HOME

Opel-Standorte sollen bleiben: Aufatmen in Bochum und Kaiserslautern

Die Opelaner in Bochum und Kaiserslautern können etwas aufatmen: Laut GM-Europachef Nick Reilly werden ihre Werke auch in Zukunft "wichtige Standorte" bleiben. Das sind nicht die einzigen positiven Nachrichten aus dem Hause General Motors.

Die Opel-Werke in Bochum und Kaiserslautern bleiben erhalten. Der Europachef des Mutterkonzerns General Motors (GM), Nick Reilly, sagte am Dienstagmorgen nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU/Nordrhein-Westfalen) und Kurt Beck (SPD/Rheinland-Pfalz). Bochum werde "ein wichtiger Standort auch in Zukunft" bleiben. Die Entscheidung, Bochum weiterzuführen, basiere auf wirtschaftlichen Kriterien und sei im langfristigen Interesse von GM. Auch der Standort Kaiserslautern werde in Zukunft "eine wichtige Rolle für Opel spielen", sagte Reilly.

Da General Motors bis zu 10.000 Stellen in Europa streichen will, ist ansonsten weitgehend unklar, welche Opel-Standorte in Deutschland und Europa erhalten bleiben sollen. Reilly wollte sich auch nach dem Treffen mit Rüttgers dazu nicht äußern. Über weitere Details des Sanierungsplanes für Opel würden die Arbeitnehmervertreter am Mittwoch informiert, sagte er.

Rüttgers zeigte sich erfreut, dass der Standort Bochum erhalten bleiben und auch langfristig eine Zukunft haben solle. Nach Angaben Becks, sind im Zuge des von GM geplanten Unternehmensumbaus in Kaiserslautern Einschnitte bei der Komponentenproduktion und in der Motorenfertigung zu erwarten. Er sehe aber "eine reale Chance für die dauerhafte Existenz des Werks in Kaiserslautern", erklärte er.

GM hat Opel-Kredit zurückgezahlt

Unterdessen hat GM die letzte Rate von 400 Millionen Euro des staatlichen Überbrückungskredits zurückgezahlt. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag mit. Opel gehört damit wieder vollständig dem US-Konzern. "Der deutsche Steuerzahler hat bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Cent an Opel verloren", betonte Merkel in Berlin. Insgesamt belief sich der Kreditrahmen auf 1,5 Milliarden Euro, laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" nahm der kriselnde deutsche Autobauer davon in der Spitze 1,2 Milliarden Euro in Anspruch. Dafür seien 28 Millionen Euro an Zinsen fällig geworden.

Merkel begrüßte die komplette Rückzahlung des Überbrückungskredits. Sie machte aber keinen Hehl daraus, dass sie Opel nach der Brückenfinanzierung lieber in den Händen von Magna gesehen hätte. Aber GM hatte den Verkauf abgeblasen und will Opel selbst sanieren. An die Adresse des GM-Managements in Detroit sagte die Kanzlerin, ohne den deutschen Kredit gäbe es Opel gar nicht mehr.

Die Treuhand hatte auch die Aufgabe, den Abfluss deutscher Staatshilfen an GM zu verhindern. Sie sorgte dafür, dass das Geld aus dem staatlichen Überbrückungskredit ausschließlich für die Adam Opel GmbH ausgegeben wurde. Für mögliche neue Finanzhilfen aus öffentlichen Kassen, auf die GM hofft, entsteht somit ein zusätzliches Problem. Denn es gibt zunächst keine Institution mehr, die einen Geldabfluss in die USA verhindern kann.

Sanierungsplan in kommenden Tagen

GM will seinen Sanierungsplan für das europäische Tochterunternehmen in den kommenden Tagen zunächst den Gewerkschaften und anschließend den Regierungen vorlegen. Wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Berlin mitteilte, werde erst danach EU-weit über Staatshilfen entschieden. Der neue GM-Europe-Chef Nick Reilly sagte nach einem Treffen mit Vertretern der EU-Standortländer in Brüssel am Montag, er sei zuversichtlich, die Gespräche schnell abschließen zu können.

Reilly bezifferte den Finanzbedarf für die Sanierung Opels und der britischen Schwester Vauxhall auf 3,3 Milliarden Euro. GM hat als Ziel angekündigt, die Kapazität in Europa um rund 20 Prozent zu verringern. Dazu seien die Schließungen ganzer Werke nicht unbedingt nötig. Den binnen eines Jahres notwendigen Stellenabbau sieht der Konzern bei bis zu 10.000 der insgesamt 46.000 Stellen in Europa.

Die EU-Länder mit Opel-Standorten wiederum haben bei dem Gespräch nach Angaben Brüderles zugesichert, vor der Präsentation des Sanierungsplans keine Zusagen an GM über Staatshilfen zu machen. Es werde auch keine Gespräche einzelner Regierungen mit GM mehr geben.

AP/AFP / AP