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16. April 2009, 21:03 Uhr

Ausgerutscht auf der eigenen Schmieren-Kampagne

Die üblen E-Mails, die den Vertrauten des britischen Premierministers das Amt kosteten, verschickte er direkt aus den Regierungsbüros. Der Zweck: Vor der Parlamentswahl eine Schmieren-Kampagne gegen die Opposition zu starten. Nun fragen selbst die eigenen Leute: Was wusste Gordon Brown? Von Cornelia Fuchs, London

Gordon Brown, Labour, Kampagne, Wahlkampf

McBride (l.) und Premier Brown: Dem Oppositionsführer "beschämende Krankheiten" andichten© Toby Melville/Reuters

In Großbritannien wird wieder großes Politik-Theater gespielt, und es geht dabei um unter falschem Namen angemeldete Webseiten, die zu Rufmord-Kampagnen der Opposition genutzt werden sollten; um Berater rund um Gordon Brown, die anscheinend vor nichts mehr zurückschrecken, und um das Gefühl, dass Labour angesichts sinkender Umfragewerte langsam die Nerven verliert.

Seit Monaten liegen die oppositionellen Tories mindestens zehn Prozentpunkte vor der Regierungspartei. Zwar stieg Gordon Browns Popularität nach dem G20-Gipfel, doch das Vertrauen, das die britischen Wähler in seine Wirtschaftspolitik haben, schlägt sich nicht auf die Umfragewerte nieder. Spätestens im Frühjahr 2009 muss der britische Premier wählen lassen - und die Konservativen könnten dabei eine Mehrheit von mehr als 80 Sitzen erlangen, wenn sich der Trend nicht bald umkehrt. Britische Kommentatoren sprechen von Panik in den Rängen der Labour-Abgeordneten, von denen viele ihren Sitz im Parlament verlieren könnten.

Üble E-Mails aus der Downing Street

Vor einigen Tagen veröffentlichte ein für seine Attacken auf die Labour-Regierung bekannter Blogger die ersten Hinweise auf die E-Mails, abgesendet von Computern in der Downing Street, die Pläne enthielten, Oppositionspolitiker mit einer gezielten Rufmord-Kampagne vor aller Welt lächerlich zu machen. Sofort druckten dann mehrere Zeitungen, was sich da der politische Berater des Premiers, Damian McBride, alles ausgedacht hatte. McBride ist als treuer Begleiter von Gordon Brown bekannt. Schon in der eigenen Partei ist er dem direkten politischen Konflikt selten aus dem Weg gegangen. Angeblich soll er die Ministerin Ruth Kelly eigenhändig ihres Amtes enthoben haben - indem er einer Gruppe Journalisten bei einem nächtlichen Treffen während der Parteikonferenz im vergangenen Jahr einfach mitteilte, sie wolle sich mehr ihrer Familie widmen. Kelly wusste zu dem Zeitpunkt von ihrer eigenen Entscheidung angeblich nichts.

In den E-Mails, die nun aufgetaucht sind, schildert McBride in genüsslicher Ausführlichkeit verschiedene Szenarien: Wie sie dem Oppositionsführer David Cameron "beschämende Krankheiten" andichten könnten oder dem designierten Finanzminister der Konservativen, George Osborne, Bilder mit Prostituierten. Dessen Frau sei im Übrigen "emotional instabil", seitdem ihr Mann ausschweifende Partys auf der Yacht eines russischen Milliardärs gefeiert habe und dafür in Großbritannien böse in die Kritik geriet.

Die Strategie hinter diesen Ideen war ziemlich simpel: Sie sollten im Internet auf einer Webseite mit dem Namen RedRag veröffentlicht werden, und eine Antwort sein auf eine Reihe bösartiger Blogs aus der libertären und konservativen Ecke, die seit Monaten immer wieder unangenehme Dinge über die Regierung ans Licht befördern.

Die Reaktion von Gordon Brown nach dem Bekanntwerden der Mails war klar und deutlich: Unmittelbar nach der Veröffentlichung musste McBride gehen, ohne Ausgleichszahlungen, wie es hieß. Gordon Brown habe von den Vorgängen in seinem Büro nichts gewusst, sagte sein Sprecher. Persönlich schrieb Brown Briefe mit einem dicken Filzstift an die Opfer der Schmutzkampagne. Er verstehe die Unannehmlichkeiten, die diese E-Mails den Betroffenen bereitet haben, hieß es da. Und eine solche Tat, die den Ruf der Politik in diesem Maße schädige, bedaure er sehr.

Wo bleibt die Entschuldigung?

Die Empfänger kritisierten die Briefe für ihren gestelzten Ton und die fehlende Entschuldigung. Browns Sprecher sagte, der Premier könne sich nicht für eine Sache entschuldigen, von der er nichts gewusst und mit der er nichts zu tun habe. Nun könnte die ganze Affäre genau so schnell wieder abebben, wie sie hochgekommen ist. Doch kaum jemand glaubt wirklich, dass Gordon Brown so gar nichts gewusst hat von den Vorgängen in seinen Hinterzimmern.

Seit Jahren halten sich die Gerüchte, dass Brown in den Jahren des Machtkampfes mit Tony Blair selber zu ziemlich fragwürdigen Methoden gegriffen hat, um politische Gegner auszuschalten. Und die melden sich nun zu Wort. Brown wird also beileibe nicht nur von der Opposition angegriffen, die natürlich verkündet, dass diese Affäre ein deutliches Zeichen für einen notwendigen Regierungswechsel sei.

Blair-Anhänger die härtesten Kritiker

Seine härtesten Kritiker kommen aus den Reihen der zwischenzeitlich ruhig gestellten Blair-Anhänger. Die erinnern sich plötzlich, wie sie ziemlich unrühmlich kalt gestellt wurden - und bei nicht wenigen war, wie bei Ruth Kelly, Damian McBride im Spiel.

Labour hatte eigentlich gedacht, dass der Machtkampf innerhalb der Partei ausgestanden sei. Mehr als ein Jahrzehnt bestimmten die Grabenkämpfe zwischen Blair und Brown die Labour-Partei. Angesichts der Wirtschaftskrise holte Brown jedoch einen der ärgsten ehemaligen Feinde und Blair-Freunde in sein Kabinett - Peter Mandelson gilt seitdem als Garant für die Kontinuität von New Labour. Doch drei E-Mails aus einem Hinterzimmer in der Downing Street haben die alten Animositäten wieder aufblitzen lassen. Gordon Brown wird bis zur Rückkehr der Parlamentarier aus den Osterferien damit zu tun haben, seine Partei zu beruhigen und wieder hinter sich zu versammeln.

Cornelia Fuchs

Cornelia Fuchs London ist der Nabel der Welt und Europa immer noch "der Kontinent". stern-Korrespondentin Cornelia Fuchs beschreibt in ihrer wöchentlichen stern.de-Kolumne das Leben zwischen Canary Wharf und Buckingham Palace, zwischen Downing Street und Notting Hill.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Fusches (17.04.2009, 09:11 Uhr)
Sore loser!!
Selten hatte ein PM in GB so wenig Unterstuetzung beim Volk, und eigenen Leuten?!, wie Brown. Die Leute koennen es kaum erwarten bis Wahlen sind, seine Amtzeit war wie ein weisser Fleck auf der Karte.Er hat einen Bock nach dem anderen geschossen, gebracht hat er fuers Volk nichts, (und andere dafuer bluten lassen)und aussenpolitisch wird er eh nur mitleidig wahrgenommen.
Gruss aus Schottland
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