Startseite

In diesem Interview wird Frauke Petry ordentlich auseinandergenommen

Wie rechts ist die AfD? Und ist Deutschland wirklich so in Gefahr, wie die Rechtspopulisten immer behaupten? In einem Interview mit der Deutschen Welle wird Frauke Petry eine halbe Stunde gegrillt - und sie macht keine gute Figur.

AfD-Vorsitzende Frauke Petry im Interview mit Tim Sebastian

AfD-Vorsitzende Frauke Petry im Interview mit Tim Sebastian

Das Hin und Her zwischen AfD-Chefin Frauke Petry und ZDF-Moderatorin Dunja Hayali sorgte tagelang für Schlagzeilen. Der Grund: Nach den immensen Wahlerfolgen der rechtspopulistischen Partei bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt war Petry zwei Tage hintereinander nicht zu einem Interview im Morgenmagazin erschienen, das vorher mit der Redaktion vereinbart worden war. Petrys offensichtliche Angst vor Hayalis kritischen Fragen sorgte für Spott und Häme unter AfD-Gegnern. Knapp eine Woche später dürften die sich bestätigt fühlen: In einem Interview mit der internationalen Ausgabe der "Deutsche Welle" wurde Petry vom preisgekrönten britischen Moderator Tim Sebastian in 30 Minuten nach Strich und Faden auseinandergenommen.

Petry spricht fließend Englisch

Geführt wurde das halbstündige Interview im Rahmen der politischen Diskussionssendung "Conflict Zone", die einmal pro Woche ausgestrahlt wird. Sebastian reiste dafür nach Leipzig, um mit Frauke Petry über die Ziele der AfD, die Flüchtlingskrise in Deutschland und die Pegida-Bewegung zu sprechen - und das alles auf Englisch. An dieser Stelle muss man Petry zunächst einmal zugutehalten, dass sie gut Englisch spricht, vermutlich sogar besser als mancher Außenminister zu seinem Amtsantritt.

Auf inhaltlicher Ebene sieht Petry aber keinen Stich gegen den hartnäckigen Befrager Sebastian. Der fragt etwa: "Sie haben den Ruf, diejenige deutsche Vorsitzende zu sein, die die Möglichkeit aufgebracht hat, an der Grenze auf Flüchtlinge schießen zu lassen - quasi als letztes Mittel. Sind Sie stolz darauf?" Petry wiegelt ab, erklärt, dass ein Einsatz von Waffen nicht gleich einem Einsatz von Waffen gegen Menschen gleichkomme. Doch Sebastian hakt nach: "Sie haben aber nicht gesagt: 'Schießen Sie in die Luft', oder?".

Immer wieder wird während des Interviews deutlich, dass Petry keine direkten Antworten geben will und inhaltsleer herumschwafelt. Doch Sebastian entlarvt den Eiertanz und stößt ihr vor den Kopf: "You don't want to give straight answers ("Sie wollen keine klaren Antworten geben."). Petry sagt: "Doch, aber…", und Sebastian setzt nach: "Nein, ich habe ihnen doch die Gelegenheit dazu gegeben."

"Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen will"

Die zwei merkwürdigsten Dialoge des Interviews transkribieren wir an dieser Stelle in voller Länge:

Petry: "Sind Sie überhaupt an unseren Standpunkten interessiert?"

Sebastian: "Oja, das bin ich."

Petry: "Offenbar nicht. Sie präsentieren mir die ganze Zeit nur Zitate von Menschen, die unsere Partei offenbar nicht ausstehen können. Sie sollten mich stattdessen fragen, wie wir die deutsche und europäische Politik verändern wollen. Sollten Sie doch, oder?"

Sebastian: "Sie dürfen die Fragen beantworten. Aber ich werde die Fragen stellen, die ich stellen will."

Petry: "Ja, aber …"

Sebastian: "Denn das macht eine freie Presse."

Petry druckst herum

Sebastian: "Außer Sie wollen mir ein Skript geben."

Später konfrontiert Sebastian Petry mit der Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland: "Ist Ihre Kultur so schwach und empfindlich, dass sie durch ankommende Menschen zerstört werden wird, nur weil sie eine andere Kultur haben oder sich anders kleiden?"

Petry pocht darauf, dass sich viele Menschen bedroht fühlen und ein Land selbst entscheiden soll, welche Migration akzeptiert wird - und welche nicht. "Aber Länder sind Schmelztiegel heutzutage", entgegnet Sebastian. Kulturen würden miteinander verschmelzen. "Warum spalten Sie?" Petry antwortet: "Die Spaltung ist doch längst da. Kinder können in Schulen etwa keinen Schwimmunterricht mehr zusammen machen."

"Das ist Unterdrückung? Interessant"

Dann fragt Sebastian: "Ist Ihr Land wirklich so bedroht, so in Gefahr?"

Petry: "Als freies Land können wir nicht ohne Grenzen leben."

Sebastian: "Ich habe nicht gesagt, dass man ohne Grenzen leben muss."

Petry: "Die Entscheidung, wer einwandern darf und wer nicht, ist am Ende eine Frage von Grenzen, ob man sie sieht oder nicht. Wenn ich nach Frankreich fahre, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie da ist und akzeptiere sie - sei es in Form von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder in Form von Gesetzen."

Sebastian: "Wir sprechen nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen, wir sprechen darüber, eine Kultur zu unterdrücken, um die andere zu stärken, oder nicht?"

Petry: "Nein, das tun wir nicht. Außer Sie sagen, dass wir jemanden unterdrücken."

Sebastian: "Sie wollen doch keine Minarette oder dass die Leute Burkas tragen."

Petry sarkastisch: "Ach, das ist Unterdrückung? Interessant." […}

Sebastian: "Kein Minarett zu haben oder sich nicht kleiden zu dürfen, wie man will, ist das keine Unterdrückung? Denken Sie, das ist normal?"

Petry: "Finden Sie, dass Burkas und Schleier in der deutschen Öffentlichkeit getragen werden sollten?"

Sebastian: "Warum sollten Sie das nicht? Sagen Sie mir das."

Petry: "Warum sollten Sie?"

Sebastian: "Warum sollten Sie das nicht?"

Petry:" Ich glaube, Sie sollten das nicht."

Am Ende zieht Petry die übliche Opfer-Nummer ab. Sie beschwert sich, dass in Interviews immer nur Kleinigkeiten herausgepickt werden. Sebastian fragt: "Sie fühlen sich hart angegangen, oder?" Petry: "Nein, das ist okay. Aber es hilft nicht, ein neutrales Bild meiner Partei zu zeichnen. Außer das ist ihr Ziel." Sebastian kontert locker: "Oh, Sie haben sogar eine sehr gute Beschreibung von dem abgegeben, was Ihre Partei ist."

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools