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23. April 2010, 07:52 Uhr

Mit Sponsoring zum Gewinn

Die Sponsoring-Praxis der CDU in NRW hat sich offenbar gelohnt. Nach stern.de-Informationen machte die Partei bei einem Kongress sogar Gewinn. Experten halten das für ungewöhnlich. Von Hans-Martin Tillack

Zukunftskongress, NRW, CDU, Sponsoring, Gewinn, Parteikongress, Sponsoren, Mobilfunkbetreiber, T-Mobile, Rüttgers, Landtagswahlen

Jürgen Rüttgers auf dem "Zukunftskongress" seiner Partei im März dieses Jahres. Vor vier Jahren erzielte diese Veranstaltung dank Sponsorings Gewinn© Jens Schlueter/DDP

Die nordrhein-westfälische CDU hat im Jahr 2006 dank Sponsorengeldern erstaunlich hohe Einnahmen aus einem Parteikongress erzielt. Nach internen Abrechnungsunterlagen, die stern.de vorliegen, erhielt die Partei aus ihrem so genannten Zukunftskongress am 3.März 2006 in Bonn Einnahmen von 167.379 Euro, zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Kosten der Veranstaltung, auf der auch der Ministerpräsident und CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers auftrat, betrugen dagegen netto nur 125.634 Euro. Das ergibt sich aus Abrechnungen, die die Sponsoringagentur Bi:Vent am 30.Mai 2006 an den CDU-Landesverband übermittelte.

Die Düsseldorfer CDU-Zentrale bestätigte stern.de, dass 2006 wie auch 2008 die Einnahmen des Zukunftskongresses die Ausgaben überstiegen und zwar dank "der Vermietung von Ausstellungsflächen". In allen anderen Jahren seit 2004 hätten die Kosten des Kongresses aber über den Einnahmen gelegen.

Diese Art Sponsoring gehöre "verboten"

Zu den Sponsoren des Kongresses gehörten im Jahr 2006 neben den privaten Konzernen Bayer, Metro, Microsoft, Siemens und SAP auch öffentlich kontrollierte Firmen und Organisationen, wie die AOK, die Deutsche Post und T-Mobile. Unternehmen, die zu mehr als 25 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand sind, dürfen keine Parteispenden leisten. Aufgrund einer Lücke im Parteiengesetz sind ihnen Sponsoringzahlungen aber erlaubt. Eigentlich wäre dies "zu verbieten", forderte bereits vor geraumer Zeit Christian Humborg, der Geschäftsführer von Transparency International Deutschland.

Die CDU hatte bereits in der Vergangenheit eingeräumt, dass der damalige T-Mobile-Chef René Obermann anlässlich des Zukunftskongresses auch Gelegenheit zu einem Gespräch mit Jürgen Rüttgers erhielt. Wegen Sponsoringpaketen, bei denen zahlenden Unterstützern Gesprächstermine mit dem Ministerpräsidenten angeboten wurden, war die nordrhein-westfälische CDU massiv in die Kritik geraten. Rüttgers lässt jedoch bestreiten, von solchen Koppelgeschäften gewusst zu haben. Sein Gespräch mit Obermann beim Zukunftskongress 2006 habe nur "den Ablauf der Veranstaltung" betroffen, aber "keinerlei politische oder unternehmenspolitische Themen", sagte CDU-Landessprecher Matthias Heidmeier zu stern.de.

Der Ministerpräsident dankte der Eventagentur "herzlich"

Auf dem Kongress hatte der damalige CDU-Landesgeschäftsführer Hans-Joachim Reck die Sponsorennamen in seiner Rede ausdrücklich erwähnt. Auch Rüttgers dankte ausweislich der Website von Bi:Vent in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident der Eventagentur "herzlich" für die "professionelle Planung und Durchführung des Zukunftskongresses: "In Gesprächen mit Referenten, Sponsoren und Teilnehmern bekam ich eine durchweg positive Resonanz", schrieb der Christdemokrat. Er freute sich ebenso "über die hervorragende mediale Berichterstattung".

Dass es einer Partei gelingt, eine große medienwirksame Zusammenkunft mit Gewinn zu organisieren, gilt als ungewöhnlich. "Ich finde es überraschend, dass ein Kongress mehr Einnahmen bringt als Ausgaben", sagte der Düsseldorfer Parteienrechtler Martin Morlok zu stern.de. Bei der SPD kennt man nach Auskunft eines Sprechers "vergleichbare Überschüsse" nicht.

Grüne sind verwundert

"Ich kenne keinen Fall bei uns, bei dem die Einnahmen zu Veranstaltungen, die von Sponsoren unterstützt wurden, auch nur in die Nähe der Ausgaben gekommen sind", sagte Grünen-Schatzmeister Dietmar Strehl zu stern.de. Insofern sei das "ungewöhnlich". Strehl fragt sich, ob bei der NRW-CDU "die Sponsorzahlungen mit Marktpreisen vergleichbar und entsprechend angemessen waren".

Die Deutsche Telekom bestätigte gegenüber stern.de, dass man beim Zukunftskongress der CDU Nordrhein-Westfalen "im Jahr 2006 und in den Folgejahren mit einem werblichen Auftritt präsent" war. "Die Mieten für unsere Stände, die der Präsentation von Produkten und Dienstleistungen dienen, orientieren sich an den messeüblichen Standards", erklärte das Unternehmen.

Auch die NRW-CDU versichert, dass es sich bei den Einnahmen um keine Parteispenden handelte und "sämtliche Standmieten" von der Bundestagsverwaltung "überprüft und als adäquat eingeordnet worden" seien.

