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DaimlerChrysler: 500 Millionen Einsparung sichern 6000 Jobs

Der DaimlerChrysler-Vorstand und der Betriebsrat haben ihren Streit um das millionenschwere Sparprogramm beigelegt. Bundeskanzler Schröder sprach von einem "Sieg der Vernunft".

Im wochenlangen Konflikt um Kosteneinsparungen hat sich der Vorstand des Autokonzerns DaimlerChrysler am Freitagmorgen mit dem Betriebsrat und der IG Metall geeinigt. "Wir haben eine gute Lösung für DaimlerChrysler, aber auch für den Standort Deutschland gefunden", sagte Konzernchef Jürgen Schrempp am Freitagmorgen in Stuttgart. Es sei gelungen, ohne fundamentale Eingriffe in den Tarifvertrag eine Einigung zu erzielen, warb auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Erich Klemm, nach gut 16-stündigen Verhandlungen für den Kompromiss.

Vorstand drohte, Belegschaft streikte

Der Vorstand hatte gedroht, die Fertigung der C-Klasse nach 2007 aus Kostengründen von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlegen. Dies hätte über 6000 Arbeitsplätze im Südwesten bedroht. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, die Einigung sei eine vernünftige Lösung und habe zukunftsweisenden Charakter.

In der vergangenen Woche hatten zehntausende Mitarbeiter von DaimlerChrysler aus Protest gegen die Sparpläne zeitweilig die Arbeit niedergelegt. Für den Fall eines Scheiterns der Gespräche waren erneute Proteste angekündigt. Die DaimlerChrysler-Aktie tendierte nach der Einigung freundlich. Nach einem Hoch von 36,77 Euro notierte sie am Vormittag in einem behaupteten Gesamtmarkt mit 36,33 Euro noch 0,3 fester als am Vortag.

"Steinkühler-Pause" bleibt

Den größten Teil der 500 Millionen Euro wollen die Verhandlungspartner beim Programm ERA einsparen, das die Angleichung der Bezüge von Arbeitern und Angestellten zum Ziel hat. Diese Angleichung wird nun langsamer kommen. Die sogenannte "Steinkühler-Pause" bleibt dagegen erhalten. Sie wird künftig aber knapp zur Hälfte mit Weiterbildungszeiten verrechnet. Die Mitarbeiter im Südwesten können dann nur noch 42 statt bisher 72 Stunden akkumulierte Steinkühler-Pausen auf ihrem Arbeitszeitkonto gutschreiben. Dies verringert das Lohngefälle zwischen dem Werken in Sindelfingen und Bremen.

Nicht angetastet wird die Sonderregelung, nach der im Südwesten bereits ab 12.00 Uhr Spätschichtzuschläge bezahlt werden. Gespart werden soll dagegen im Dienstleistungbereich, der bei Daimler künftig nicht mehr nach dem höheren Konzerntarif bezahlt werden wird, sondern nach den branchenüblichen Tarifen. In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen wiederum soll auf freiwilliger Basis die 40-Stunden-Woche möglich werden. Auch bei vollem Lohnausgleich ist dies nach Konzernangaben günstiger als den Mitarbeitern dort ständig Überstundenzuschläge zu bezahlen.

Schrempp: Vorstandsbezüge werden gekürzt

"Die Einigung sichert unsere deutschen Standort bis 2012", sagte Schrempp. Die Vereinbarung könne Modellcharakter für den gesamten Standort Deutschland haben. Sie zeige, dass das Land keine pauschale Arbeitslänge oder Diskussionen über Urlaubs- und Feiertage brauche, sondern mehr Flexibilität in den direkten Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor Ort. Zugleich bekräftigte Schrempp, auch das Management werde seinen Beitrag leisten. Die Gesamtvergütung der Vorstandsmitglieder werde um zehn Prozent pro Jahr gesenkt. Auch die 3000 leitenden Angestellten in Deutschland würden zum Sparen herangezogen.

Mercedes-Chef Jürgen Hubbert entschuldigte sich bei der baden-württembergischen Landesregierung für den von ihm geprägten Begriff der "baden-württembergischen Krankheit". Die öffentliche Diskussion darüber sei aber ein Beweis dafür, dass inzwischen ein Prozess zur Abschaffung der Besonderheiten in dem Land in Gang gekommen sei, der unumkehrbar sei.

Schröder lobt Einigung

Bundeskanzler Schröder erklärte, der Kompromiss werde zu einer Verstärkung der konjunkturellen Erholung beitragen. Die Vereinbarung verschaffe dem Unternehmen mehr Flexibilität in einer immer härteren internationalen Konkurrenz und sichere Arbeitsplätze an deutschen Produktionsstandorten. „Sie schafft damit für Unternehmen wie für die Belegschaft Planungssicherheit.“ Er sei sich sicher, dass auch die Verhandlungen bei Volkswagen über Kosteneinsparungen und Beschäftigungssicherung erfolgreich abgeschlossen würden.

AP / DPA / Reuters / AP / DPA / Reuters