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8. Dezember 2006, 14:35 Uhr
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"Das ist pervers"

Er ist ein leidenschaftlicher Verfechter eines "Killerspiel"-Verbots: Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. Im stern.de-Interview sagt er, weshalb er die Spiele für pervers hält und die Spieler künftig mit Razzien rechnen müssen.

Pervers? Eine Szene aus dem Computerspiel "Counterstrike"© DDP

Herr Schünemann, seit ein paar Wochen läuft im Kino ein neuer James-Bond-Film, nichts anderes also als die verfilmte Geschichte eines "Egoshooters". Auch hier wird Gewalt verherrlicht - und diesen Film kann man sich schon im Alter von zwölf Jahren ansehen. Warum wollen Sie "Killerspiele" verbieten, nicht aber den Bond-Film? Ist das nicht scheinheilig?

Offenbar haben Sie sich noch kein "Killerspiel" angeschaut, sonst würden Sie nicht eine solch naive Gleichstellung mit einem James Bond herstellen. Das ist eine ganz andere Qualität. Bei den "Killerspielen" geht es darum, dass die Spieler selbst zum Töten animiert werden. Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte. Das ist pervers und gehört sofort verboten.

Egoshooter-Spieler behaupten, dass das Töten nicht das Ziel des Spiels ist, sondern lediglich ein Mittel, um das nächste Level zu erreichen.

Dann wird im "Killerspiel" sozusagen nur nebenbei gefoltert und getötet? Das ist pervers. Wenn Sie sich ansehen, was in den Spielen tatsächlich verlangt wird und wie man dort agieren muss, kann ich diese Position nicht nachvollziehen.

Ein Hauptvorwurf der Spieler gegenüber der Politik lautet, dass Politiker über Spiele reden, von denen sie keine Ahnung haben. Haben Sie selbst schon gespielt?

Ich habe gerade eindrucksvoll geschildert, warum ich mich so vehement für ein Verbot ausspreche.

Was für Spiele haben Sie schon gespielt?

Ich habe nicht gespielt, sondern ich habe mir diese Szenen aus mehreren Spielen zeigen lassen. Man muss sich klar machen, welche Form der Brutalität auf dem letzten Level eines solchen Spiels erwartet wird. Das ist auch das Problem der Selbstkontrollstelle der Softwareindustrie, der USK: die Prüfer gehen oft eben nicht ins Detail und sehen sich das letzte Level, in dem möglicherweise die brutalsten Szenen umgesetzt werden, nicht an.

Was stört Sie an der USK?

Die USK funktioniert nicht. Wenn die Spiele, die ich gerade beschrieben habe, teilweise ab 16 Jahren frei gegeben sind, dann kann das nicht richtig sein. Zu wenige Mitarbeiter prüfen zu viele Spiele. Allein vom zeitlichen Ablauf her kann es so nicht gelingen, dass die Prüfer sich die Spiele im Detail ansehen. Zudem prüfen vor allem Medienpädagogen, Kriminologen fehlen. Die Pädagogen sind zwar wichtig. Aber ebenso wichtig ist, dass hier Experten dabei sind, die auch die Folgen abschätzen können. Deshalb müssen hier auch Kriminologen eingesetzt werden.

Wo verläuft die Grenze zwischen einem "Killerspiel" und der akzeptablen Darstellung von Gewalt?

Dort, wo es darum geht, dass man Menschen in brutalster Form quält und tötet. Und hier hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages eine gute Definition von Killerspielen erarbeitet. Anhand dieser Definition kann man die Abgrenzung vornehmen.

In der zitierten Studie steht aber auch, dass ein Verbot in die Berufsfreiheit der Hersteller eingreifen würde. Der Zweck des Verbots, so heißt es in der Studie, rechtfertige dies zwar, aber fraglich sei, ob dieses Vorgehen verhältnismäßig sei.

Da steht drin, dass man genau auf die Definition der "Killerspiele" achten müsse, um die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Deshalb hat der Dienst selbst eine Definition erarbeitet, um zu verhindern, dass ein entsprechendes Verbot nicht unverhältnismäßig wäre. Darauf beziehe ich mich.

