Lenker zerbröselt, Bremse defekt

29. Mai 2013, 18:46 Uhr

Gute Markennamen schützen nicht vor Pfusch: Stiftung Warentest hat Elektrofahrräder geprüft, 9 von 16 fallen im Test durch. Die Mängel sind lebensgefährlich.

Stiftung Warentest, Elektroräder, E-Bike, ADAC, Pedelec

Viele Räder zerbrachen beim Belastungstest©

Elektrofahrräder sind teuer, aber nicht gut. Im aktuellen Pedelec-Test von ADAC und Stiftung Warentest fallen neun von 16 Teilnehmern durch. Nur zwei Räder bekamen die Note "gut". Auch bekannte Marken garantieren keine Qualität. Unter den Durchfallern sind Modelle von Leviatec, Kreidler, KTM, Sinus, Flyer, Top Velo, Fischer, Victoria und Raleigh. Getestet wurden ausschließlich Räder der beliebten Pedelec-Gruppe. Ihr Stromantrieb unterstützt den Fahrer bis zur Spitzengeschwindigkeit von 25 km/h, doch ohne eigenen Muskeleinsatz bewegen sie sich nicht.

Gefährliche Defizite

Besonders bedenklich: Acht Räder erhielten wegen sicherheitsrelevanter Defekte die Note "mangelhaft". Im Belastungstest mussten die Räder 20.000 Kilometer aushalten. Das ist keine übertriebene Distanz für ein Fahrradleben. Viele schafften das nicht.

Bei fünf Rädern brachen im Belastungstest Rahmen, Lenker oder die Aufnahmen für die Hinterachse. Drei Modelle wurden wegen mangelhafter Bremsen abgewertet. Das sind keine Kleinigkeiten. Die Fehler können zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. In der Praxis treten Ermüdungsbrüche nämlich meist bei einer besonderen Belastung auf, etwa wenn das Rad mit hoher Geschwindigkeit einen Kantstein hinabfährt. Ein ärgerlicher Zufall ist übrigens ausgeschlossen. Von den zerbröselten Rädern wurden Duplikate angeschafft und erneut auf den Test-Parcour geschickt, die Brüche wiederholten sich.

Auch die Elektronik versagte bei einigen Testkandidaten. Das Impulse iR HS von Ralegh sendete starke elektromagnetische "Störwellen" aus, die die Funkdienste von Polizei, Feuerwehr und Rettung massiv stören können. Auch dafür gab es ein "Mangelhaft". Der elektromagnetische Grenzwert wurde auch von zwei Modellen von Pegasus und Kalkhoff geringfügig überschritten, für sie reichte es noch zur Testnote "ausreichend". Eine Empfehlung ist das allerdings auch nicht.

Nur zwei gute Kandidaten

Wie schon bei früheren Tests zeigte sich, dass die Konstruktion der E-Räder häufig zu schwach für den Einsatzzweck ausgelegt ist. Ein Elektrofahrrad ist größeren Belastungen als ein normales Rad ausgesetzt. Durch den zusätzlichen Stromantrieb und die Batterie sind E-Räder schwerer als normale Räder, fahren aber schneller. Der beliebte, tiefe Einstieg mit einem Ein-Rohr-Rahmen reagiert besonders empfindlich auf Belastungen. Erwartbar ist auch, dass Radler, die einen Hilfsmotor schätzen, mitunter schwerer sind als sportliche Radler. Offenbar wird diese Gefahr nicht durch stabilere Bauteile entschärft. Besonders ärgerlich: Selbst über 2000 Euro teure Räder sparen an den Bremsen. Für Elektroräder empfiehlt die Stiftung Warentest hydraulische Bremsen anstatt der günstigen Seilzugbremsen.

Traurige Bilanz: Nur zwei Modelle, das E-Courier SX von Stevens und das Obra RT von Kettler, erreichten die Note "gut". Das Elektro-Fahrrad von Stevens ist ein sportlicheres Modell mit geradem Lenker, guten Laufeigenschaften, kurzer Ladedauer und guter Reichweite. Das E-Rad von Kettler ist komfortabler ausgelegt und eignet sich zum gemütlichen Fahren. Dafür ist es nicht besonders wendig.

Den vollständigen Test finden Sie gegen eine Gebühr unter www.test.de/e-bikes.

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