Sind sie Teufelszeug oder ein Segen für die Sicherheit? Sollen die so genannten Körperscanner auch an deutschen Flughäfen aufgestellt werden? Florian Güßgen findet ja, Manuela Pfohl hält dagegen.
Ein Fast-Anschlag auf einen Flieger. Eine Fast-Katastrophe. Und die Reflexe funktionieren. Mit aller Macht versuchen Politiker weltweit, aktiv zu erscheinen, das Unmögliche möglich zu machen, uns absolute Sicherheit zu verschaffen - als Bürger, als Flugpassagiere. Das Ergebnis: Den Al-Kaida-verseuchten Jemen wollen sie jetzt aufräumen, die Geheimdienste, allen voran die CIA, wollen sie an die Kandare nehmen - und in der Flugsicherheit soll jetzt auch alles viel besser gemacht werden, in Deutschland unter anderem mit Körperscannern. Bei aller Skepsis gegenüber dem Aktionismus von Politikern ist es dabei richtig, dass der Nutzen der Scanner nun erneut bewertet wird. Entscheidend ist doch: Die Dinger sind kein Allheilmittel, den Sprengstoff in der Unterhose des Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab hätten sie nicht entdeckt. Aber sie erhöhen die Chance, Waffen bei Flugpassagieren vor dem Abflug zu entdecken. Das allein wäre ja schon ein Fortschritt, wenn man bedenkt, dass Tests der Bundespolizei ergeben haben, dass 30 Prozent der Testpersonen mit Schusswaffen locker die Sicherheitschecks an deutschen Flughäfen überwunden haben. Wenn es bei den Geräten der neueren Generation tatsächlich so ist, dass sie die nackten Körper der Passagiere nicht eins zu eins abbilden, also eine Art Peep-Show liefern, sondern dass nur Körper-Piktogramme zu sehen sind, dann fällt auch das Gegenargument weg, dass hier zu sehr in die Intimsphäre der Passagiere eingegriffen werde. Bewähren sie sich in der Testphase, sollten die Körperscanner also auch an deutschen Flughäfen eingesetzt werden. Schnell. Denn sie bedeuten, obgleich sich die ersten Bilder prächtig als Symbole für eine vermeintliche Totalüberwachung eignen, keineswegs eine neue Qualität der Datensammlung. Sie können aber ein Mehr an Sicherheit bringen. Es wäre dumm, diese Chance nicht zu nutzen. Ebenso dumm wäre es zu glauben, damit wäre es getan. Das Personal an Flughäfen muss besser geschult - und vielleicht auch bezahlt - werden, um die Personenkontrollen zu verbessern. Und: Die Regierungen müssen sicherstellen, dass vorhandene Daten effektiv vernetzt werden. Dabei ist die Wachsamkeit von Datenschützern nötig. Wofür werden welche Daten erhoben und wer darf sie wie vernetzen? Was sollen und dürfen Fluglinien und Regierungen über mich wissen, wenn ich an einem Flughafen ankomme? Wie viel Risiko will ich als Passagier eingehen, um meine Freiheit gegenüber dem Staat zu schützen? Das sind wichtige Fragen, die in Zeiten der Terrorgefahr immer wieder neu gewichtet, austariert, neu beantwortet werden müssen. Die Nacktscanner spielen da keine entscheidende Rolle.