Es gibt unter den Egoshooter-Spielern zweifellos auch gewaltbereite Einzelgänger. Aber schießen Sie nicht mit Kanonen auf Spatzen, wenn Sie alle Spieler kriminalisieren? Ich kriminalisiere niemanden und ich sage nicht, dass alle Spiele verboten werden sollen. Aber über die brutalen Varianten darf es überhaupt keine Diskussion geben. Da braucht man auch kein Gutachten. Das ist so pervers, dass es keine Alternative zum Verbot gibt. Die Wissenschaft streitet darüber, ob Killerspiele die Gewaltbereitschaft der Spieler erhöhen. Wie können Sie von diesem Zusammenhang so überzeugt sein, wenn selbst die Experten das nicht sind? Ich kann Ihnen genug Experten nennen, etwa von der medizinischen Hochschule Hannover, die diesen Zusammenhang eindeutig festgestellt haben. Ich habe mir das selbst angesehen. Wenn Sie verstehen, wie brutal die Szenen sind, die dort gespielt werden müssen, dann ist völlig klar, dass dieses für niemanden förderlich sein kann. Solche Spiele brauchen wir nicht! Deshalb gehören sie verboten!

Ihre SPD-Kollegen sind da skeptischer. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen zitiert Wolf Biermann und sagt: "Was verboten ist, das macht uns gerade scharf". Schaffen Sie mit einem Verbot nicht neue Anreize für Jugendliche?

Im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass man dadurch die Eltern auch aufschrecken kann. Sobald das strafbewehrt ist, müssen sie prüfen, was ihre Kinder da eigentlich spielen. Wir müssen sicher auch die Medienkompetenz der Eltern verbessern. Aber durch die in Aussicht gestellte Strafe werden wir sie wachrütteln - und statt neue Anreize zu schaffen, wird genau das Gegenteil eintreten.

Wie wollen Sie verhindern, dass jemand sich die "Killerspiele" aus dem Netz auf den Rechner lädt und zu Hause im dunklen Kämmerchen spielt?

Es ist wichtig, dass man die Eltern sensibilisiert. Wir machen das in Niedersachsen auch über die Landesmedien-Anstalt. Wir führen Seminare durch, wir treiben die Erwachsenenbildung voran. Aber wir können, wie bei der Kinderpornografie, auch über Recherche im Internet feststellen, wenn entsprechende Spiele herunter geladen werden. Wir haben deshalb am Landeskriminalamt eine Internet-Recherche-Gruppe eingerichtet, die dann, wenn ein Vorgehen strafbewehrt ist, so etwas durchaus aufspüren kann.

Demnächst müssen also alle Spieler mit Razzien zu Hause rechnen?

Natürlich. Diejenigen, die die brutalen, verbotenen Spiele spielen, müssen damit rechnen, dass sie dingfest gemacht werden. Das halte ich auch für richtig.

Können Sie uns sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit der bayerische Vorschlag umgesetzt wird?

Mit 100-prozentiger Sicherheit, weil die Innenminister der Union bereits vor einem Dreivierteljahr eine solche Initiative beschlossen haben. Zudem ist die Absicht auch in der Koalitionsvereinbarung der großen Koalition fest geschrieben. Ich habe auf der Berliner Ebene bislang keine Stimme gehört, die ein Verbot der "Killerspiele" ausgeschlossen hätte. Ich bin mir ganz sicher, dass wir über eine Bundesratsinitiative ein weit gehendes Verbot der "Killerspiele" erreichen werden.

Ein Vorwurf Ihnen gegenüber lautet, Sie und Herr Beckstein wollten sich mit dieser Initiative profilieren, die am Ende an der SPD in Berlin scheitern werde. Was sagen Sie dazu?

Das ist absurd, weil wir diese Forderung bereits vor dem Amoklauf von Emsdetten formuliert haben. Wenn man sich diese Spiele selbst ansieht, kann man auch keine andere Position vertreten.

