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15. September 2009, 19:52 Uhr

Merkel ermutigt zu Zivilcourage

Als feigen Anschlag hat Kanzlerin Angela Merkel die tödliche Prügelattacke in der Münchner S-Bahn bezeichnet - und zugleich zu mehr Zivilcourage aufgerufen. Frank-Walter Steinmeier nannte das Opfer einen "Helden".

S-Bahn, München, Rupert Scholz, S-Bahnüberfall

"Ein Held": Gedenken an den tot geprügelten Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln in München© Felix Hörhager/DPA

Angesichts der tödlichen Prügelattacke in der Münchner S-Bahn haben Spitzenpolitiker zu mehr Zivilcourage aufgerufen. "Wir alle müssen aufmerksam und wachsam sein", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und würdigte den Mut des Mannes, der am Samstag von zwei Jugendlichen totgeschlagen worden war, weil er vier Kinder vor einem Raubüberfall schützen wollte.

"Es ist ein feiger, durch nichts zu rechtfertigender Anschlag", sagte Merkel am Dienstag und fügte hinzu: "Ich glaube, dass hier Maßstäbe für Zivilcourage gesetzt wurden." Alle seien aufgefordert, "jene zu ermutigen, die Zivilcourage zeigen möchten". SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier würdigte den Getöteten als einen "Helden". Dringend erforderlich sei mehr Polizeipräsenz, sagte er im ARD-Hörfunk. Forderungen der CSU nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts wies er aber zurück.

Ähnlich äußerten sich Experten aus Wissenschaft und Justiz. Der Vorsitzende des Deutschen Richterbunds (DRB), Christoph Frank, nannte die gesetzlichen Möglichkeiten in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" für den Umgang mit straffälligen Jugendlichen ausreichend. Die Sanktionen seien allerdings oftmals schwer zu vollstrecken, da Arrestplätze und Erziehungsangebote fehlten. Auch der Soziologe Joachim Kersten von der Deutschen Hochschule der Polizei warnte vor einem "Herumdoktern am Jugendstrafrecht". Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass härtere Strafen in der Regel nicht zu einem Rückgang der Gewalt führten, sagte er der "Frankfurter Rundschau": "Je mehr man straft, desto mehr verroht die Gesellschaft."

CSU für härtere Gesetze

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verteidigte dagegen die Forderung nach schärferen Gesetzen: "Dieser feige und entsetzliche Mord muss mit aller Härte bestraft werden", sagte der CSU-Politiker der Tageszeitung "Die Welt". Die Höchststrafe für Jugendliche bei Mord müsse von zehn auf 15 Jahre erhöht werden. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach kündigte an: "Wir werden das nach der Bundestagswahl mit Hochdruck weiterverfolgen."

In München gibt es derweil keine konkreten Hinweise, dass Passanten dem zu Tode geprügelten 50-Jährigen zu Hilfe hätten eilen können, wie Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagte. In diesem Zusammenhang werde auch gegen niemanden ermittelt. Rund 15 Menschen waren demnach zur Zeit des Überfalls am Samstagmittag auf dem S-Bahnhof Solln. Laut Polizei versuchten Zeugen, die Schläger durch Zurufe von ihrem Opfer abzubringen. Zudem gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein.

Gedenkminute für Opfer geplant

Laut Polizei wurde der Geschäftsmann in einem Zeitraum von nur etwa fünf Minuten tot geprügelt. Als mutmaßliche Täter wurden zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche festgenommen; gegen sie wie auch einen 17-jährigen Komplizen wurde Haftbefehl erlassen.

Aus Respekt vor dem Opfer ist zum Zeitpunkt der Beerdigung, der noch nicht feststeht, in München eine Gedenkminute geplant. Alle Busse und Bahnen im öffentlichen Nahverkehr in München sollen dann stillstehen, wie die Stadt mitteilte. Die Gedenkminute solle den Fahrgästen Gelegenheit geben, ihre Trauer um den Toten und ihre Anteilnahme für die Hinterbliebenen sowie die Solidarität mit Menschen, die Zivilcourage an den Tag legen, zu bekunden. Schon am Mittwoch soll es am Tatort eine ökumenische Andacht geben.

AP
 
 
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