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Refugees Welcome - Jetzt auch per App

Ein Dresdener Unternehmen hat eine App entwickelt, die Flüchtlinge durch den Behörden-Dschungel der Stadt lotsen und ihnen helfen soll, sich einzuleben. Ab Samstag kann man eine Version für ganz Deutschland herunterladen.

Von Alica Müller

  Für viele Flüchtlinge ist das Smartphone die einzige Möglichkeit, mit Familien und Freunden in Kontakt zu bleiben. Geht der Plan der Welcome-App-Betreiber auf, können sie sich auf dem Handy bald schon vor der Flucht über das Leben in Deutschland informieren.

Für viele Flüchtlinge ist das Smartphone die einzige Möglichkeit, mit Familien und Freunden in Kontakt zu bleiben. Geht der Plan der Welcome-App-Betreiber auf, können sie sich auf dem Handy bald schon vor der Flucht über das Leben in Deutschland informieren.

Ausländerbehörde, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Sozialamt, Härtefallkommission – Flüchtlinge kommen in Deutschland an und müssen sich oft durch einen wahren Bürokratie-Dschungel schlagen. Was welche Behörde genau macht, wissen auch die meisten Deutschen nicht.

Von Dresden nach ganz Deutschland

Die App „Welcome to Germany“ soll Abhilfe schaffen. Öffnet man sie, erscheinen zwei orange Strichmännchen auf dem Bildschirm, darunter heißt es ganz simpel: "Willkommen in Deutschland". Hinter dem Logo wartet einen Sammlung an Informationen, die Flüchtlingen Fragen zu ihrem neuen Leben in Deutschland beantworten soll. Zu welchem Amt muss ich wann gehen? Wie stelle ich einen Asylantrag? Wie funktioniert Busfahren in Deutschland? Geht es nach den Betreibern der App, sollen die Menschen die Anwendung bald noch in den Heimatländern herunterladen und sich so schon vor der Flucht auf das Ankommen und Leben in Deutschland vorbereiten.

In den App Stores soll "Welcome to Germany" ab Samstag verfügbar sein - auf deutsch, englisch, französisch und arabisch. Entstanden ist die App in einer Stadt, die nicht gerade dafür bekannt ist, Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen: in Dresden. Die Stadt, in der Pegida gerade wieder Zulauf hat und "Wir sind das Volk" brüllende Wutbürger "spazieren gehen".

Immer mehr Regionen wollen mitmachen

Die Idee zur Flüchtlingsapp hatte Viola Klein. In ihrem Software-Unternehmen arbeiten Menschen aus elf Nationen. "Bei uns ist klar, dass Hautfarbe, Herkunft und Religion irrelevant sind", sagt die Dresdenerin. Als im letzten Jahr immer mehr Rechte mit Pegida auf die Straße gingen und gleichzeitig immer mehr Flüchtlinge kamen, beschloss sie, etwas zu tun. Sie begann zu netzwerken, sprach mit Politikern, Organisationen, Sozialarbeitern und schließlich mit Flüchtlingen. Zunächst finanzierte sie mit ihrem Unternehmen kostenlose Deutschkurse, dann wollte sie etwas Eigenes machen – die Idee zur "Welcome to Dresden"-App war geboren. Das Unternehmen stellte Informationen zu Behörden, Beratungsstellen und Sprachkursen in Dresden zusammen. Aber auch vermeintliche Kleinigkeiten schrieb das Team auf: Wo kann man am billigsten einkaufen? Und was ist eigentlich typisch für die deutsche Küche?

Nachdem die App im August online ging, fragten immer mehr Städte und Gemeinden und wollten eine eigene Version für ihre Region – kaum machbar für das mittelständische Unternehmen. Ganz symbolisch, am Tag der deutschen Einheit, erscheint  deshalb zunächst eine übergreifende App mit allgemeinen Informationen zum Leben als Flüchtling in Deutschland. Viola Kleins großer Plan: eine Ortungsfunktion, mit der die Nutzer automatisch die Informationen für ihre Umgebung angezeigt bekommen. „Dafür brauchen wir aber erst mal jemanden, der das mitfinanziert“, sagt sie. Bislang arbeitet Kleins Firma Saxonia Systems mit dem  Software-Hersteller Heinrich & Reuter Solutions zusammen - gemeinsam haben sie schon 100.000 Euro in das Projekt gesteckt. Für Kooperationen mit Vereinen oder der Regierung sei sie dagegen bisher zu ungeduldig gewesen, sagt Klein.

Nicht nur Lob

Auf Facebook und in den App Store-Bewertungen wird Klein, neben viel Lob für ihr Engagement, auch angefeindet.  „Habt ihr eine Macke?“, schreibt ein Nutzer, „Je mehr wir für die Ausländer machen, desto mehr werden kommen.“ „Das ist doch Schwachsinn“, sagt Klein dazu. Die Betreiber wollen mit der App weder Menschen anlocken, noch abschrecken  - sondern einfach informieren. Das könne zum Beispiel auch bedeuten, dass Menschen noch vor der Flucht ihre Chancen auf Asyl besser einschätzen können und sich dann gegebenenfalls gar nicht erst auf den Weg machen.

„Die wissen ja auch gar nicht, wie Deutschland tickt“, sagt Klein. In der „Welcome to Dresden“-App erfahren die Benutzer deshalb auch, dass Männer und Frauen hier gleiche Rechte haben, Pünktlichkeit sehr wichtig sei und dass Deutsche „in der Regel sehr höfliche und zurückhaltende Menschen“ sind. Das dürfte den ein oder anderen Flüchtling überraschen, der montagabends durch die Dresdener Innenstadt läuft.

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