28. Juli 2012, 19:20 Uhr

Rebellen berichten von schwersten Kämpfen seit Kriegsbeginn

Die Großoffensive von Assads Armee gegen die Aufständischen in Aleppo hat begonnen. Die Rebellen leisten heftigen Widerstand. Bei den syrischen Kurden gewinnt die Guerilla der türkischen PKK Einfluss.

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Auf den Straßen von Aleppo: Ein bewaffneter Mann lauert hinter Sandsäcken©

Aleppo unter Feuer: Die seit Tagen erwartete Großoffensive der syrischen Regierungstruppen gegen die Aufständischen in der Millionenmetropole hat begonnen. Unterstützt von Militärjets, Hubschraubern und schwerer Artillerie rückten am Samstag im Morgengrauen Panzer und Soldaten gegen die Stellungen der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA) vor. Die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London berichteten von schweren Kämpfen im südwestlichen Außenbezirk Salaheddin, einer FSA-Hochburg. In den von den Regimetruppen verlassenen Kurdengebieten im Nordosten und Osten Syriens setzt sich indes die in der Türkei aktive Kurden-Guerilla PKK fest.

"Sie setzen alle Arten von Waffen ein, aber unseren Rebellen gelang es, Vorstöße der Regimetruppen gegen Salaheddin und Al-Hamdanija abzuwehren", sagte der FSA-Kommandeur Abu Omar al Halebi am Telefon. Die Aufständischen hätten zehn Panzer der Angreifer zerstört, fügte er hinzu. Am Nachmittag hätten dann Helikopter Luftlandetruppen in Salaheddin abgesetzt. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil die Medien in Syrien nur sehr eingeschränkt arbeiten können.

Aktivisten sprechen von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Revolte in Syrien im März 2011. Die Regimetruppen griffen die FSA-Stellungen in mehreren Bezirken Aleppos an. Das staatliche syrische Fernsehen sprach von einer großangelegten "Operation zur Säuberung Aleppos von bewaffneten terroristischen Gruppen".

Aleppo ist von großer strategischer Bedeutung

Mindestens 91 Menschen starben am Samstag bei Kämpfen in ganz Syrien, viele von ihnen in Aleppo, teilte die Syrische Menschenrechtsbeobachtungsstelle in London mit. Gefechte gab es auch in den Provinzen Homs, Hama, Daraa und Damaskus-Land.

FSA-Kommandos waren vor etwas mehr als einer Woche erstmals in Aleppo eingerückt. Die Millionenstadt und Geschäftsmetropole im Norden Syriens ist nur 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Aufständischen hatten mehrere Stadtbezirke unter ihre Kontrolle gebracht.

Wegen der strategischen Bedeutung der Großstadt liegt dem Regime in Damaskus viel daran, die Rebellen von dort zu vertreiben. In den vergangenen Tagen hatte es Tausende Soldaten aus anderen Landesteilen zusammengezogen und vor Aleppo in Stellung gebracht. Aber auch die FSA verstärkte sich mit zusätzlichen Kämpfern, vor allem aus der Nachbarprovinz Idlib.

Assad lässt Truppen aus Kurdengebieten abziehen

Die Kämpfe in Aleppo strahlen auch auf den benachbarten, ohnehin instabilen Libanon aus. In der nördlichen Küstenstadt Tripoli stießen Anhänger und Gegner des syrischen Regimes zusammen. Bei den Schlägereien, die die ganze Nacht zum Samstag andauerten, wurden nach Polizeiberichten mindestens zwölf Menschen verletzt.

Die in Syrien seit Jahrzehnten unterdrückten Kurden erlangen derweil ungeahnte Freiheiten. Denn unter dem Druck des Aufstands zieht die Führung um Assad Truppen aus dem Kurdengebiet in die Kampfzonen ab. Nach Medienberichten geraten die syrischen Kurden nun teilweise unter den Einfluss der in der benachbarten Türkei aktiven Guerillatruppe der PKK, die von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird.

Verschiedene Kurdenorganisationen hätten sich geeinigt, gemeinsam mit Machthaber Baschar al Assad über einen Kurdenstaat in Nordsyrien zu verhandeln. Darunter sei auch die PKK, berichtete das Magazin "Focus". Im Grenzort Al-Kamischli werde eine "Regionalregierung von Nordsyrien-Kurdistan" eingesetzt, sagte der Präsident der syrisch-kurdischen Nationalversammlung, Scherkoh Abbas, dem Blatt.

In Teilen Nordsyriens hat die PKK nach Angaben der syrischen Partei Kurdische Zukunftsbewegung bereits die Kontrolle übernommen. Er befürchte daher Spannungen im syrisch-türkischen Grenzgebiet, sagte Siamend Hajo, Europasprecher der Zukunftsbewegung, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Kurdische Milizen hätten in einigen Städten die Aufgaben der Sicherheitskräfte übernommen, sagte der in Deutschland lebende Politologe. Die nun in den syrischen Kurdengebieten auftretende PYD-Miliz sei "die syrische Zweigstelle der PKK", sagte er.

jar/DPA
 
 
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