Bloß nicht in eine freie Werkstatt!

29. August 2013, 13:12 Uhr

Fehlersuche? Fehlanzeige. Wer zum Service in eine freie Werkstatt fährt, bekommt den Wagen oft genauso kaputt zurück, wie er ihn abgegeben hat. Die Testergebnisse des ADAC sind erschreckend.

ADAC, Werkstatt-Test, A.T.U

Die Arbeitsschritte beim Autoservice werden vom Hersteller exakt vorgegeben, bei freien Werkstätten aber oft ignoriert, wie ein ADAC-Test zeigt.©

Autoservice ist Glückssache - zumindest wenn man seinen Wagen bei freien Werkstätten oder Ketten überprüfen lässt. Beim aktuellen Werkstatt-Test des ADAC sind 78 Prozent der getesteten freien Werkstätten glatt durchgefallen. 28 von 36 untersuchten Betrieben erhielten die Bewertung "mangelhaft". Ein so schlechtes Testergebnis ist absolut ungewöhnlich. Bei den Ketten (A.T.U, Bosch, Meisterhaft und 1a Autoservice) ist das Ergebnis zwar besser, aber immer noch erschreckend. Hier fielen 17 von 36 Betrieben durch und damit fast jeder zweite. Von allen getesteten 72 Betrieben (Freie und Werkstatt-Ketten) erhielten gerade einmal sechs die Wertung "sehr gut" (8 Prozent).

Wie wurde getestet? Der ADAC ist mit präparierten Fahrzeugen der Modelle Audi A3, Renault Megane und VW Golf 5 vorgefahren. In allen Wagen wurden kleine typische Fehler versteckt: ein verstelltes Scheinwerferlicht, eine defekte Kofferraumleuchte, ein ausgehängtes ABS-Kabel, ein zu niedriger Kühlmittelstand sowie ein Ersatzrad mit zu wenig Reifendruck und ein fehlendes oder abgelaufenes Pannenset. Diese Probleme haben keine große Bedeutung für die Sicherheit und sind relativ leicht zu finden. Wenn die vorgeschriebene Serviceliste in der Werkstatt abgearbeitet wird, sind die Fehler gar nicht zu übersehen.

Und genau daran scheint es zu hapern. Anstatt alle Posten durchzugehen, wurden offenbar nur die wirklich wichtigen Positionen kontrolliert. Das bestätigt sogar der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK). Basierend auf den Erfahrungen im Werkstattalltag habe das Übersehen simpler Mängel so gut wie nie mit mangelnder Erfahrung des Werkstattpersonals zu tun, heißt es in einer Stellungnahme. Kleiner Trost: Kapitale Mängeln an Bremsen, Lenkung und Fahrwerk wären sicher gefunden worden, versichert der ZDK.

Bei so vielen Durchfallern muss man an System und nicht an Schlamperei denken. Die Arbeitszeit für einen Service ist wesentlich geringer, wenn der Kleinkram ausgelassen wird. In Rechnung gestellt wird natürlich der Arbeitsaufwand für einen korrekten Service. ADAC-Testleiter Markus Sippl: "Man muss die Listen nicht nur abhaken, sondern abarbeiten."

A.T.U noch relativ gut

Von den Ketten hat A.T.U relativ gut abgeschnitten: Zumindest erhielt keine einzige A.T.U-Werkstatt die Note mangelhaft. Sechs der neun getesteten A.T.U-Service-Unternehmen fanden alle Mängel. Damit liegt A.T.U in einem Bereich, den Vertragswerksstätten bei ähnlichen Tests erreichen. Bei den Bosch-Werkstätten fielen drei Betriebe durch, bei "1a" sechs und bei Meisterhaft acht. Von allen freien Werkstätten hat Riegelhof Karosseriebau in Frankfurt/Main am besten abgeschnitten.

Schon die Test-Ergebnisse der Vorjahre waren verheerend. Doch die Branche scheint daraus nichts zu lernen. Markus Sippl: "Im Vergleich zu den Test mit Markenbetrieben, schneiden die freien Werkstätten deutlich schlechter ab."

Sie profitierem von der weit verbreiteten Meinung, dass freie Werkstätten billiger als Vertragswerkstätten seien. Das trifft häufig gar nicht zu. Auch in den regelmäßigen Tests der Fachzeitschriften finden sich zwar auch immer wieder schwarze Schafe bei den Vertragswerkstätten. Aber keine Marke schneidet so schlecht ab wie die Freien in diesem ADAC-Test.

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