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17. Juni 2011, 10:31 Uhr

Der neue Erste im Zweiten

Thomas Bellut ist zum neuen ZDF-Intendanten gewählt worden. Er wird im März 2012 Nachfolger von Markus Schächter, In Mainz könnte jetzt ein großes Stühlerücken folgen. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Thomas Bellut, Thomas Gottschalk

Soll künftig an der Spitze des ZDF stehen: Der bisherige Programmdirektor Thomas Bellut© DPA

Was haben die englische Monarchie, Nordkorea und das ZDF gemeinsam? Über die Frage, wer der nächste König, "große Führer" oder Intendant wird, entscheidet die Erbfolge. Beim ZDF ist sie nicht genetisch bedingt. Intendant wird, wer vorher Programmdirektor war. So war es bei Dieter Stolte. So war es - wenngleich dies eine schwierige Kür war - bei Markus Schächter. So ist es seit 1982, also seit 29 Jahren. Und so war es auch jetzt bei der Wahl zum Intendanten wieder. Thomas Bellut, der bisherige Programmdirektor hatte nicht einmal einen Gegenkandidaten. Die Stelle des obersten ZDF-Chefs wurde nicht öffentlich ausgeschrieben. Top-Manager des ZDF, also der erste Mann beim Zweiten, wird der, "auf den es zuläuft."

Demokratie

Heißt das, dass die Demokratie keine Rolle mehr spielt? Nein. Es war ein ebenso regulärer wie legaler Wahlakt, durch den Thomas Bellut das Amt erhielt. Aber die Demokratie ist dennoch antiquiert, nicht partizipatorisch, überlagert und dominiert von Parteipolitik. Die "Schwarzen" haben eine klare Mehrheit in den Gremien des ZDF. Thomas Bellut ist ihnen genehm. Die Parteipolitiker, die nicht davon ablassen können, den Staat als Beute aufzufassen, spielen im ZDF eine viel zu große Rolle. Der Sender ist überpolitisiert, dadurch oft blockiert. Ob die Gremien tatsächlich dem Gebot der "Staatsferne" gehorchen, muss erst noch höchstrichterlich festgestellt werden. Durch die Gesellschaft geht ein Ruck. Er zielt auf Mitbestimmung, neue Formen der politischen Artikulation, auf die Aneignung öffentlicher Einrichtungen. Das ist am ZDF bisher völlig vorbeigegangen.

Was will Thomas Bellut?

Das ZDF ist schwergängig. Hier wird sich nichts schlagartig verändern. Der Sender wird nie einen Revolutionär von außen an Bord holen. Das ZDF ist ein Unterhaltungsdampfer mit viel Pilcher, Pilawa, Carmen Nebel und "Wetten, dass..?". Unter diesen obwaltenden Bedingungen ist die Erbfolge-Lösung wahrscheinlich sogar das geringste Übel. Der ein oder andere Zuschauer kennt Thomas Bellut vielleicht noch als etwas steifen Vorleser des Polit-Barometers. Auch in den "Was, nun ...?"-Sendungen war er eindringlich fragend auf dem Bildschirm präsent.

Als Programmdirektor hat er schon ein paar Umbauten vorgenommen. Am wichtigsten: Aus dem Ein-Kanal-Sender ZDF wurde eine kleine digitale Familie mit den flotten Mini-Beibooten ZDFkultur und ZDFneo. Außerdem hat er hinter den Kulissen die "Wetten, dass..?"-Krise besonnen gemanagt. Auf den Podien dieser Republik hat er sich als eingefleischter Fan des traditionellen, an großen Reichweiten orientierten "lean back"-Mediums Fernsehen positioniert. Er will die Jugend, er will alle neuen Medien und Plattformen erschließen - aber letztlich ist das alles doch ein Zusatz zum klassischen Programmfernsehen.

Was bedeutet Belluts Wahl für Programm und Personal?

Zunächst wird er das ZDF weiter auf dem Unterhaltungs-Dampfer-Kurs halten. Dazu muss Bellut bald einen Gottschalk-Nachfolger präsentieren. "Wetten, dass..?" auf altem Niveau ist dabei kaum zu retten. Aus dem großen Lagerfeuer wird eine Unterhaltungssendung unter mehreren werden. Vermutlich muss diesen Prozess ein neuer Unterhaltungschef steuern. Bereits beim NDR hat sich Andreas Gerling als Pilawa-Betreuer hervorgetan. Er ist zum ZDF gewechselt. Keiner würde sich wundern, wenn er bald den bisherigen Unterhaltungschef Manfred Teubner ablösen würde. Dies würde auch freie Bahn für Pilawa als großen ZDF-Allrounder bedeuten.

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Die Medienkolumne

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