Zur Person

Zur Person Der CDU-Politiker Uwe Schünemann, 42, ist Innenminister in der schwarz-gelben Landesregierung in Niedersachsen.

Ihre Meinung

Uwe Schünemann ist ein leidenschaftlicher Verfechter eines "Killerspiel"-Verbots. Überzeugen Sie die Argumente des niedersächsischen Innenministers?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (125)
Interview: Florian Güßgen
KOMMENTARE (10 von 125)
 
Blumentopf_17 (10.12.2006, 22:23 Uhr)
Ein völlig falscher Weg
Ich kann den anderen Kommentaren nur zustimmen. Die Politiker tun sich leicht dieses Problem der Computerspielbranche zuzuschieben. Es wäre doch viel schwieriger irgendetwas zu tun um ausgegrenzten Jugendlichen mit Problemen wirklich zu helfen. Aber Gewalt gab es schon immer, noch bevor Computer, Fernseher oder Kino erfunden wurde, und leider wird es sie immer geben. Es ist sehr interessant das Herr Schünemann so leichtfertig für uns alle antworten kann „das brauchen wir nicht“. Und warum macht Herr Schünemann einen so großen Unterschied zwischen Kino und Computerspielen? Ich denke es ist ganz einfach deshalb weil er das Kino kennt, Computerspiele jedoch nicht. Sich zusammenhangslose brutale Szenen zeigen zu lassen, das kann man doch nicht als Kenntnis durchgehen lassen. Und wie charmant Herr Schünemann sich rausredet, als er mit der Frage konfrontiert wird ob er sich nun tatsächlich mit „Killerspielen“ auskennt. Er ist nicht einer von den Politikern die nicht wissen wovon sie reden, natürlich weiß er warum er sich so „vehement für ein Verbot aussprecht“. Nur nach zögern gibt er zu, noch nie in seinem Leben auch nur ein paar Minuten ein solches Spiel tatsächlich gespielt zu haben. Wie ist es denn in anderen Ländern? In Japan werden viele der brutalen Computerspiele programmiert und gespielt. Und trotzdem passiert dort so etwas nicht, warum? Wieso regt sich niemand so stark über Schützenvereine oder Jäger auf, wie über Computerspiele? Woher die Jugendliche die Waffen für ihre Tat hernehmen, das interessiert niemand? Und Militär ist auch nichts Verwerfliches? Die kleinen Jungs sollen in einer scheinheiligen Welt leben, ehe sie ins Militär gehen, wo sie möglicherweise auf echte Menschen schießen müssen? Und wie weit kann der Staat überhaupt in die Freizeitgestaltung erwachsener Menschen eingreifen? Wieso traut auch niemand den Menschen zu, die diese Spiele spielen, das was sie tun kritisch zu hinterfragen? Wieso sollte jeder der „Killerspiele“ spielt, automatisch in seinem realen Leben den Entschluss ziehen, das er mit Gewalt an seine Ziele kommt? Auf diese Fragen hätte ich zu gerne Antworten von Herr Schünemann persönlich, aber natürlich ist das reines Wunschdenken. Ich lasse eine Kopie dieses Schreibens auf meinen Rechner und hoffe insgeheim doch, dass Herr Schünemann, dann wenn er dann meinen Computer überwacht, und damit meine Privatsphäre verletzt, doch mal darauf stößt.
Kzin (10.12.2006, 19:10 Uhr)
kleine anmerkung
