millionen unterschiedlichen Besuchern im Monat und über 200.000 angebotenen Artikeln habe sich eBay Motors nur zwei Jahre nach seiner Gründung in Deutschland zu einem der größten Online-Marktplätze rund um das mobile Leben entwickelt, erklärte das Unternehmen einen Tag vor Beginn der Internationalen Autoausstellung IAA.

Grund genug, sich sogar einen eigenen Stand auf der IAA zu gönnen: "Der Markt für Gebrauchtwagen und Autoteile ist für uns so wichtig, dass wir auf der Messe mit Händlern und Autoenthusiasten in Kontakt kommen wollen", so Philipp Justus, Vorsitzender der Geschäftsführung der eBay GmbH.


Mehr zum Thema



Newsticker