Parteispenden lagen bei 2,1 Millionen Euro

Nach dem Rechenschaftsbericht der Parteien für 2006 erzielte die nordrhein-westfälische CDU damals knapp 2,9 Millionen "aus Veranstaltungen, Vertrieb von Druckschriften und Veröffentlichungen und sonstiger mit Einnahmen verbundener Tätigkeit". Dazu zählen auch Sponsorengelder. Parteispenden verbuchte die Rüttgers-Union nur in Höhe von etwa 2,1 Millionen Euro.

Die FDP, die ähnlich wie die Union von Parteispendern regelmäßig gut bedacht wird, erzielte 2006 in dem selben Bundesland gut 900.000 Euro aus Spenden, aber nur etwas mehr als 350.000 Euro aus Sponsoring und anderen Einnahmen vergleichbarer Qualität.

Von Hans-Martin Tillack
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
Terrypol (24.04.2010, 11:58 Uhr)
die CDU, auweia!
Wer die CDU und die f d p in NRW am 9.5. wählt, hat selbst SCHULD, wenn
die Betuchten und Großkapilalisten wieder die Macht haben.
Der selbsternannte Arbeiterführer ist schon ziemlich ruhig geworden und der sich von den Medien den Schneid nicht abkaufen lassen will, Namens w e s t e r w e l l e, zieht kleinlaut und dösig durch unsere schöne Bundesrepublik.
Das wäre doch ein Mann für Werbung, dann könnte er alles anbringen, was er so gelernt hat und viel Geld verdienen;
in der Politik hat er jedenfalls total versagt!
Die neuesten Umfragen in NRW und BRD besagen dieses doch deutlich, oder?
cobdet (24.04.2010, 11:46 Uhr)
@tannebaum
Man ist ja schon versucht sie mit "Oh Tannenbaum" anzusprechen. Zu Ihrer Information: Die ständige Wiederholung von Unwahrheiten machen diese nicht zur Wahrheit !
Lesen sie es nach wenn sie es mir nicht glauben wollen

"In den 1992 und 1995 geschlossenen Vergleichen zwischen der Linkspartei-Vorgängerin PDS und der Treuhandanstalt. wurde festgelegt das die Partei nur das Vermögen behalten durfte, dass die KPD zu Zeiten der Weimarer Republik besessen hatte."

Es wäre allerdings mal sehr schön, wenn sie mit der selben Vehemenz nach den Vermögen fragen würden die sich FDP und CDU durch die Einverleibung der Blockflöten unter den Nagel gerissen haben fragen würden.
mike24121953 (24.04.2010, 10:04 Uhr)
Guten morgen NRW
Dieses Land war und ist immer noch sozialdemokratisch, wir waren nie käuflich und sind es heute auch nicht, wir hatten einen echten Landesvater, Johannes Rau, ein echtes Vorbild, ein Mensch mit Charakter, Rückgrat und dem Herz an der richtigen Stelle, das war ? einer von uns?.
Unter Schröder ist die SPD zur CDU geworden und nur so konnte dieser selbst ernannte Arbeiterführer Rüttgers mit seinem Rüttgers Club zum Irrtum der Geschichte werden.
Rüttgers Club hat als erstes die Mitbestimmungsrechte der Arbeiter und Angestellten gegen null gefahren und die Gemeindeordnung für die Kommunen zum Nachteil der Bürger verändert.
Erinnert euch!
Einen Landesvater und Arbeiterführer wie ihn brauchen wir nicht!
Unser Land muss wieder zu den alten Werten zurück finden!
Glück auf!
Bayernstammler (23.04.2010, 21:47 Uhr)
@tannebaum
Mein Gott, Sie sind einfach nur ganz furchtbar zu bedauern. Es kann nichts so verkommen sein, dass Sie es nicht gut heißen könnten, wenn es nur aus der richtigen Richtung kommt.
tannebaum (23.04.2010, 18:31 Uhr)
verstößt etwas gegen die gesetze???
wenn nämlich nicht, was soll dann die hetzjagd???

dann liebe leute, fragt euch, warum unter rot/grün, schwarz/rot und dergleichen diese gesetze nicht erlassen wurden oder solche dinge verboten wurden.
wenn nun einer also etwas macht, was erlaubt ist, was regen sich alle künstlich auf???

klar bekommen alle parteispenden. auch die linken. und die haben ja noch ein sed-vermögen was ja komischerweise verschwunden ist.

wie wäre es mit einer unterschriftenkampgne, dass ihr das nicht mehr wollt? ach ja, stimmt - dazu müsste man ja aufstehen und aktiv werden...
Prologo (23.04.2010, 16:43 Uhr)
Hat jemand was anderes erwartet,....
......ich nicht !!

Ich warte jetzt, wieviel NRW Wähler diesen Klientelverein noch wählen??

MfG,
T.
Wahrhyde (23.04.2010, 15:23 Uhr)
Die CDU ist nicht käuflich
Aber man kann sie mieten.
Johann58 (23.04.2010, 13:53 Uhr)
Wie waere es denn wenn die CDU NRW
den Gewinn nach Griechenland schickt?
rockyciano (23.04.2010, 13:42 Uhr)
Der Einfallsreichtum
der Rent-a-Rüttgers Partei kennt keine Grenzen.

Liebe Wähler in NRW zieht eure eigenen Schlüsse!!!
JanvanHelsing (23.04.2010, 13:36 Uhr)
Reinhard Mey wweiß wovon er singt
Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk' mir, jeder Schritt zu dem verheiß'nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, -- ich halt' sie arm!
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