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25. Mai 2009, 11:58 Uhr

Internet-TV dürfte noch jahrelang floppen

Sie sieht düster aus, die Zukunft der Internetfernsehangebote deutscher Telekom-Konzerne. Zwei neue Untersuchungen fördern jetzt ernüchternde Details zu Tage: Die Zahlungsbereitschaft der Kunden für IP-TV bleibt gering. Von Thomas Wendel und Lutz Knappmann

IPTV, Internet-TV

Die Deutschen sind noch zögerlich gegenüber IP-TV© Nigel Treblin/DDP

2014 werden mit 3,1 Millionen Kunden lediglich 7,8 Prozent der deutschen Haushalte ihr Fernsehprogramm aus dem Web beziehen. Allenfalls große DSL-Anbieter wie die Deutsche Telekom haben langfristig eine Chance, ihre IP-TV-Investitionen einzuspielen - jedoch nur, wenn indirekte Wirkungen der Fernsehangebote wie eine geringere Kündigungsquote bei DSL-Anschlüssen mitgerechnet werden. So lauten die zentralen Ergebnisse zweier Studien zum Internetfernsehmarkt in Deutschland, die in Kürze veröffentlicht werden.

"Kurzfristig ist der Aufbau einer IP-TV-Plattform mit Sicherheit ein Zuschussgeschäft. Ob es sich langfristig rechnet, hängt von der Netzgröße, Produktattraktivität und vom Preis ab", sagte Michael Schmid, Co-Autor einer Studie der Berliner Beratungsfirma Goldmedia über den Internetfernsehmarkt bis zum Jahr 2014.

Die Hürden für einen Erfolg sind hoch: "Die hohen Fixkosten beim Aufbau eines IP-TV-Portals können sich langfristig nur für Anbieter auszahlen, die mindestens 2,5 Millionen Breitbandkunden beim IP-TV-Vermarktungsstart haben", so Mathias Birkel von Goldmedia. "Für kleinere Anbieter lohnen sich IP-TV-Angebote nur, wenn sie große Teile ihres Angebots bei externen Dienstleistern einkaufen."

Die Studie stellt damit vor allem die Zukunft der IP-TV-Angebote der größten Verfolger der Telekom auf dem deutschen DSL-Markt infrage: So betreiben die Telecom-Italia-Tochter Hansenet (2,3 Millionen Kunden) sowie Vodafone-Arcor (3,2 Millionen DSL-Anschlüsse) jeweils eigene IP-TV-Portale - mit bislang wenigen Nutzern.

Mindestens eine Million zahlende Kunden

Allein die Telekom scheint auf der sicheren Seite: Laut Goldmedia könne ein DSL-Anbieter mit mehr als zehn Millionen Breitbandkunden für sein IP-TV-Angebot im vierten Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Voraussetzung: Mindestens eine Million DSL-Kunden müssen aufpreispflichtige TV-Angebote abonnieren, und auch indirekte Erlöse müssen einkalkuliert werden.

Bleiben diese zusätzlichen Umsätze - etwa wegen einer Verringerung der Kündigungsrate für DSL-Anschlüsse oder dank zusätzlicher Neukunden - in der Kalkulation außen vor, ist IP-TV sogar auf Dauer ein Zuschussgeschäft: Fernsehumsätzen von rund 350 Mio. Euro binnen sechs Jahren stehen in der Goldmedia-Modellrechnung dann Ausgaben von 663 Mio. Euro gegenüber.

"Das zentrale Problem sind die Kosten für den nötigen Netzausbau", so Co-Autor Schmid. Internetfernsehen sei ein "Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb um Breitbandkunden". Werde das Netz aber nur wegen IP-TV aufgerüstet, "lohnt sich das nicht für den Anbieter".

Mangelnde Zahlungsbereitschaft

Auch eine Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture zeigt die Schwierigkeiten der Internetfernsehanbieter auf, ein lohnendes Geschäftsmodell zu finden. Vor allem mit der Zahlungsbereitschaft der Kunden ist es in Deutschland nicht weit her, ergab eine Umfrage unter mehr als 1000 potenziellen Nutzern. 47 Prozent lehnen es demnach ab, für TV-Angebote abseits des klassischen Fernsehempfangs zu bezahlen. Unter den 18- bis 24-Jährigen sind es 71 Prozent.

