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Auch AfD Rheinland-Pfalz hatte Kontakt zu Rechtsextremisten

Die AfD und der rechte Rand: In Rheinland-Pfalz schaffte es die Rechtsextremistin Ulrike Reinhardt bis ins Haus eines Landesvorstands. Ihre Leute verteilten vor der Landtagswahl für die AfD eifrig Flugblätter.

Die AfD in Rheinland-Pfalz

Die AfD in Rheinland-Pfalz: Attila Sonal aus dem Landesvorstand hatte Kontakt zur Rechtsextremistin Ulrike Reinhardt

Vor einigen Wochen enthüllte der stern Kontakte der Saar-AfD zu Rechtsextremisten. Nun zeigt sich, dass Aktivisten der rechten Szene auch mit der AfD Rheinland-Pfalz in Kontakt standen.

Die Rechtsextremistin Ulrike Reinhardt aus Kaiserslautern schrieb sich nach eigenen Angaben nicht nur E-Mails mit dem inzwischen entmachteten Chef der Saarland-AfD, Josef Dörr, und WhatsApp-Nachrichten mit Dörrs damaligem Stellvertreter Lutz Hecker. Ulrike Reinhardt, nach eigener Aussage "Anführerin" der Organisation "Pfälzer Spaziergänge", kam auch regelmäßig mit Attila Sonal zusammen. Sonal sitzt im Landesvorstand der AfD Rheinland-Pfalz.

Organisationshilfe vom Neonazi

Ulrike Reinhardt sagte dem stern: "Ich war auf jedem Stammtisch von Herrn Sonal und auch schon bei ihm zuhause. Ich habe viele Flugblätter verteilt. Für meine Arbeit wurde ich belobigt." Attila Sonal sagte dem stern: "Frau Reinhardt war auf unseren Dialog-Veranstaltungen. Ob das auch in Zukunft so ist, weiß ich nicht."

Ulrike Reinhardt organisiert die "Pfälzer Spaziergänge" seit Monaten. Die Organisation wird nach Angaben des Verfassungsschutzes von der NPD gesteuert. Über Reinhardts Bekanntschaft zu dem Neonazi Sascha Wagner ("Herr Wagner ist mir ein angenehmer Mensch und Patriot") hatte der stern Anfang März berichtet. Wagner, ehemaliger Landesgeschäftsführer der NPD in Rheinland-Pfalz, war einst Hooligan und organisierte Konzerte von Nazi-Sängern. Von Wagner, sagte Reinhardt dem stern, habe sie "Tipps für die Organisation" von Demonstrationen bekommen. "Heute stehe ich mit meinen Demos auf eigenen Beinen."

AfD-Flugblätter kurz vor dem Wahltag

Am vergangenen Mittwoch hatte der "Saarländische Rundfunk" berichtet, ein Aktivist von Ulrike Reinhardts "Pfälzer Spaziergängern" habe auf Facebook ein Bild gepostet, das ihn und andere beim Verteilen von AfD-Flugblättern zeigt. Von Seiten der Rheinland-Pfalz-AfD wurde dann darauf verwiesen, man habe von rechten Wahlkampfhelfern nichts gewusst. Bei der Auswahl der Wahlkampfhelfer sei man von der Saar-AfD unterstützt worden.

stern-Recherchen zeigen, dass die Aktivisten der "Pfälzer-Spaziergänger" ihren Auftrag zur Wahlkampfhilfe nicht aus dem Saarland, sondern vom Kreisverband Kaiserslautern bekamen – über einen Umweg. Zunächst ging der Job nämlich an Andreas Burkhardt aus Pirmasens.

Andreas Burkhardt macht aus seiner Gesinnung ebenfalls kein Geheimnis: Er sitzt für die Republikaner im Stadtrat und bildet eine Fraktion mit dem örtlichen NPD-Abgeordneten. "Es ging bei den Flugblättern um den südlichen Teil Kaiserslauterns und um einige Verbandsgemeinden, also um den Wahlkreis von Herrn Sonal", sagte Andreas Burkhardt dem stern.

"Ein stolzer Mensch unterwirft sich nicht!"

Burkhardt, der Mann aus der Republikaner/NPD-Fraktion, spricht von "zehntausenden Flugblättern". Er heuerte dafür kurzerhand Leute an, die er kannte. Unter ihnen war Andreas Weitlauff, Ulrike Reinhardts Stellvertreter bei der Organisation "Pfälzer Spaziergänger". Weitlauff präsentiert auf seiner Facebook-Seite ein Video, auf dem ein homosexuelles Paar verprügelt wird. Er teilt NPD-Veröffentlichungen und postete ein Plakat, auf dem in Frakturschrift steht: "Ein stolzer Mensch unterwirft sich nicht! Er wehrt sich!!!" Weitlauff unterhält auch Verbindungen zum "Nationalen Widerstand Zweibrücken".

Ulrike Reinhardt sagte dem stern zu Andreas Weitlauff: "Es gibt für mich keinen Grund, dass er nicht mein Stellvertreter ist. Er hat mir gegenüber nie gesagt, dass er in die NPD eingetreten ist oder Gewalt als erste Lösung sieht."

Sich selbst bezeichnete Ulrike Reinhard mehrfach als "nicht rechtsextrem". Sie sei Christin und Mitglied einer Freikirche. Auf den Neonazi Sascha Wagner angesprochen, sagte sie: "Der ist linker, als Sie glauben."

Mit einer Truppe Mitstreiter verteilte Andreas Weitlauff vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz Flugblattpacken um Flugblattpacken im Wahlkreis des AfD-Landesvorstandes Attila Sonal. "Das war mal ein toller Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde", kommentierte Weitlauff später ein entsprechendes Foto auf Facebook.

"Herr Sonal hatte einfach Probleme, Leute für die Plakate und die Flyer zu motivieren", sagte Ulrike Reinhardt. Der Republikaner-Abgeordnete Andreas Burkhardt, den die AfD engagierte, sagte: "Herr Weitlauff hatte die Zeit und die Möglichkeiten."


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