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16. März 2008, 14:49 Uhr

Merkel lehnt Olympia-Boykott ab

Die blutigen Auseinandersetzungen in Tibet haben eine erneute Diskussion um einen Boykott der Olympischen Spiele in China ausgelöst. Die Bundesregierung lehnt einen solchen Schritt einhellig ab. Unterdessen stürmten chinesische Polizisten ein Kloster, in dem Tausende Mönche gegen die Tibet-Politik Chinas protestierten.

Chinesische Soldaten patrouillieren auf den Straßen von Lhasa© AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking vor dem Hintergrund der Unruhen in Tibet ab. "Ich halte nichts von einem Olympia-Boykott", sagte Merkel der "Bild"-Zeitung. Merkel habe sich vor ihrem Abflug nach Israel am Sonntag geäußert. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa haben sich die Unruhen trotz des harten Durchgreifens der chinesischen Sicherheitskräfte am Wochenende ausgeweitet.

Während die Polizei mit einem massiven Aufgebot in der tibetischen Hauptstadt Lhasa für Ruhe sorgte, kam es in der benachbarten Provinz Sichuan zu Unruhen. Polizisten stürmten dort ein Kloster, in dem Tausende Mönche gegen die Tibet-Politik Chinas protestierten, wie das tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) mitteilte. Die Regierung in Peking rief einem Zeitungsbericht zufolge einen "Volkskrieg gegen den Separatismus" aus. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, forderte Untersuchungen, ob in Tibet ein "kultureller Völkermord" verübt werde.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte an seinen chinesischen Kollegen Yang Jiechi in einem fast einstündigen Telefonat, größtmögliche Transparenz über die Ereignisse in Tibet herzustellen. Steinmeier habe die große Sorge der Bundesregierung über die jüngsten gewaltsamen Auseinandersetzungen unterstrichen, teilte das Auswärtige Amt mit. Die Bilder der Zerstörung und die zutiefst bedauerlichen Nachrichten über Tote und Verletzte zeigten, dass Gewalt keine Lösung der Probleme sein könne. In dieser Situation müsse alles unternommen werden, um eine Eskalation der Lage zu vermeiden und ein friedliches Ende der Auseinandersetzungen zu ermöglichen.

"Der Boykott würde nichts lösen"

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, lehnte wie Merkel einen Boykott der Olympiade ab. "Ich halte überhaupt nichts von einem Boykott", sagte er dem "Tagesspiegel". Sicherlich könne es Situationen geben, in denen es unmöglich werde, in einem Land Olympische Spiele anzuhalten, sagte Nooke. "Aber genau das müssen wir in China verhindern. Deshalb appellieren wir dringend an die Verantwortung der chinesischen Führung. Es darf keine Spiele geben, die als Jubelkulisse die Sicht auf die permanenten Menschenrechtsverletzungen verdecken."

Zuvor hatten Hollywood-Superstar Richard Gere und Exil-Tibetern zum Boykott der Olympischen Spiele aufgerufen. Sport- Funktionäre sind deshalb fünf Monate vor der Olympischen Eröffnungsfeier in Peking um Deeskalation bemüht. "Der Boykott würde nichts lösen. Im Gegenteil. Er bestraft nur unschuldige Athleten", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. Auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnt vor einer Politisierung des Sports. "Der Sport kann seine Wirkung nur entfalten, wenn die Olympischen Spiele stattfinden", meinte der CDU- Politiker. Heiner Brand sprach als ehemaliges Boykott-Opfer aus eigener Erfahrung. "Ich habe das selbst einmal miterlebt 1980. Das ist das Schlimmste, was einem Athleten passieren kann", erklärte der deutsche Handball-Bundestrainer.

China unbeeindruckt

Die chinesischen Olympia-Macher sehen ihre Spiele von den Ausschreitungen unbeeinflusst. "Wir lehnen jeden Versuch ab, die Spiele zu politisieren", erklärte BOCOG-Sprecher Sun Weide und reagierte damit auch auf erzürnte Kommentare in der Weltpresse. Das vom IOC nicht anerkannte Nationale Olympische Komitee (NOK) Tibets reihte sich in die IOC-Schelte ein.

