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11. Januar 2010, 12:09 Uhr

Das iPhone aus Taiwan

In aller Stille hat Terry Gou einen Elektronikgiganten aufgebaut. Foxconn darf nun auch Apples neues Kultprodukt bauen: Den Tablet-PC. Jetzt muss der Konzern seine Methoden rechtfertigen. Von Thomas Wendel, Hamburg und Claudia Wanner, Hongkong

Foxconn, Apple, iPhone

Neben wichtigen Teilen fürs iPhone baut Foxconn auch Smartphones anderer Hersteller© Paul Sakuma/AP

Die Gebäude der verbotenen Stadt sind in unscheinbarem Grau gestrichen. Drumherum Mauern, Zäune, Sicherheitsschleusen: Nichts soll Interesse wecken, nichts nach draußen dringen. Doch im vergangenen Sommer gerät die Fabrik des taiwanischen Elektronikkonzerns Foxconn in der chinesischen Stadt Shenzhen trotz aller Vorsicht in die Schlagzeilen. "Ich bin in Schwierigkeiten", tippt da der 25-jährige Angestellte Sun Dayong in sein Mobiltelefon. "Sag nichts meiner Familie. Kontaktiere mich nicht." Der Schlusssatz der Kurznachricht an seine Freundin: "Es tut mir leid!" Es ist Suns letztes Lebenszeichen. Wenig später springt der Nachwuchsmanager vom Dach seines zwölfstöckigen Wohnhauses in den Tod.

Der Selbstmord hätte wohl kaum solche Wellen geschlagen, wenn er nicht mit dem Namen des besten Foxconn-Kunden verknüpft wäre: Apple . Sun sollte Prototypen von Apples iPhone in die Entwicklungsabteilung des Werks transportieren. Doch eines der 16 Geräte kommt dort nie an. Der Sicherheitsdienst von Foxconn durchwühlt daraufhin Suns Apartment. Der 25-Jährige wird im Werk verhört - mit äußerst fragwürdigen Methoden. Bis zuletzt bestreitet er jeden Vorwurf, sieht sich aber so bedroht, dass er seinem Leben ein Ende setzt.

Alles, was angesagt ist

Der unrühmliche Vorfall bringt ein Unternehmen in die Öffentlichkeit, das bisher recht unbehelligt vor sich hinwerkeln konnte. Dabei produzieren die Taiwaner so ziemlich alles, was angesagt ist in der Elektronik: iPhones, iPods, Nintendos Videospielkonsole Wii, Smartphones von Nokia , Samsung und Motorola , Amazons elektronisches Lesegerät Kindle, Mac-Computer, Notebooks von HP, Flachbildfernseher von Sony , Intel -Prozessorkarten. Und bald, heißt es in asiatischen Wirtschaftsmedien, wohl auch das nächste Kultprodukt Apples: den Tablet-PC. Einen extrem leichten und flachen Designcomputer aus gehärtetem Glas, der sich per Fingerbewegung steuern lassen soll und die Mediennutzung so revolutionieren soll wie der iPod das Musikgeschäft. Apple-Chef Steve Jobs will das Gerät angeblich am 27. Januar in San Francisco vorstellen.

In aller Stille hat Terry Gou, der Gründer und Chef des Foxconn-Mutterkonzerns Hon Hai Precision Industry, in den vergangenen Jahren einen Giganten der Elektronikindustrie geschaffen. 2008 setzte sein Unternehmen 62 Millarden Dollar um und beschäftigt 486.000 Mitarbeiter. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" führt Gou in der Liste der reichsten Menschen der Erde auf Platz 334 - mit einem Privatvermögen von 2 Millarden Dollar. Auf der Liste der weltgrößten Unternehmen des US-Wirtschaftsmagazins "Fortune" landete die Aktiengesellschaft auf Rang 109. Doch die Methoden des Konzerns sind umstritten.

Meister des Schweigens

Wie Jobs startet auch Gou seine Karriere in einer Garage. 1974 fängt er an. Mit 7500 Dollar Startkapital baut er eine Produktion von Plastiksteckverbindungen für Fernseher auf. Anders als der Apple-Chef hat er aber seine Produkte nie marktschreierisch angepriesen. Im Gegenteil. Gou ist Meister des Schweigens. Wären die Umstände des Todes Sun Dayongs nicht polizeilich untersucht worden, gäbe es bis heute keine offizielle Bestätigung dafür, dass Foxconn das iPhone baut. "Wir können über unsere Kunden nichts sagen, sonst verletzen wir unsere Geheimhaltungspflichten", erklärt ein Mitglied der PR-Abteilung Hon Hais - um sofort hinzuzufügen, dass er auch damit nicht zitiert werden will.

Die Geheimniskrämerei ist aber nur ein Teil des Erfolgs von Hon Hai. Gou reagiert schnell und geschmeidig auf Veränderungen in Wirtschaft und Politik. Anfang der 80er-Jahre verteilt Taiwans Regierung Subventionen an Familienbetriebe, die neben der Auftragsfertigung von Fernsehern und Taschenrechnern auch ins PC-Geschäft einsteigen. Gou ist dabei. Erst werden wieder Plastikteile, diesmal für Computer, produziert, dann kommen elektronische Bauteile hinzu. Die US-Computerkonzerne kaufen gern bei den Billigzulieferern ein. Die wiederum sammeln schnell Wissen an. Bald sind sie in der Lage, komplette Rechner zu bauen.

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Seite 1: Das iPhone aus Taiwan
Seite 2: Wie Foxconn die Welt erobert
 
 
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