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"Durch Pornoseiten stellen viele einfach nur fest, was sie interessiert"

In einem Interview hat der frühere Youporn-Chef, Fabian Thylmann, ausführlich über seine Vergangenheit im Porno-Geschäft gesprochen: Er hält Pornos für wichtig - und überlegt, wann er seinen Töchtern von seiner Vergangenheit erzählt.

Fabian Thylmann

"Wir schaffen die Bedürfnisse nicht, sie sind ja schon da", sagt Fabian Thylmann über die Pornoindustrie

hat es früh weit gebracht. Der Mann ist erst 39 Jahre alt, hat aber bereits eine außergewöhnliche Karriere hinter sich. Thylmann war mal der größte Pornotycoon der Welt, er war der Macher hinter Youporn, Pornhub und zahlreichen anderen Sexsites im Internet. Sein Unternehmen Manwin hatte weltweit 1200 Mitarbeiter und Standorte in Luxemburg, Zypern, Kanada, den USA und Hamburg. In der erfolgreichsten Zeit riefen monatlich 16 Milliarden Nutzer weltweit seine Angebote auf. Er verdiente viele, viele Millionen.

Bis 2012 ging es für den ehrgeizigen -Nerd nur nach oben. Dann wurde er wegen Steuerhinterziehung festgenommen und kam in Köln vor Gericht, ein Jahr später verkaufte er Manwin, mit dem er Youporn und Co. betrieben hatte. 2016 wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt, Thylmann soll 26 Millionen Euro an Steuern nachgezahlt haben, die seine frühere Firma auf dubiosen Wegen hinterzogen hatte. In einem abgetrennten Verfahren, in dem es um Hinterziehung seiner Einkommenssteuer ging, wurde er zu einer Gefängnisstrafe von 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. Heute backt er als Geschäftsmann kleinere Bötchen, ihm gehören ein Technoklub und ein Restaurant in Köln.

Fabian Thylmann, ein typischer Computer-Nerd

Der Mann kann einiges erzählen über Ehrgeiz, Erfolg und die Pornobranche. Er weiß, dass Kanadier auf Lesben-Sex stehen, die Deutschen Pornos mit reiferen Frauen bevorzugen und in muslimischen Ländern der Konsum von Sexfilmen zum Ramadan einbricht, um am Ende wieder zu explodieren. In einem langen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat er jetzt Auskunft über seine außergewöhnliche Karriere gegeben und erzählt, was er über die gesellschaftliche Bedeutung von Pornos denkt.

Thylmann ist ein typischer Computer-Nerd. Mit 17 Jahren beginnt seine Karriere, als er Computerprogramme für Pornoseiten schreibt. Er entwickelt Softwares, mit denen sich Traffic und Verlinkungen messen und zurückverfolgen lassen - mit 19 Jahren soll er schon einen Umsatz von 35.000 Euro gemacht haben. Zunächst arbeitete er für andere Pornoanbieter, später kaufte er sich eigene Sexseiten: "Ich habe eine deutsche Sexseite gekauft, die gut lief und Live-Cams eingeführt. Das hat mehr Kunden angelockt. So habe ich den Gewinn innerhalb von drei Monaten verdoppelt", sagt er im Interview mit der "Süddeutschen". Und: "Mit 28 Jahren hatte ich meine erste Million."

Mit seinen Eltern ist Thylmann immer offen gewesen: "Es war nie ein Problem für sie", behauptet er. Dann kommt der Moment, in dem der junge Deutsche die große Chance wittert. Er will weiter wachsen: "2009 habe ich dann von einer kanadischen Firma einige populäre Bezahl- und Tube-Seiten gekauft, unter anderem Pornhub. Später kam dann noch Youporn hinzu."

Manwin hat das Porno-Geschäft verändert

Das Geschäftsmodell sieht so aus: Mit den Gratisseiten werden die Kunden auf Bezahlseiten geleitet. Da nur jeder tausendste Kunde ein Abo erwirbt für bessere und längere Pornofilme, bedarf es einer riesigen Zahl an Nutzern - und die hat Thylmann. Ein anonymer Hedgefonds aus New York finanzierte ihm den Kauf der kanadischen Firma.

Er baute sein Geschäft systematisch aus. Schon bald ließ Thylmann über eine Produktionfirma auch Pornos selber drehen. Damit produzierte er den "Content" (Inhalt), den er verkaufte, zum Teil selbst. Durch Nutzeranalysen wusste er genau, was seine Kunden wünschen. Entsprechende Inhalte lieferte er. Der Erfolg und die Deals machten ihm Spaß: "Es bisschen war es auch eine Trotzreaktion. Mich hat es aufgeregt, dass das was Schlimmes sein soll. Ich finde es nicht fair, dass das Pornogeschäft dieses extreme Stigma hat."

Tatsache ist: Thylmanns Gratis-Sexseiten veränderten das Geschäft. Jede sexuelle Spielart, egal wie extrem oder gewalttätig, war jetzt frei verfügbar. Moralische Probleme bereitet Thylmann das bis heute nicht, auch wenn er durchaus Bedenken hat: "Das ist ein Thema, mit dem ich eher ein Problem hatte, weil ich selbst Kinder habe. Aber man muss sich irgendwann überlegen: Wie schlimm ist es wirklich, wenn ein 14- oder 15-Jähriger so etwas sieht? Haben wir nicht früher alle irgendwelche Sexheftchen angeschaut?"

Thylmann: Pornos haben eine positive Wirkung

Die Auswirkungen auf das Sexleben der Menschen sieht Thylmann sogar positiv: "Sex ist ja eine Ursache für viele Probleme in Beziehungen. Und ich glaube durch diese erzwungene Offenheit löst sich die Problematik, dass Paare nicht über Sex reden können." Auch die Qualität des Sexlebens kann sich durch den freien Zugang zu Pornoclips mit den unterschiedlichsten Sexpraktiken steigern, ist der 39-Jährige überzeugt: "Durch stellen viele einfach nur fest, was sie interessiert." Dass die Pornoindustrie gezielt Bedürfnisse erst erweckt, glaubt Thylmann nicht. Im Gegenteil: Die Bedürfnisse seien schon da. Und die Sexbranche liefere nur, was gewünscht sei.

Irgendwann will Thylmann auch seinen beiden Töchter, sechs und neun Jahre alt, erzählen, was ihr Daddy so für Geschäfte gemacht hat:  "Mit ist klar, dass es sein muss. Ich will auf keinen Fall, dass irgendwann ein Schulfreund ankommt, und sagt: Ich habe da etwas gehört..."

In Zukunft will Thylmann wieder als Internet-Unternehmer aktiv werden, weil er eine neue "Challenge" (Herausforderung) brauche. Er investiert in Start-ups und hat die Foto-App Frontback erworben. Damit will er und Snapchat Konkurrenz machen. Er kann dabei gelassen sein: "Ich habe den Luxus, dass ich mir Zeit lassen kann. Ich habe ja genügend Geld."

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