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23. April 2010, 07:57 Uhr

Der kleine Nick

Es könnte das Ende des britischen Zwei-Parteien-Systems sein: Nick Clegg, der Premierminister-Kandidat der Liberaldemokraten, punktet auch in der zweiten Fernsehdebatte und liegt in den Umfragen nun gleichauf mit seinen Konkurrenten Gordon Brown und David Cameron. Von Cornelia Fuchs, London

 
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Plötzlich im Zentrum des Interesses: Nick Clegg, Chef der britischen Liberaldemokraten. Seine Konkurrenten Gorden Brown (r.) und David Cameron (l.) sahen im TV erneut recht alt aus© Ken McKay/EPA/DPA

Er trug wieder eine gelbe Krawatte und hatte wieder diese Leichtigkeit an sich, die seinen beiden Gegnern abgeht: Nick Clegg zementierte bei seinem zweiten großen Auftritt vor den britischen Fernsehkameras seine Ambitionen auf einen Platz zwischen den politischen Schwergewichten.

Dabei bietet das britische Wahlsystem eigentlich kaum Platz für eine dritte Kraft neben Regierungspartei und Opposition. Im Parlament sitzen sich diese beiden Fraktionen auf grünen Bänken gegenüber, bereit zu hitzigen Debatten. Der liberaldemokratische Parteiführer Nick Clegg musste sich bislang mit einem Platz auf den Seitenbänken zufrieden geben und wurde nicht selten in der allwöchentlichen Fragestunde sowohl von Premier Gordon Brown als auch von Oppositionsführer David Cameron bei seinen Einwürfen ignoriert.

Nun können sie Clegg nicht mehr links liegen lassen. Nach seinem fulminanten Auftritt in der vergangenen Woche bestätigte sich gestern Abend in der zweiten von drei Fernseh-Debatten, dass Clegg ein Drittel aller Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte und mit seinen Konkurrenten gleichauf liegt.

Von "Calamity Clegg" zum Hoffnungsträger

Außergewöhnlich ist dies vor allem, weil Clegg bisher nicht übermäßige Popularität genoss. Schon vor seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im Dezember 2007 wurde ihm von Gegnern der Spitzname "Calamity Clegg" angehängt, Unglücks-Clegg. In Interviews ließ er sich zu Aussagen verleiten, dass er mit „nicht mehr als 30“ Frauen geschlafen habe. Er gilt als heillos pro-europäisch, was für eine nicht unwichtige Anzahl britischer Wähler mit Hochverrat gleichzusetzen ist. Er war lange Zeit der Parteiführer ohne Profil.

Dabei hat kaum ein britischer Politiker einen so interessanten Hintergrund wie Nick Clegg. Schon seine Familiengeschichte erinnert an einen europäischen Familienroman: Sein Vater hat neben der englischen die russische Staatsbürgerschaft, seine Mutter ist Holländerin und seine Frau Spanierin. Clegg spricht mindestens vier Sprachen fließend, mit Englisch und Holländisch ist er aufgewachsen. Spanisch lernte Clegg, um seine Mitstudentin Miriam Gonzalez Durante besser zu verstehen. Sie heirateten im Jahr 2000.

Im Gegensatz zu seinem Gegner im britischen Wahlkampf, dem konservativen Parteiführer David Cameron, kann Nick Clegg auf einige Erfahrung in interessanten, internationalen Jobs zurückgreifen. Während Cameron außerhalb des Politikbetriebes in Westminster nur für ein paar Jahre als Kommunikations-Stratege bei einer Agentur gearbeitet hat, reiste Clegg in verschiedensten Positionen quer durch die Welt.

Weit gereist und pro-europäisch

Als Journalist in Ausbildung arbeitete er bei der "Financial Times" und bei einer links-liberalen Zeitschrift in New York unter dem Kolumnisten Christopher Hitchens. Dann wechselte er zum europäischen Hilfsprogramm für die ehemalige Sowjetunion, wo er 50 Millionen Euro verwaltete. Er schrieb Reden für den britischen Handelsbeauftragten, gründete Konferenzen in Taschkent und verhandelte die Details für Flugkorridore zwischen Europa und dem Kaukasus und den Einstieg Russlands in die Welthandelsorganisation.

1999 stellte er sich als Europa-Kandidat in den East Midlands im Norden Englands zur Wahl - und wurde der erste Liberaldemokrat seit den 1930er Jahren, der tatsächlich siegte. 2004 entschied er sich dafür, in die britische Politik einzusteigen, und zog 2005 ins Unterhaus ein.

Seitdem war das Bemerkenswerte, wie unbemerkt Clegg in der Öffentlichkeit blieb. Während sich David Cameron als neuer jugendlicher Parteiführer der Konservativen etablierte, wussten noch vor wenigen Wochen über 70 Prozent der Wähler nichts über Clegg zu sagen. Heute steht derselbe Mann für den Wechsel in Westminster, den sich viele Wähler wünschen. Und David Cameron sieht zunehmend alt aus.

Liberale werden nicht länger zu ignorieren sein

Sogar im Rennen der Ehefrauen liegt Clegg vorne - weil seine Frau Miriam erst gar nicht mitmischte in der öffentlichen Huldigung ihres Ehemannes. Frau Clegg arbeitet als erfolgreiche Anwältin und verdient erheblich mehr als ihr Mann, der als Abgeordneter etwas über 60.000 Pfund verdient. Clegg hat mehrfach klar gemacht, dass seine Frau besseres zu tun habe, als ihn auf Wahlkampfveranstaltungen zu begleiten.

Dagegen trat Samantha Cameron, Ehefrau und erfolgreiche Designerin des Leder-Luxus-Ausstatters Smythson, tapfer bei Hilfsorganisationen für Obdachlose auf und hielt die Hand ihres Mannes, als der sein Wahlprogramm vorstellte. Im Gegensatz zu der internationalen Ehe der Cleggs wirkte die altbackene Trutschigkeit der Camerons plötzlich alles andere als modern.

David Cameron bleiben noch zwei Wochen, um den britischen Wählern zu zeigen, dass er der Kandidat für den wahren Politik-Wechsel ist. Doch eines wird er nicht mehr ändern können: Nick Clegg und die Liberaldemokraten werden im nächsten Parlament nicht mehr zu ignorieren sein.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Auswanderer (23.04.2010, 09:50 Uhr)
Klar dass....
....es Nick Clegg leichter hat, seine Partei war so noch nie an der Macht. Es waere eine Katastrophe, wenn die LibDems in England gewinnen wuerden, mit seiner Anit-Amerika Ansichten und das er die Vernichtung der Atomwaffen in England durchziehen will, sieht man, dass dieser Mann ueberhaupt gar nicht mitbekommt was auf dieser Welt los ist. Ebenfalls will er illegalen Einwanderern, die man auf ca. 900.000 in der UK schaetzt, sie als legale Einwanderer umwandeln, das waere eine Katastrophe da man sicherlich damit rechnen wird, dass noch mehr illegale Einwanderer sich auf den Weg in die UK machen. In allem sind seine Worte nur wie Seifenblasen, er kann viel versprechen, aber halten wird er gar nichts davon.
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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