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21. Oktober 2009, 12:09 Uhr

Schattenhaushalt noch größer?

"Bilanzfälschung" und "Betrug": Alles schimpft über den von der neuen Koalition geplanten Schattenhaushalt. Schwarz-Gelb wiederum erregt die "verantwortungslose Kritik". Die könnte bald noch derber ausfallen, denn der Etat droht noch größer zu werden als zunächst gedacht.

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Vorab nen Tee: das CSU-Duo Ramsauer und Seehofer (v.l) mit Kanzlerin Merkel zum Auftakt der Koalitionsrunde am Mittwoch© Michael Gottschalk/DDP

Nach der herben Kritik aus Wirtschaft und Opposition haben Politiker von Union und FDP den möglichen Schattenhaushalt verteidigt, mit dem die schwarz-gelbe Koalition die Milliarden-Lücken im Gesundheitsfonds und bei der Bundesagentur für Arbeit schließen will. "Das ist überhaupt nichts Besonderes" sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) am Mittwoch in Berlin. Es gebe bereits Fonds zum Beispiel für die Rettungsmaßnahmen der Wirtschaft. Alles, was den öffentlichen Bereich des Bundes angehe, befinde sich im Haushalt.

Die Kritik an dem Projekt könnte bald noch größer werden. In Union und FDP hieß es am Mittwoch, das Volumen werde eher bei 60, möglicherweise sogar bei 70 Milliarden Euro liegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bislang war "nur" von 50 Milliarden die Rede.

"Fantasielose Kritik"

FDP-Vize Rainer Brüderle erklärte, Schattenhaushalte habe es schon immer gegeben, beispielsweise nach der deutschen Einheit. Die "Erblast" der bisherigen Koalition müsse klar sein. Außerdem gebe es noch viel Zeit für die Beratung.

Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer wies die Kritik an dem voraussichtlich Schattenetat zurück. "Wenn der Opposition in wichtigen Zukunftsfragen nichts Besseres einfällt, als so eine verantwortungslose und fantasielose Kritik, dann tut es mir für sie jetzt schon leid", sagte er am Mittwoch in Berlin.

"Blankoscheck für haushaltspolitisches Fehlverhalten"

Gespeist wird der Fonds aller Voraussicht nach zum Großteil aus neuen Schulden. Er könnte so gestaltet werden, dass die ab 2011 greifende neue Schuldenbremse ihn nicht erfasst.

Kritik an dem Vorhaben kommt jedoch längst nicht nur von der Opposition. So erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben: "Schulden dürfen nicht versteckt werden. Wir sollten dazu stehen, dass es Schulden infolge der Krise gibt." Auch der Steuerexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss, reagierte empört. Es dürfe nicht sein, "dass die Verfassung einfach ignoriert wird". Durch eine Kürzung der Ausgaben sei es möglich, Steuern zu senken und gleichzeitig der Schuldenbremse Rechnung zu tragen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, bezeichnete den geplanten Schattenhaushalt der neuen Regierung als schwarze Kasse. "Damit stellt sich die Koalition einen Blankoscheck für haushaltspolitisches Fehlverhalten in den nächsten Jahren aus." Union und FDP würden mit diesem Vorhaben ihr finanzpolitisches Ansehen von Anfang an ruinieren. "Die neue Haushaltsparty auf die große Wirtschaftskrise buchen zu wollen, ist ganz schön kühn."

"Ich wäre wegen Konkursverschleppung dran"

Auch der parteilose Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum steht dem Vorhaben klar ablehnend gegenüber. In der "Süddeutschen Zeitung" sprach er sogar von Bilanzfälschung: "Wenn ich in meinem Unternehmen auf diese Weise bilanzieren würde, wäre ich wegen Konkursverschleppung dran."

Auch bei SPD und Grünen stoßen die Pläne auf Protest. "Das ist der größte haushaltspolitische Betrug in der deutschen Geschichte", sagte der Grünen-Haushaltspolitiker Alexander Bonde. "Union und FDP umgehen die Schuldenbremse mit äußerst schmutzigen Tricks."

Union und FDP setzen heute am frühen Nachmittag ihre Koalitionsverhandlungen in großer Runde fort. Dabei stellen die Unterhändler für den Bereich Steuern und Finanzen ihre Vorschläge zur Diskussion. Mit endgültigen Ergebnissen wird aber noch nicht gerechnet.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
ganzbaf (22.10.2009, 22:35 Uhr)
Das Gros an Staatsverschuldung...

haben wir eindeutig und leicht belegbar Herrn Prof. Dr. Dr. Helmut Kohl zu verdanken.
ganzbaf (22.10.2009, 22:30 Uhr)
Das Gros an Staatsverschuldung...

habne wir eindeutig und leich belegbar Prof. Dr. Dr. Helmut Hohl zu verdanken.
VolkerRockel (22.10.2009, 07:10 Uhr)
Total vom Kurs abgekommen...
Diese Koalitionsverhandlungen entziehen sich doch zunehmend jeder rationalen Nachvollziehbarkeit!

