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21. August 2009, 11:50 Uhr

Libyens Heldenfeier erzürnt den Westen

Er hat den Tod von 270 Menschen mitzuverantworten, wird aber in Libyen gefeiert: Der freigelassene Lockerbie-Attentäter Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi wurde in seiner Heimat empfangen wie hierzulande Fußball-Weltmeister - was im Westen gar nicht gut ankommt.

Lockerbie, Al-Maghrahi, Libyen, Gaddafi, Miliband

Wieder zuhause: Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi verlässt den Flieger

Der Empfang für den freigelassenen Lockerbie- Attentäter in seiner Heimat Libyen hat in westlichen Ländern heftige Empörung ausgelöst. Jubelnde Menschenmassen hatten den krebskranken Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi am Donnerstagabend am Flughafen in Tripolis empfangen. Zuvor hatte ihn der schottische Justizminister begnadigt.

"Zu sehen, wie einem Massenmörder in Tripolis ein Helden-Empfang bereitet wird, ist erschütternd", sagte Großbritanniens Außenminister David Miliband am Freitag im BBC-Radio. Schlimm sei es vor allem für die Angehörigen der 270 Opfer des Anschlags vor 21 Jahren und für jeden, "der eine Quäntchen Menschlichkeit in sich trägt". Schottische Abgeordnete kritisierten, dass die schottische Flagge bei der Ankunft des 57-Jährigen geschwenkt wurde. "Ich habe mich niemals für meine Landesflagge geschämt. Aber zu sehen, wie sie dafür missbraucht wird, einen Massenmörder zu feiern, ist abscheulich", sagte der Labour-Abgeordnete Russell Brown. Ein anderer Parlamentarier erklärte, die Szenen aus Tripolis seien "widerwärtig" gewesen.

Al-Megrahi war 2001 für den Anschlag im Dezember 1988 lebenslang verurteilt worden. Bei dem Attentat auf die Maschine über dem schottischen Ort Lockerbie kamen 270 Menschen ums Leben. Al-Megrahi leidet an Prostatakrebs und hat nach Angaben von Ärzten nur noch wenige Monate zu leben.

Obama fordert Hausarrest

Die meisten Opfer des Anschlags waren Amerikaner, entsprechend kam die Freilassung auch in den USA an. Präsident Barack Obama hält die Entscheidung der Schotten für einen Fehler. Das habe man der Regierung in Edinburgh auch klar gemacht. Er forderte "Hausarrest" für Al-Megrahi.

Seine Kabinettskollegen bekräftigen die Meinung ihres Chefs. "Es gibt schlichtweg keine Rechtfertigung dafür, diesen verurteilten Terroristen zu entlassen", erklärte Justizminister Eric Holder. Außenministerin Hillary Clinton sagte, der Attentäter hätte seine Strafe absitzen sollen. Sie sei "zutiefst enttäuscht". Das Mitgefühl gelte nun den Familien der Opfer, "die jeden Tag mit dem Verlust ihrer Lieben leben müssen". Die Äußerung Clintons steht allerdings in Widerspruch zu der Meinung der Opferfamilien selber. Der Präsident der Vereinigung der Opfer der Pan-Am-103 zumindest äußerte Verständnis für die Entlassung. Megrahi stehe kein leichtes Ende bevor, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Der Mann solle zu Hause sterben.

 
 
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