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11. Oktober 2007, 18:04 Uhr

Rechtsparteien machen Eva den Hof

Die Herman-Schlacht findet kein Ende: Nach dem Talkshow-Eklat bei Kerner und der Diskussion um ihre umstrittenen Aussagen zur NS-Familienpolitik wollen rechte Parteien Eva Herman als Sprachrohr gewinnen. Der Zentralrat der Juden mahnt dagegen zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion.

"Mega-Gau": Eva Herman in der Johannes B. Kerner-Show© Kay Nietfeld/DPA

Rechte Splitterparteien wollen Eva Herman als Aushängeschild und Sprachrohr engagieren: "Wenn Frau Herman für uns in die Hamburgische Bürgerschaft einziehen würde, müssten die Leute ihr zuhören", sagte der Landesvorsitzende der Hamburger Zentrumspartei, Dirk Nockemann, der Tageszeitung "Die Welt". Nockemann habe bereits Kontakt zu ihr aufgenommen. "Ich würde mich außerordentlich freuen, mit Frau Herman zusammenzuarbeiten", sagte er der Zeitung: "Ich bin der Auffassung, dass sie vielen Bürgern aus dem Herzen spricht."

Auch die die rechtsextreme DVU will sich für die Moderatorin einsetzen: Unter dem Motto "Meinungsfreiheit für Eva Herman" sollte in Hamburg eine große Unterstützungs-Kundgebung stattfinden. Ursprünglich wollte die DVU am Samstag direkt vor dem Hamburger Rathaus demonstrieren. Nach einem gerichtlichen Verbot soll die Veranstaltung im Hamburger Congress-Centrum stattfinden.

Krude Vergleich aus der Diskussion heraushalten

Unterdessen hat der Zentralrat der Juden in Deutschland mehr Sachlichkeit in der Debatte gefordert. Es gehe nicht darum, über Herman eine braune Keule zu schwingen, sondern darum, krude Vergleiche mit einer angeblich erfolgreichen Familienpolitik des NS-Regimes aus der Diskussion herauszuhalten, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der "Netzeitung" vom Donnerstag.

Mit ihren völlig deplatzierten Vergleichen mit der "gleichgeschalteten" Presse und den Autobahnen habe sie sich selbst entlarvt, betonte Kramer. Insofern sei Kerners Konsequenz, die 48-Jährige aus seiner Sendung auszuschließen, unausweichlich gewesen. Kerner hatte am Dienstag ein TV-Gespräch mit Herman vor laufenden Kameras vorzeitig beendet, nachdem sie auf Fragen zu ihren umstrittenen Aussagen zur NS-Zeit nur ausweichend geantwortet hatte. Der Geschichtsprofessor Wolfgang Wippermann, der als Experte in der Sendung zu Gast war, kritisierte von Herman vorgebrachte "Verschwörungstheorien" als unglaubwürdig.

Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er, in jedem Fall habe Herman die NS-Familienpolitik in einem positiven Zusammenhang dargestellt. Ihren Büchern bescheinigte er "enervierende Dummheit". Gleichwohl habe er die Ex-Moderatorin erheblich geschickter erlebt, als er gedacht habe: "Das zieht schon, wenn sie an Gefühle und Instinkte appelliert, von Mutter und Kind spricht."

Verleger: Talkshow war "Mega-Gau"

Eva Hermans Verleger Christian Strasser hat die Talkshow von Johannes B. Kerner mit Eva Herman als "Mega-Gau" bezeichnet. Er sei "entsetzt und schockiert über die Sendung, nicht über den Auftritt von Eva Herman", sagte der Verleger von Pendo (München) am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Die Sendung sei "für alle Beteiligten und sicher auch für mich als Verleger" ein "Mega-Gau" gewesen. Als Grund nannte Strasser "die extrem unangenehme Atmosphäre". Die Abkürzung "Gau" steht in der Atomtechnik für den "größten anzunehmenden Unfall".

Die Öffentlichkeit - 2,65 Millionen Zuschauer schalteten ein - solle sich ihr eigenes Bild darüber machen, "warum das so eskalierte", sagte Strasser. Dazu gehörten auch die Fragen, ob Kerner als neutraler Moderator agierte und warum Herman die Brücken nicht angenommen habe, die er ihr gebaut habe, sagte der Verleger. Sein persönlicher Eindruck sei, dass sich Herman sehr in die Ecke gedrängt gefühlt habe, bei "Fünf gegen Einen". Zum anderen sei sie offensichtlich von ihrem leidenschaftlichen Engagement für Werte und für Familie so überzeugt, dass sie keinen Grund gesehen habe, sich zu entschuldigen.

Er halte ihr Buch "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen" für einen "völlig legitimen, wichtigen und leidenschaftlichen Debattenbeitrag". Zu diesem stehe er nach wie vor 100-prozentig und in diesem Sinne auch zu der Autorin.

AP/DPA
 
 
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