München Transrapid-Strecke wird nicht gebaut


Aus für die Münchner Magnetschwebebahn: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee teilte nach einem Krisentreffen mit, dass die Transrapid-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen nicht gebaut wird. Neue Kosteneinschätzungen hätten den Finanzrahmen gesprengt.

Bundesregierung, bayerische Landesregierung und Industrie haben beschlossen, die Transrapid-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen nicht zu bauen. Nach Worten von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist die Strecke wegen Kostensteigerungen für Bund und Bayern nicht finanzierbar. Die Industrie setze nun auf Kunden im Ausland. Sie hatte ihre Kalkulation zuvor von 1,85 Milliarden Euro auf deutlich mehr als drei Milliarden Euro erhöht.

Bahn bedauert Scheitern

Die Deutsche Bahn bedauert das Scheitern der Magnetbahn: Die Ankündigung des Anbieterkonsortiums bestehend aus Hochtief AG, Bilfinger&Berger AG, Max Bögl, Siemens AG und ThyssenKrupp AG, kein Angebot im bisherigen Budgetrahmen darstellen zu können, sei enttäuschend, erklärte DB-Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn in Berlin: "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren. Mit einem klassischen S-Bahn-Betrieb wird keine gleichwertige Ersatzlösung in absehbarer Zeit möglich werden."

Besorgt zeigte sich Technologie-Experte Heinrich Höfer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): "Das ist kein gutes Signal für den Standort Deutschland", so Höfer. Das Projekt sei auch an dem langen Planungsverfahren gescheitert. Ähnlich äußerte sich das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Dass wir diese moderne Technologie entwickelt haben und es seit 20, 30 Jahren nicht schaffen, bei uns eine Strecke dafür zu bauen, ist schon bedauerlich", sagte IW-Experte Klaus-Heiner Röhl. "Eine Referenzstrecke in Deutschland hätte die Exportchancen für den Transrapid sicherlich erhöht."

Grünen sehen sich bestätigt

Die Grünen in Bayern sehen sich nach der neuen Entwicklung in ihrer Transrapid-Kritik bestätigt. "Dass der Transrapid wesentlich teurer wird als die offizielle Zahl von 1,85 Milliarden Euro, war schon lange offensichtlich", betonte die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper. "Nur die CSU wollte das nicht wahrhaben und hielt unverdrossen an dem schwebenden Unsinn Transrapid fest."

Nun kämen endlich realistische Zahlen für das Lieblingsprojekt des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und des CSU-Chefs Erwin Huber auf den Tisch, hieß es weiter in Schoppers Mitteilung. Und die neuen Zahlen zeigten: "Jeder weitere Euro, der in das Projekt gesteckt wird, ist einer zuviel."

Auch ursprünglicher Finanzplan war schwer realisierbar

Bisher waren nach einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2002 Kosten in Höhe von 1,85 Milliarden Euro für die Strecke veranschlagt worden. Dieser Betrag wird nach jüngsten Berechnungen der beteiligten Unternehmen unter Führung von Siemens und Thyssen aber offenbar in einem erheblichen Maß überschritten.

Schon die Finanzierung der 1,85 Milliarden Euro wäre nur unter größten Anstrengungen aller Beteiligten zu realisieren gewesen. Der Bund hatte für den Transrapid bereits 925 Millionen Euro zugesagt und das Land Bayern 490 Millionen. Zur Schließung der Finanzierungslücke von 435 Millionen sollte die Bahn 235 Millionen beisteuern, der Flughafen 100, die EU 50 und Siemens und ThyssenKrupp jeweils 25 Millionen Euro.

Die rund 40 Kilometer lange Trasse vom Flughafen im Erdinger Moos zum Münchner Hauptbahnhof wäre die dritte Transrapid-Strecke weltweit. Neben der Versuchsanlage im Emsland gibt es bislang nur eine kommerziell genutzte Magnetbahn. Sie verbindet in Schanghai den Flughafen mit der südlichen Innenstadt.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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