habe mir alle kommentare mal durchgelesen und ich hab dazu 2 anmerkungen. in einem post wurde gesagt das man in quake3 eine kettensaege hat, das ist falsch, so eine waffe gibt es in dem spiel nicht, warscheinlich war doom3 gemeint. der andere punkt ist das angebliche verbot der harry potter version. der film wurde damals vom verleiher geschnitten um eine niedrigere alterseinstufung zu bekommen, damit hatte weder die politik noch die fsk etwas zu tun. der film haette die "ab 12" einstufung bekommen. da warner aber moeglichst viele kinozuschauer haben wollte wurde der film eben so gekuerzt das er eine "ab 6 jahren" einstufung bekam. auf pro sieben lief genau diese "ab 12 jahren" version des films. leider hatte warner das damals still und heimlich gemacht, mit so etwas macht man ja schliesslich auch keine werbung. leider brachte es warner fuer den dvd release nicht fertig die 12-er version zu liefern sodass man immer noch importieren muss wenn man den film komplett haben will. zum dem herrn "politiker" wurde eigentlich schon alles gesagt, bin natuerlich auch gegen ein verbot. sehr lustig finde ich aber wie alle ihr hobby verteidigen, der "killerspieler" genauso wie das mitglied im schuetzenverein.;)
Master_Jay (10.12.2006, 16:16 Uhr)
Sehr geehrter Herr Schünemann...
Sehr geehrter Herr Schünemann,
Ich bin mir bewußt, dass Sie meinen Standpunkt, den ich hier ausgewalzt habe, niemals lesen werden, da Sie wahrscheinlich sehr viel besseres zu tun haben, aber irgendwann muß man seine Meinung ja einmal kundtun.
Ich habe selten etwas schwachsinnigeres als diesen Artikel gelesen, wobei ich hier nichts gegen den „Stern“ oder seine Redaktion sagen will. Es stört mich immer wieder maßlos, ja es stimmt mich sogar etwas traurig, wenn Menschen über Dinge reden und sich eine Meinung bilden, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben. Vielleicht sollten Sie sich, Herr Schünemann, einmal die neue Studie der Uni Siegen zum Thema „Killerspiele“ zu Gemüte führen. Da Sie laut eigenen Angaben nur die Szenen eines Spiels gesehen, aber nicht selbst gespielt haben, können Sie keinen richtigen Eindruck von Computerspielen bekommen haben. Das Erlebnis, ein Spiel zu spielen oder nur dabei zuzusehen, sind zwei grundverschiedene Dinge. Solche Verbote, die Sie angesprochen haben, sind undurchsetzbar. Sie wollen eine Medienzensur und am besten eine moderne Gestapo, die meinen Computer durchwühlt. Solche schwachsinnigen Gesetze können in einer Demokratie, in der wir hoffentlich noch heute leben (obwohl ich manchmal daran zweifle), nicht durchgesetzt werden.
WIR sind das Volk, und nicht nur Sie. Und zu diesem WIR gehören leider auch sehr viele Computerspieler, die sich ihr Hobby nicht von voreingenommenen Personen wie Ihnen verbieten lassen werden. Sobald es solche von Ihnen angestrebten Gesetze gibt, werden Demonstrationen und Proteste folgen und falls diese von der Regierung ignoriert werden, leben wir nicht mehr in einer Demokratie, sondern in einer Willkürdiktatur. Sollten trotz allem diese Gesetze verabschiedet werden, können Sie nicht ernsthaft glauben, alle Rechner des Landes überwachen zu können. Ich werde mich in einer solchen Zeit stolz auf die Straße stellen und verkünden, dass ich „Killerspiele“ (was auch immer das sein soll, der Begriff wurde nur erfunden, aber nie erklärt) spiele und das dies mein Hobby ist. Und falls mein Haus bei einer Razzia durchsucht werden und ich von einem Gericht verurteilt werden würde, würde ich die Strafe stolz und mit erhobenem Haupt antreten. In meinen Augen hätte ich dann kein Verbrechen begangen, sondern Sie, da Sie dann ein Gesetz geschaffen hätten, welches sich am 3. Reich und der DDR orientiert und unglaublich stark und verbrecherisch in meine Persönlichkeitsrechte eingreift. Sie würden das Grundgesetz nicht nur mit Füßen treten, sondern es vor Ihren Füßen zu einem Häufchen Asche verbrennen.
