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Mutmaßlicher Gasangriff: USA beschuldigen Syrien, Russland die Rebellen

Bei dem mutmaßlichen Gasangriff am Dienstag in Syrien sollen mindestens 72 Menschen gestorben sein, darunter viele Kinder. Die USA und die Rebellen beschuldigen das syrische Regime. Russland präsentiert eine andere Erklärung.

Unter den Opfern des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien sollen auch viele Kinder sein

Unter den Opfern des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien sind auch viele Kinder

Nach dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben von Aktivisten auf 72 gestiegen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, am Mittwoch mitteilte, waren unter den Toten in der Stadt Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib auch 20 Kinder. Aber wer ist für die Gräueltat verantwortlich?

USA beschuldigen Syrien, Russland hat andere Erklärung

Die und die Rebellen sprechen von einem Gasangriff des syrischen Regimes. Es handle sich um eine "verwerfliche Tat" der Assad-Regierung, sagte am Dienstag in Washington der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem der mutmaßliche Giftgasangriff verurteilt und rasch aufgeklärt werden soll. Die zweiseitige Resolution könnte bei der Sitzung des Rats am Mittwoch in New York zur Abstimmung kommen. Unklar ist, wie in diesem Fall Russland und China abstimmen würden, die erst im Februar eine Resolution zu Syrien mit ihrem Veto blockiert hatten.

Die russische Regierung, ein enger Verbündeter Syriens, präsentierte am Mittwoch eine andere Erklärung: Zwar habe es sich bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun um einen Luftschlag der syrischen Regierung gehandelt. Dabei sei aber kein Giftgas eingesetzt worden. Vielmehr habe der Einsatz eine Chemiewaffenfabrik der Rebellen getroffen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Es sei ein großes Munitionslager der Terroristen und eine Ansammlung militärischer Geräte ins Visier genommen worden. Das gehe aus den Aufnahmen der russischen Luftraumbeobachtungssysteme hervor. Auf dem Gebiet der Lagerstätte hätten sich Werkstätten befunden, in denen Geschosse mit chemischen Kampfstoffen produziert worden seien, hieß es weiter. Aus diesem großen Waffenlager seien Chemiewaffen an Kämpfer in den Irak geliefert worden. Rebellen hätten ähnliche Geschosse bereits in Aleppo eingesetzt.

Laut UN sezten IS und Armee bereits Giftgas ein

Die syrische Armee wies jegliche Verantwortung "kategorisch" zurück. Sie habe niemals Giftgas eingesetzt und werde dies auch künftig nicht tun. Vielmehr seien "terroristische Gruppen" verantwortlich. Nach UN-Untersuchungen haben im Syrien-Konflikt sowohl die Regierung als auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bereits Giftgas eingesetzt. Moskau unterstützt die Assad-Regierung militärisch im Kampf gegen die Aufständischen In Syrien.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.


fin/DPA/AFP

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