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26. Juli 2010, 12:21 Uhr

Das Desaster in Afghanistan

Nie zuvor ist der Doku-Website Wikileaks ein solcher Coup gelungen: Fast 92.000 bislang geheime Dokumente zum Afghanistan-Einsatz wurden veröffentlicht. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte.

Afghanistan, Wikileaks, Bundeswehr, USA, Taliban, Soldaten

Einsatz in der Provinz Helmand: Helikopter werden von den Taliban teilweise mit Luftabwehrraketen abgeschossen© Sean Clee/Royal Navy/Epa

Wäre es in dem Zusammenhang nicht etwas heikel, könnte man über die neusten Enthüllungen der Website Wikileaks mit Fug und Recht behaupten, sie hätten eingeschlagen wie eine Bombe. Noch nie zuvor haben Veröffentlichungen der Dokumenten-Plattform für so viel Furore gesorgt - und für Empörung in Washington, das die nationale Sicherheit und das Leben von Amerikanern durch die Veröffentlichung bedroht sieht.

Informationen aus fast 92.000 vertraulichen Berichten aus Afghanistan zwischen Januar 2004 und Dezember 2009 wurden von "Spiegel", "Guardian" und "New York Times" analysiert. Es sind größtenteils Schilderungen der Truppen aus dem Feld. Sie zeichnen ein düsteres Bild der Lage und des Einsatzes am Hindukusch. Wir geben einen Überblick über die brisantesten Enthüllungen.

Pakistans Geheimdienst unterstützt die Taliban

In den Dokumenten wird unter anderem deutlich, dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban in Afghanistan unterstützt. Eine direkte Verbindung zum Terrornetzwerk al Kaida konnte dabei nicht nachgewiesen werden. Aber vor allem in Berichten aus den Jahren 2004 bis 2007 wird deutlich, dass der ISI den Taliban half und Kämpfern in Pakistan Unterschlupf gewährt hat. Die pakistanische Regierung wies die Vorwürfe zurück. Pakistan, Afghanistan und die USA seien strategische Partner im Kampf gegen Taliban und al Kaida, sagte der Botschafter in Washington. Daher würden auch Militär und Geheimdienst die Regierungspolitik "effektiv umsetzen".

Die Lage für die Bundeswehr ist bedrohlicher denn je

Im Einsatzgebiet der deutschen Truppen im Norden Afghanistan hat die Zahl der Kampfhandlungen ebenso stark zugenommen wie die Zahl der Anschläge. Der Einsatz von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte hilft laut der Berichte dabei nur bedingt. Auch lässt sich aus den Unterlagen schließen, dass deutsche Truppen unvorbereitet in den Krieg gezogen sind. In den Dokumenten finden sich wenigstens keine Hinweise auf weitere, bislang nicht bekannte Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung.

Eine US-Eliteeinheit richtet verheerende Schäden an

Eine US-Eliteeinheit namens Task Force 373 in Afghanistan macht gezielt Jagd auf mutmaßliche Taliban und andere Aufständische. "Oft wird den Jägern überlassen, ob sie die Zielpersonen festsetzen oder töten", schreibt der "Spiegel" auf seiner Website. Dabei kommt es immer wieder zu verheerenden Irrtümern: So geht aus einem Bericht vom 17. Juni 2007 hervor, dass bei einem Raketenangriff auf eine Koranschule anstelle eines gesuchten Al-Kaida-Funktionärs sieben Kinder getötet worden seien. Laut "Guardian" finden sich in den Militärprotokollen zahlreiche weitere Berichte über die versehentliche Tötung von Zivilisten durch ausländische Truppen. Viele dieser Fälle seien bislang geheimgehalten worden.

Taliban sind mächtig - Afghanische Sicherheitskräfte schwach

Es gibt in den Unterlagen Hinweise darauf, dass die Taliban mit modernsten Waffen ausgerüstet sind und unter anderem Luftabwehrraketen gegen Hubschrauber der internationalen Truppen einsetzen. Das sei bislang von der Nato und US-Armee nicht offiziell bestätigt worden, schreibt die "New York Times". Die afghanischen Sicherheitskräfte werden in den Unterlagen darin "als hilflose Opfer" der Taliban beschrieben.

ben/DPA
 
 
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