Aber Schluß mit diesen Spekulationen: Sie verfolgen eine Schnellschusspolitik, die wahre Probleme ignoriert. Sie wollen nicht die wahren Probleme bekämpfen, welche sozialer Natur sind, sie wollen etwas beschließen, das schnell und einfach durchsetzbar ist und zudem noch der öffentlichen Meinung entspricht, deren Sicht schon durch die unprofessionelle und einseitige Berichterstattung der Medien verklärt ist.
Aber ich hätte eine Idee, die sehr gut zu Ihrer schon angesprochenen Schnellschusspolitik passt: Da leider nicht alle Amokläufer in Deutschland Computer spielen, sollte man etwas finden, was alle dieser Personen gemein haben. Nach einigen Stunden kam mir die Erleuchtung: Jeder von diesen Amokläufern isst Brot, also verbieten wir dieses. Oder nehmen wir doch Killerspiele, Filme, Musik, Bücher und Hexen und verbrennen wir diese auf einem Scheiterhaufen vor dem Bundestag. Eine tolle Idee, oder? Wollen wir nicht noch gleich das Grundgesetz mit ins Feuer werfen, wenn wir schon einmal dabei sind?
Aber Ironie beiseite: Die Gesellschaft hat Schuld an diesen Problemen. Der Amokläufer der grausamen Tat in Emsdetten hat jahrelang um Hilfe geschrieen, ohne dass ihm auch nur ansatzweise geholfen wurde. Ich sympathisiere keinesfalls mit diesem Menschen, aber dieser Umstand macht ihn schon zu einer Art Opfer, finden Sie nicht auch? Doch das wahre Problem zu behandeln, währe wahrscheinlich zu zeitaufwendig und stressig.
Deutschland hat den härtesten Jugendschutz weit und breit. Warum passieren die Amokläufe in Deutschland und nicht in Österreich, Großbritannien oder der Schweiz, wo der Jugendschutz nicht so hart ist wie in hier? Weil in unserem Land höchstwahrscheinlich etwas ziemlich falsch läuft, aber verschließen Sie davor ruhig die Augen. Die USK macht eine großartige Arbeit und sie durch eine staatliche Agentur zu ersetzen, würde nicht viel Sinn machen. Ich habe in einem Interview auf GIGA gehört, wie die Leute vom Kriminologischen Forschungsamt arbeiten und ich kann Ihnen versichern, dass die USK tausendmal gründlicher ist. Wer Mehrspielertitel mit vom Computer gesteuerten Mitspielern testet, statt sich die Zeit zu nehmen, um echte Menschen zum Test einzuladen, kann sich kein richtiges Bild von einem Spiel machen. Ich weiß, dass Sie dies höchstwahrscheinlich niemals machen, aber besuchen Sie einmal ein Intel Friday Night Game der ESL, wo professionell Counter-Strike gespielt und kommentiert wird. Möglicherweise bekommen Sie dann einen anderen Eindruck von „Killerspielen“.
Ich bin selbst ein Egoshooter-Spieler, ich spiele Counter-Strike mit Begeisterung. Sie wissen wahrscheinlich nicht, dass es dabei um Taktik und Spaß, Reaktionsvermögen und Teamfähigkeit geht. Und da Sie es wahrscheinlich noch nicht verstanden haben: Man tötet in diesen Spielen keine Menschen, es sind Anhäufungen von Pixeln und Polygonen. Ich spiele im Clan (man kann es als Sportverein bezeichnen, aber eben für Computerspiele) CS und ich mache dies nicht, weil ich ein brutales Schwein bin, dass nach Blut und Gedärmen lechzt, sondern weil es Spaß macht. Und so wir mir geht es noch Millionen anderen in diesem Land.
Ich möchte noch anmerken, dass ich keinesfalls ein verkappter Sadist, Schläger, Sozialkrüppel oder geistig minderbemittelt bin.