"Bezahlmodelle werden es schwer haben", sagte Veit Siegenheim, Geschäftsführer bei Accenture. Gut ein Drittel habe in den letzten zwölf Monaten Bewegtbildangebote am Computer oder Handy genutzt. 40 Prozent betonen, an neuen Verbreitungswegen nicht interessiert zu sein. Deutschland habe ein gut funktionierendes Free-TV-Angebot, so Siegenheim. "Mit IP-TV müssen Sie echten Mehrwert bieten."

Solchen Mehrwert orten die Experten im Fußballangebot der Telekom, die ab August alle Bundesligaspiele in HD-Qualität zeigt. "Das kann die IP-TV-Plattform deutlich attraktiver machen", so Birkel.

Von Thomas Wendel und Lutz Knappmann
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
tobix (25.05.2009, 15:59 Uhr)
@DasBertl
Extra niveauvolles Material hilft IPTV garantiert nicht zum Durchbruch - sonst hätten bspw. Arte, 3sat und die ARD/ZDF-Digitalableger höhere Einschaltquoten.
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Ich persönlich finde IPTV bisher uninteressant. Über DVB-S/S2 bekommt man ausreichend Material, wenn man das mit einem PC oder Festplattenrekorder speichert hat man auch seine Filme/Serien dann bereit, wenn man sie sehen will.
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IPTV dürfte sich in der Tat auch nur dann für die Anbieter lohnen, wenn sie möglichst nah am Kunden ihr Material einspeisen können (also nur für Provider bzw. enge Kooperationspartner). Einen Film in DVD- oder gar HD-Qualität zu Übertragen mag zwar dem Kunden (dank Flatrate) nichts kosten, dem Anbieter aber schon. Spätestens, wenn er zigtausenden Kunden gleichzeitig (auch noch unterschiedliche) Filme schicken soll summiert sich das.
DasBertl (25.05.2009, 14:45 Uhr)
Angebot
Das Angebot müsste den Schrott, der derzeit im TV läuft, deutlich überbieten, d.h. es müssten Sendungen mit Niveau laufen, auf Werbung müsste gänzlich verzichtet werden (nicht wie bei DePremiere, dort läuft durchaus Werbung, was einem die Suppe gleich madig macht), es muss ein Anständiger Mehrwert her UND das ganze müsste endlich STABIL laufen. Telekom mit ihrem T-Home zeigt(e) deutlich, wie es nicht gemacht werden sollte. Die Verbindungen waren derart instabil, dass einige Haushalte, die dafür teuer bezahlt hatten, zum Teil Monate nur Einzelbilder mit abgehacktem Ton hatten und zudem einen Mehrwert im Programm von 0,1% (den Schrott der sowieso im TV kommt, kann man sich da dann bis in die Ewigkeit anschauen, allerdings auch nicht alles...). Wie es mit der Übertragungsqualität bzw Stabilität derzeit bei T-Home aussieht, kann ich nicht beurteilen, alle in meinem Bekanntenkreis, die es hatten, haben es entnervt gekündigt (meist inklusive ihrem Telekomanschluss)
faustjucken_de (25.05.2009, 13:54 Uhr)
Macht vernünftige Preise und gut ist
Jedes Angebot findet einen Käufer, wenn der Preise stimmt.
So einfach ist das. Aber wenn ich wie in den aktuellen Angeboten nur zichfach im Free-TV abgenudelte Ware habe, dann werde ich dafür auch null zahlen.
Seien wir doch mal ehrlich, das meiste würde ich mir nicht mal umsonst angucken.
Schlechte Qualität, inhaltlich und optisch, umständlich Technik, dazu noch die allgemeine Gängelung durch DRM. Nein Danke. Mein Festplattenrekorder ist eh schon voll mit Sachen, für die mir die Zeit fehlt.
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