• 22.08.2008, 09:43 Uhr

Russland


Chodorkowskis Begnadigung abgelehnt


 © DPA
Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski sitzt seit 2003 in Haft

Michail Chodorkowski muss weiter im Gefängnis bleiben. Ein russisches Gericht hat den Antrag auf Begnadigung des Ex-Yukos-Chefs abgelehnt. Der Kremlkritiker sitzt seit fünf Jahren in Haft. Chodorkowski sieht sich als Opfer von Machenschaften der russischen Regierung.

Ein russisches Gericht hat den Antrag des früheren Ölmagnaten Michail Chodorkowski auf Begnadigung abgelehnt. Das meldete die Agentur Interfax aus dem Gerichtssaal der Stadt Tschita im Fernen Osten. Chodorkowski bleibt eine zehntägige Frist zum Widerspruch. Er war im Herbst 2003 verhaftet worden und verbüßt im Gebiet Tschita eine achtjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und Betrugs.
 
Gegen den einstigen Eigentümer des Yukos-Konzerns läuft zudem ein zweites Strafverfahren. Ihm werden darin Unterschlagung und Geldwäsche von über 18 Milliarden Euro zur Last gelegt. Das Gericht folgte der Argumentation des Staatsanwaltes, wonach im Falle eine Begnadigung Fluchtgefahr bestehe und Chodorkowski zudem Zeugen beeinflussen könne. Die Richter kritisierten im Begnadigungsverfahren, dass Chodorkowski auch weiterhin jegliche Schuld bestreite.

Wenig Hoffnung auf Freilassung
Nach russischem Recht können Häftlinge wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen werden, wenn sie mehr als die Hälfte ihrer Strafe abgesessen haben. Doch bereits zu Beginn der Anhörung ließen die Äußerungen des Richters wenig Hoffnung. Laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti wies der Richter auf eine Empfehlung der Gefängnisverwaltung hin, den prominenten Häftling seine Strafe vollständig verbüßen zu lassen.
 
Demnach fällt Chodorkowskis persönliche Beurteilung zwar positiv aus, insgesamt aber wird seine Entwicklung negativ gesehen, da er sich nach wie vor weigert, seine Schuld anzuerkennen. Chodorkowskis Angehörige hatten sich schon im Vorfeld skeptisch über eine vorzeitige Freilassung geäußert.

Chodorkowski war im Oktober 2003 festgenommen und im Mai 2005 nach einem langen Prozess wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Sein Yukos-Konzern wurde faktisch zerschlagen und 2006 einem Konkursverwalter unterstellt. Beobachter vermuten hinter Chodorkowskis Verurteilung politische Beweggründe.

Im Westen wird der Umgang mit Chodorkowski als Maßstab für die demokratischen Ambitionen unter dem neuen Präsidenten Dmitri Medwedew betrachtet. Der Kremlkritiker Chodorkowski sieht sich selbst als Opfer von Machenschaften der russischen Führung.
 
DPA/AFP



Diesen Artikel bookmarken bei...
Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews
Leser-Kommentare (15) zu diesem Artikel
@Carolarco (23.8.2008, 12:26 Uhr)
An die ewig "Anständigen". (23.8.2008, 10:58 Uhr)
@Zaxxon (23.8.2008, 0:24 Uhr)
Putin ist wachsam. (22.8.2008, 21:57 Uhr)
rote brille... (22.8.2008, 16:08 Uhr)
Weitere Artikel aus der Rubrik "Politik"
Politik-Archiv
Videos Politik
stern.de - Partner Tools
stern.de-Aktion - der Blog
Deutschland lernt Energie sparen
Jetzt geht das Sparen los! Steckdosen aus und duschen statt baden: Lesen Sie hier was die drei teilnehmenden Familien in ihrem Alltag beim sparsamen Umgang mit Wasser und Strom erleben...
Sudoku mit Bildern

Schieben Sie nach Belieben Barack Obama, seine Familie und enge Wegbegleiter umher und lösen Sie das Spiel.

Aktuelle Fotostrecken

Die Woche vor 20 Jahren

G8-Gipfel in L'Aquila

Kolumnen

Aus dem Berliner stern-Büro berichtet Hans-Ulrich Jörges

Klatsch, Tratsch und politisch Brisantes rund um den Reichstag reportiert Hans Peter Schütz

Katja Gloger schreibt, worüber die Mächtigen dieser Erde vor und hinter den Kulissen rangeln

Uta Eisenhardt berichtet jede Woche aus dem Berliner Amtsgericht über Prozesse mit dem gewissen Etwas

Cornelia Fuchs beschreibt das Leben zwischen Buckingham Palace und Notting Hill

Wetter aktuell

Anzeige