Ich habe ein Abitur, bereite mich auf mein Studium vor, bin konfirmiert und engagiertes Mitglied der Kirchgemeinde meines Heimatortes, bin politisch interessiert, ein Pazifist und würde keinesfalls eine Waffe anfassen. Ich hätte den Zivildienst gewählt, wenn ich nicht ausgemustert worden währe. Würden Sie mich auf der Straße treffen, würden Sie nicht erkennen, dass ich „Killerspiele“ spiele.
Der deutsche Durchschnittszocker ist 20-40 Jahre alt und hat Kinder. Wenn Sie diese Leute als modernen Sündenbock bestrafen wollen, diese Leute, welche zu ihrer Wählerschaft zählen, dann sollten Sie sich dies noch einmal genauestens durch den Kopf gehen lassen.
Wenn ich Ihren Standpunkt und den Ihrer Partei lese, frage ich mich wirklich, warum ich die CDU gewählt habe…
Tobias Junge
benjamin.birkenhake (10.12.2006, 09:55 Uhr)
Schützenvereine
Ich schätze, das wurde hier schon gesagt, aber der Amokläufer von Erfurt war in einem Schützenverein und mit einer unerschütterlichen Selbstverständlichkeit ist NICHT diskutiert worden, Schützenvereine zu verbieten.
BBirke (09.12.2006, 17:09 Uhr)
Christian Pfeiffers Propagandashow...
Ich denke, die beschriebenen und gezeigten Spielszenen, die seit einigen Wochen durch TV-Hetzberichte (ARD/RBB "Kontraste", 23.11, ZDF "aspekte", 20.10.) und Zensurpropaganda von Politikern gehen, stammen aus einem Film des CDU-Hauskriminologen Christian Pfeiffer. Ich habe sie selbst am 2.11. auf einem seiner Vorträge in Hannover gesehen. Zwar nicht Spielziel, aber möglich, dass man bei GTA San Andreas und "Der Pate" Passanten mit Kettensäge und Drahtschlinge meuchelt. Wenn auch nicht so detailliert wie in den US-Versionen. Die Art, wie die Spielszenen vorgeführt wurden, sollten die Zuschauer schockieren und so empfänglich für Zensurforderungen machen. Und man muss sich im Klaren sein: Es wird ohne Verbote bald Spiele geben, die auch schlimmste Abscheulichkeiten wie Vergewaltigung und Kindesmissbrauch simulieren, und einige Rockstar-Spiele sind da schon nahe dran.
Das ist natürlich Futter für die Zensurmafia, aber als freiheitlicher Bürger muss man anerkennen, dass auch dadurch niemand wirklich geschädigt und nichts echtes angestiftet wird, so dass die Entscheidung über eine moralische Ablehnung solcher Inhalte einzig dem Endnutzer überlassen sein muss!
Für gefährlich halte ich Christian Pfeiffers Agitation auf jeden Fall, zumal im September sein Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) einen Auftrag vom NS-Innenministerium unter Schünemann zu angeblich mangelhafter USK-Kontrolle bei Computerspielen bekommen hat. Pfeiffer selbst bestreitet dabei Ergebnisvorgaben des IM-NS, aber Schünemann selbst gab zu, dass er damit "Nachweise" über mangelhafte USK-Arbeit führen wolle und am Ende konkrete Vorbereitungen für ein "Killerspiel"-Verbot stehen sollten (im "aspekte"-Hetzbericht vom 20.10.2006)
Pfeiffer tritt nicht so offen agitatorisch auf wie Manfred Spitzer oder, noch extremer, Werner Glogauer. Letztere richten sich zu offen an ein Publikum, für das alle Computer- und Bildschirmsachen Teufelszeug sind. Die Wissenschaftlichkeit ihrer Arbeiten steht zur Disposition, Glogauer ist auf wissenschaftlicher Ebene kaum noch zitierfähig. Dadurch, dass Pfeiffer eben nicht so ganz offen und eindeutig für Zensur eintritt, auch mal einen Schritt zurück macht und Zensur-Politikern Schnellschüsse unter die Nase reibt, hat er noch mehr den Nimbus eines Wissenschaftlers und kann damit effektiv mehr Schaden anrichten, denn seine zentrale Agitation ist für Zensur, auch dafür, dass der Staat erwachsene Spieler bevormundet (was er, bezogen auf seine Spiele-Filme, explizit forderte).