NOK-Präsident Wango Tethong schrieb in einem Brief an Rogge, das Internationale Olympische Komitee und seine Sponsoren hätten es versäumt, die chinesische Regierung an ihr Versprechen zu erinnern, die Menschenrechtssituation zu verbessern. "Ihr feiges Schweigen hat die Chinesen ermutigt, die Unterdrückung in Tibet fortzusetzen", so Tethong in seinem Schreiben.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
Clibanarius (17.03.2008, 13:12 Uhr)
Warum beschwerst dich...
...dann hier und nicht direkt beim BBC wenn du die Meinung vertritts, daß sie alte Speisen in neue verrührt? Ich beschwer mich auch nicht bei meinem Hausarzt, wenn mal mein Telefon ausfällt. Apropos Beschönigung: Das liest man in deiner ersten Post im ersten Satz nach dem Mittelstrich. Willst du etwa Folter, Kriegsdrohungen gegen Nachbarstaaten, Unterdrückung von Minderheiten willkürliche Verhaftungen, Arbeitslager und Todesstrafe für politische Häftlinge, weitreichende Zensur, massive Ausbeutung von Arbeitskräften etc. in diesem Staat bestreiten? Dann lies bitte mal die Berichte bei Amnesty International. Und willst du hier den vielen Hass angeblich gesehen haben? Und wenn schon: Regimes wie die chinesische, die mit Menschen so umgehen dürfen erst Recht gehasst werden.
LaoLu (17.03.2008, 11:39 Uhr)
Wo habe ich
etwas beschönigt oder –schwichtigt?
Die hasserfüllten Ausfälle in diesem Forum sind Fakt, ja?
Und aktuelle Reportagen mit Filmausschnitten früherer Ereignisse zu verschneiden, das macht ein ordentlicher Journalist nicht. Wenigstens nicht, ohne den Kunden darüber in Kenntnis zu setzen.
Und sowas von der BBC. Das war einmal ein Leuchtfeuer im Dunkel der internationalen Berichterstattung
OskarRumpel (17.03.2008, 10:26 Uhr)
Boykott
Das chinesische Regime zeigt keine Achtung von Menschenrechten, der Umwelt, Minderheiten gegenüber, Tierrechten und ihrer eigenen Bevölkerung. Warum um alles in der Welt ist China der diesjährige Ausrichter der Spiele?! Ein Regime, dass für Unterdrückung steht ist für mich nicht in Einklang mit dem olympischen GEdanken zu bringen --> deshalb werde ich den Teufel tun und mir die Spiele in den Medien angucken! Jeder andere, der nur einen Funken von Moral besitzt, sollte die Spiele boykottieren.
hevosenkuva (17.03.2008, 09:54 Uhr)
@S-achte
Na, aus den "eyewitness accounts" Berichten kann man alles und nichts herauslesen, ein Haufen von etwas wirren Beobachtungen, überlagert von Vermutungen. Auch die Herkunft dieser rein schriftlichen Berichte bleibt im Dunkel, "by a white tourist" ist zumindest für mich eine weniger verlässliche Quelle als so manche andere.
Im stern.de Forum tauchen bei Kritik an chinesischer Politik immer wieder User mit übertrieben positiven Darstellungen auf, die an Propaganda denken lassen. Was soll man davon halten?
wallerer (17.03.2008, 09:17 Uhr)
Demokratie oder nich Demokratie,
das ist hier nicht die Frage.
Ich kann mir einfach keine Olympischen Spiele in einem Land vorstellen, das einen Teil gefesselt und geknebelt hält. Wie passt denn das zum olympischen Gedanken ?
Oh - ich vergaß: Der wurde ja schon vor langer Zeit verkauft......
Clibanarius (17.03.2008, 08:14 Uhr)
Mich irritiert...
...viel mehr die Beschönigungs- und Beschwichtigungsversuche eines bestimmten Users. Beschwichtigen, vernebeln, beschönigen und Schuld sind immer die anderen/das Ausland, alles einige der Merkmale totalitärer 99%-Regimes. Die "terroristische Veranstalltung" 1989 auf dem Tienanmen-Platz war wohl auch eine Verschwörung, eine Anzettelung, eine Übertreibung, eine Erfindung der BBC, CNN und der anderen Langnasen-Propaganda und den schwachen Langnasen-Regierungen. Gel, LaoLu?
endbenutzer (17.03.2008, 07:34 Uhr)
"Ein Boykott...
...würde nichts lösen."
.
. Mag vielleicht sein, aber ein Zeichen könnte man damit setzen. Ich hoffe, dass zumindest deutsche Sportler sich zu einem Verzicht entscheiden.
LaoLu (17.03.2008, 01:31 Uhr)
Hass
mich irritiert immer wieder der Hass, mit dem viele Kommentatoren hier in ihre Tastatur hauen – übelste Folterer, rotchinesisches Dreckspack, die Bezeichnung "Regime" ist fast schon freundlich.
Und das alles nur vom Hörensagen, man hat ja die Berichterstattung in Fernsehen und im Internet verfolgt. Und eventuell beim Bäcker noch eine Zeitung (???) gekauft.
Zum Thema Berichterstattung hätte ich dann gleich noch einen:
BBC zeigt heute morgen Bilder vom Vorgehen der chinesischen Polizei in Tibet.
Es werden kleine Ladengeschäfte (die mit den Rolläden, die in den letzten Nächten von den friedlichen Demonstranten aufgebrochen worden waren) durchsucht, Personen, die sich dort aufhalten, werden abgeführt.
Zwischen diese Bilder mischt BBC Filmsequenzen von brennenden Häusern und Autos, die bereits vorgestern zu sehen waren.
Und das nenne ich Journaille.
gmathol (17.03.2008, 00:18 Uhr)
China mit Nazi-Deutschland 1939 zu vergleichen...
...ist schon ziemlich gewagt! Es gibt in diesem Riesen Reich viele ethnische Gruppen und da kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen.
So nebenbei wird das ehemals feudalistische religioese Tibet mit verklaertem Blick gesehen, da gab es Leibeigene und Folter.
Die Mehrheit der tibetischen Bevoelkerung hat die Rote Armee als Befreier begruesst.
Wie schon ein Vorgaenger schrieb:
Iraq, Afghanistan, Gaza wo bleibt der Aufschrei?
Wo bleibt die Kritik an der Gefaengnisnation Nummer 1 - die USA?
China sollte pragmatische Loesungen zu Tibet finden! Einen Abzug Chinas aus Tibet wird es nicht geben.
S-achte (16.03.2008, 23:30 Uhr)
Na ja,
da steh ich bzgl. China immer noch zu meiner Aussage davor. China hat so viele verschiedene Volksgruppen mit so vielen verschiedenen Interessen, daß ich nicht glaube, daß das dort das richtige System ist.
Hier mag das anders sein, aber demokratisch im absoluten Sinn sind wir hier noch lange nicht. Und ich sehe auch nicht, daß wir das jemals werden. Wer von den Pfründenempfängern sähe es auch gerne, wenn es ein effektives System gäbe, die Pfosten abzuwählen. Das aber gehört zu einer Demokratie dazu.
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