29. Juli 2012, 11:06 Uhr

Erneut heftige Gefechte in Aleppo

In Aleppo könnte sich der Aufstand gegen das Assad-Regime entscheiden - die Stadt gilt als Schlüssel zur Macht. Verbissen wird gekämpft. Die internationale Gemeinschaft warnt vor einer "Tragödie".

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Auf den Straßen von Aleppo: Ein bewaffneter Mann lauert hinter Sandsäcken©

In der womöglich entscheidenden Schlacht um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo sind die Gefechte wieder aufgeflammt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London meldete Gefechte aus verschiedenen Stadtvierteln. Die Regierungstruppen setzten Kampfflugzeuge ein, es seien Explosionen zu hören.

Offenbar machen die Truppen des Diktators Assad bei ihrer Offensive gegen die Aufständischen allerdings keine Fortschritte. "Unsere Positionen sind unverändert", sagte der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi am Sonntagmorgen der Nachrichtenagentur DPA. Die Regimetruppen konzentrierten ihre Angriffe auf den Zugang zum südwestlichen Randbezirk Salaheddin, einer Hochburg der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA). Dabei könnten sie aber bislang keinen entscheidenden Vorstoß verzeichnen, sagte Al-Halebi.

Die Regierungstruppen hatten am Vortag mit ihrer seit Tagen erwarteten Offensive in Aleppo begonnen. Unterstützt von Kampfjets, Hubschraubern und schwerer Artillerie waren Panzer und Soldaten gegen die FSA-Stellungen vorgerückt. Die FSA-Kämpfer schlugen die Attacken nach eigene Angaben zurück. Am Abend hatte es eine Kampfpause gegeben.

Nach Darstellung der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London wurden am Samstag allein in Aleppo 17 Zivilisten, 13 Aufständische und eine nicht näher genannte Zahl von Regierungssoldaten getötet. Landesweit seien am Samstag 168 Menschen getötet worden - darunter 94 Zivilisten, 41 Soldaten und 33 Rebellen. Die Zahl der Toten seit Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011 gaben die Aktivisten mit mehr als 20.000 an.

Strategische Bedeutung der Wirtschaftsmetropole

In der Weltkulturerbe-Stadt Aleppo droht ein Häuserkampf. "Die Rebellen haben sich in den engen Gassen positioniert, was die Kämpfe erschwert", sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitsbehörden AFP. "Tausende Menschen fliehen vor dem Bombardement durch die Straßen. Sie werden von Helikoptern terrorisiert, die in niedriger Höhe fliegen", berichtete ein Aktivist namens Amer.

Wegen der strategischen Bedeutung der Großstadt liegt dem Regime in Damaskus viel daran, die Rebellen von dort zu vertreiben. In den vergangenen Tagen hatte es Tausende Soldaten aus anderen Landesteilen zusammengezogen und vor Aleppo in Stellung gebracht. Aber auch die FSA verstärkte sich mit zusätzlichen Kämpfern, vor allem aus der Nachbarprovinz Idlib.

Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Basset Sajda, forderte befreundete und "Bruderstaaten" auf, die Freie Syrische Armee mit Waffen zu versorgen. "Wir wollen Waffen, die die Panzer und Kampfflugzeuge stoppen würden", sagte der im Exil lebende SNC-Chef in Abu Dhabi. Sajda forderte ferner, Assad müsse wegen der "Massaker" an Syrern vor Gericht vor Verantwortung gezogen werden.

Annan: Blutvergießen verhindern

Angesichts der sich zuspitzenden Lage in Aleppo hat Syrien-Sondervermittler Kofi Annan an die Konfliktparteien appelliert, sich an das "Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte" zu halten. In einer am Samstagabend in Genf veröffentlichten Erklärung forderte er sie auf, "sich zurückzuhalten und jedes weitere Blutvergießen zu verhindern".

Annan zeigte sich besorgt angesichts der "bevorstehenden Schlacht" und mahnte bei der Weltgemeinschaft ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Konflikt an. Dabei gelte es, die verfeindeten Parteien davon zu überzeugen, "dass nur ein politischer Übergang, der zu einem politischen Abkommen führt, die Krise überwinden und dem syrischen Volk Frieden bringen kann".

Auch andere Politiker fordern ein sofortiges Ende der Offensive, weil sie viele Opfer unter Zivilisten befürchten. "Ich bin tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Aleppo", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warf Damaskus "verbrecherische Akte" vor. In der "Bild am Sonntag" äußerte er sich zudem besorgt über die Lage der Christen.

Frankreichs Präsident François Hollande forderte ein rasches Eingreifen des UN-Sicherheitsrats. Moskau und Peking müssten ihren bisherigen Widerstand aufgeben und Assad gestoppt werden, sonst drohten "Chaos und Bürgerkrieg", warnte Hollande. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte gemeinsame internationale Anstrengungen, um das Blutvergießen zu beenden.

Auch die russische Regierung warnte vor einer "Tragödie". Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau versuche, die syrische Führung zum Einlenken zu bewegen. Zugleich erklärte er, Moskau werde seine Kontakte zur syrischen Opposition aufrechterhalten und habe keinerlei Absicht, Assad Zuflucht zu gewähren.

ukl/DPA/AFP
 
 
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