Und dass Schünemann im Interview die Beteiligung von Kriminologen an Prüf- oder Zensurverfahren für Computerspiele fordert, wirft ein neues Licht auf die Zusammenarbeit mit dem Herrn Dr. Pfeiffer, bzw. die Art seiner Forschungsergebnisse und Präsentationen!
gamer12 (09.12.2006, 16:15 Uhr)
was spielt Herr Schünemann eigentlich für Spiele
ich frag mich wirklich was der herr für spiele zu hause hat? ich hab noch von keinem in deutschland erhältlichen spiel gehört in dem man für das töten von menschen auf diese art und weise belohnt wird. die werden ihm ein sowieso in dtl. indizierdes spiel gezeigt haben. außerdem sollte er sich mal richtig über die USK informieren.die meiner meinung nach wirklich sehr gute arbeit leistet. ich bin zwar auch dafür das solche spiele in denen das einzige ziel ist menschen brutal zu töten nicht in deutschland erscheinen sollten, aber ich stimme nicht zu dass gleich alle ego-shooter verboten werden sollten. es gibt auch welche wie half life ,die wirklich sich nicht durch ihre gewalt, sondern sich durch ihre story auszeichnen. d
pod_ (09.12.2006, 15:50 Uhr)
hmm
ich wollt mich noch mal kurz zum thema alter äußern. ich bin 16 und ich finde dass das alter gar keine rolle bei der quali der kommentare spielt, es ist auch klar das manche ihr hobby schützen wollen und somit auch mit emotionalen reaktionen ihre posts hier reinstellen aber man muss sich auf die fakten beziehen und fakt ist das ein jugendlicher der solche spiele spielt 10 fach kompetenter ist als ein erwachsener der praktisch kA hat
IGORR (09.12.2006, 15:41 Uhr)
was nun?
die frage ist jetz doch: wie bekommen wir diesen narr von schünemann diese posts zu lesen, immerhin muss den idioten jemand aufklären, über seine grenzenlose unwissenheit, und seinem desinteresse an den fakten, im vordergrund seine unbegründeten behauptungen...
Lady_Sniper (09.12.2006, 15:31 Uhr)
@habikk
auch wenn sie etwas Älter sein mögen als das Gros der Diskussionsteilnehmer, erscheint mir ihre Argumentation unlogisch. Sie nehmen sich als Beweis dafür, dass man auch ohne diese Spiele auskommen kann?
Es handelt sich hier um ein Hobby, ich denke, man kann auf diesem Gebiet mit nahezu allem auskommen, solange man sich nicht dafür interessiert.
Das zweite ist, ich denke, es ist ein Zeichen dafür, dass einem die Argumente ausgehen, wenn man die Alterskeule rausholt.
Wichtiger erscheint mir bei der Bewertung der Beiträge nicht das Alter des Schreibers, sondern die Qualität des Geschriebenen.
Hier stören mich dann eher die Emotionen, die ganze Beiträge kaputtmachen. Verallgemeinerungen und Beschimpfungen disqualifizieren die Teilnehmer, man möchte hier doch grade zeigen, dass man nicht auf der selben Stufe steht wie der Interviewte. ;)
HabikK (09.12.2006, 14:56 Uhr)
@F.Friedel
Kommunikation in einem Computerspiel - virtuelle Kommunikation, wie wir sie in diesem Augenblick praktizieren, kann man nicht vergleichen mit der Kommunikation wenn man sich gegenüber steht und in die Augen sehen muss. Förderung von Kreativität braucht man sein ganzes Leben lang, sonst hat man in dieser schnellebigen Zeit keine Chance. Es stimmt, ich habe noch nie ein solches Spiel gespielt und bin daher auch ein Beweiss dafür, dass man sie nicht braucht. Und wenn ich Ihre Zeilen lese und die vieler anderer Kommentatoren, habe ich den Eindruck, dass Sie noch sehr jung sind.
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