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Sirplus bei DHDL: Eklat bei den Löwen: War die Firmenbewertung von 10 Millionen Euro wirklich "obergierig"?

Das Start-up Sirplus verkauft aussortierte Lebensmittel – um die Wegwerf-Kultur zu bremsen. Und um damit Geld zu verdienen. Das brachte Georg Kofler auf die Palme. Aber war die aufgerufene Bewertung der Firma wirklich gierig? 

Im Fokus der Kritik steht die Idee eines Supermarktes für abgelaufenen Lebensmittel

Das Berliner Start-up Sirplus verkauft in vier Filialen überschüssige und abgelaufene Lebensmittel. Die Idee der Gründer: Schluss mit der Wegwerf-Kultur, gerade beim Thema Nahrung. Doch anders als soziale Einrichtungen wollen sie mit ihrer Geschäftsidee auch Geld verdienen. Und das tun sie bereits, wie sie gestern bei "Die Höhle der Löwen" vorrechneten. Das wollten sie sich auch in der Show bezahlen lassen: Für sechs Prozent an ihren Unternehmen forderten sie saftige 700.000 Euro. Das gefiel den Löwen gar nicht. Vor allem Georg Kofler grantelte sich richtig in Fahrt.

Vier Filialen, etwas mehr als eine Million Euro Umsatz - und dann eine Unternehmesbewertung von mehr als 11 Millionen Euro? Ist das gerechtfertigt für ein Unternehmen, das noch am Anfang steht?

"Unsere letzte Bewertung von Sirplus von 10 Million Euro haben wir schon im Jahr 2018 von unserem Investor erhalten, der durch Solarpanels sein Geld verdient hat und anonym bleiben möchte", sagt Gründer Raphael Fellmer zum stern. In Absprache mit dem Investor, der inzwischen auch Gesellschafter bei der Firma geworden ist, hätten die Gründer die Bewertung dann noch etwas nach oben geschraubt, da die Umsätze weiter gewachsen seien und auch die Bekanntheit der Firma gestiegen sei. "Wir sehen die Bewertung auch rückblickend als gerechtfertigt an", so Fellmer. 

Sirplus in der Höhle der Löwen

Sirplus in der Höhle der Löwen

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Sirplus hatte auf Frank Thelen gehofft

Dass die Gründer ohne Löwen-Interesse in die Höhle gegangen sind, stimme so nicht. Als Wunschlöwe stand Frank Thelen ganz oben auf der Liste der Gründer. "Frank hat viel Erfahrung mit Startups, aber besonders mit E-Commerce, und da wir unseren Onlineshop noch stärker nutzen möchten, um Menschen in ganz Deutschland das Lebensmittelretten zu ermöglichen, hielten wir das für einen guten Match. Außerdem fährt Frank in letzter Zeit immer mehr auf Food-Startups ab und da wir auch ab 2020 Sirplus Eigenmarken in den Einzelhandel bringen werden, hätte das wirklich super gepasst", so Fellmer.

Doch dann machte eine Verzögerung beim Dreh den Gründern einen Strich durch die Rechnung: Frank Thelen war bei ihrem Pitch gar nicht als Löwe in der Höhle. Als nächste Favoritin hofften die Gründer auf Dagmar Wöhrl, die "ein großes Herz für Tiere, Menschen und auch die Umwelt hat." Darüber hinaus engagiere sich Wöhrl auch bei den Tafeln, sodass sie sich mit dem Thema schon intensiver auseinander gesetzt habe, hofften die Gründer.

Auf Lebensmittelverschwendung bei DHDL aufmerksam machen

Doch am Ende gab es viel Schelte und keinen Löwen, der investieren wollte. "Obwohl wir zuerst enttäuscht waren, dass wir bei den Löwen nicht punkten konnten, sind wir trotzdem über die Erfahrung, die wir machen durften dankbar und vor allem zufrieden darüber, dass weitere Millionen Menschen in Deutschland, die die Sendung verfolgt haben, in Zukunft hoffentlich bewusster und weniger verschwenderisch mit Lebensmittel umgehen", sagt Fellmer.  

Auch wenn es nicht für ein Investment gereicht hat, so könnte der Auftritt von Sirplus das Thema weiter anheizen, meint Fellmer. Denn Sendezeit und Berichterstattung hätten einen Einfluss darauf, dass weniger Lebensmittel in Privathaushalten weggeworfen werden. "Für uns Gründer stand das Thema Lebensmittelwertschätzung immer im Vordergrund und Geld war und ist immer sekundär", so Fellmer.

kg