Da macht eine FDP im Wahlkampf unhaltbare, populistische Steuerversprechungen und stellt (obwohl sie es besser hätte wissen müssen, da sie in der vergangenen Legislaturperiode mit Otto Fricke den Vorsitzenden des Haushaltsauschusses des Deutschen Bundestages gestellt hat!) nach der Wahl ?überrascht? fest, dass sie diese Versprechungen nach der Wahl nicht einhalten kann!.

Jeder Politiker mit Rückgrat hätte sich jetzt dieser Situation gestellt und daraus für sich die Konsequenzen gezogen!

Nicht so die Politiker der FDP! Die nehmen jetzt lieber in Kauf, der unhaltbaren Wahlversprechungen wegen, den Staat um 50 Milliarden Euro zusätzlich zu verschulden (das sind 609,75 Euro pro Bürger!) und schaffen einen Schattenhaushalt um das Vorgehen irgendwie zu rechtfertigen!

Und allen Ernstes glaubt man seitens führender FDP-Politiker auch noch, das sei doch völlig legal!

Nur ist es nicht Aufgabe der Politiker Gesetze nach ihrem Gusto zu interpretieren, sondern über ihr Vorbild Gesetzen Geltung zu verschaffen. D.h. aber auch, dass nicht alles was vermeintlich legal ist, moralisch zu rechtfertigen ist!


Irgendwie hat man den Eindruck, dass die Verhandlungsführern bei den Koalitionsgesprächen der Kontakt zur politischen Realität in diesem Lande inzwischen gänzlich verloren haben und eine irrationale Eigendynamik in die Koalitionsverhandlungen Einzug gehalten hat, die sich dem gesunden Menschenverstand eines Bürgers entzieht!

Man kann sich inzwischen des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass scheinbar einige der Beteiligten derart vom Wunsch beseelt sind (wieder) Minister zu werden, dass hier und da, das persönliche Wunschdenken die politische Realität verdrängt hat!?


Das Ganze ist inzwischen unter dem selbst auferlegten Termindruck in ein Fahrwasser geraten, wo man nur noch sagen kann: Stoppt endlich diesen politischen Schwachsinn;- denkt einmal in aller Ruhe darüber nach, was ihr da eigentlich macht!
knilch_59 (22.10.2009, 00:11 Uhr)
@acenes (21.10.2009, 23:23 Uhr) - Falsch!
Das Land ruiniert hat Kohl, sonst niemand. Der hat die Schuldenwirtschaft nicht gestoppt, als noch Zeit war. Der hat die Einheit dilletantisch finanziert. Der hat die Lohn-Nebenkosten auf Rekordniveau gehoben und die Einkommensteuer gleich mit.

Kohl hat Schröder die Maastricht-Kriterien überlassen, wonach der Staatshaushalt nicht mehr als 3 % Miese fahren darf.

Wer, wie Sie, Wissen durch Meinung ersetzt, ist Demokratie nicht wert!
http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung - Sie müssen noch nicht mal lesen können, die Bilder anschauen reicht: Zwischen 1998 und 2005 stieg die Staatsverschuldung um nur 250 Mia Euro (Schröder) in den 7 Jahren davor (Kohl) um 700 Mia und in den 4 Jahren seit 2005 (Merkel) wieder um 300 Mia. Selbst in den Jahren von 1982 bis 1990 erhöhte Kohl die Schulden um über 300 Mia Euro, in Prozent wäre das Ganze noch dramatischer.

Fazit: CDU/CSU und FDP haben bewiesen, dass sie mit Geld nicht umgehen können, deshalb sind sie ja wieder gewählt worden. Um es aus der Sicht von Frau Merkel zu sagen: Unser Land braucht Menschen wie sie: Glauben statt wissen, CDU wählen!
stern00 (22.10.2009, 00:05 Uhr)
@acenes
Helmut Kohl war nie in der SPD.
acenes (21.10.2009, 23:23 Uhr)
Die SPD hat es geschafft Deutschland innerhalb von 10 Jahren bankrott zu wirtschaften!!
Der deutsche Staat ist pleite, dank der SPD und den Milliarden Euros an Transfergeldern! Die letzten 10 Jahre haben gereicht, danke SPD.
tatanuna (21.10.2009, 22:33 Uhr)
Abtreten vor dem Antreten
Es ist schon der Gipfel der Dreistigkeit solche trickserreien einzuläuten um nicht finanzierbare Wahllügen einzuhalten.Die Einführung einer privaten Zusatzpflegeversichung als Wahlgeschenk von der FDP, an die Versicherungswirtschaft ist ein Skandal. Hier wird jeder Arbeitehmer und insbesondere Renter bestraft. Die 42% Rentner, die CDU wählten, sollten sich bei der nächsten Wahl bedanken und der CDU ein Wahlergebnis wie der SPD 2009 bescheren.Diese Poltiklobbyisten sollten abtreten vor dem Antreten, da sie durch Betrug gewonnen haben.
dreicon (21.10.2009, 18:19 Uhr)
Begriffsbestimmung
nur am Rande, aber vielleicht nicht unwichtig. Denn wenn man unsauber Begriffe verwendet, wird die ganze Argumentation unsauber:
Sparen heißt, etwas "zur Seite", oder "auf die hohe Kante" legen. Wenn nur Ausgaben nicht getätigt werden, ist dies noch lange kein Sparen, sondern ein Kürzen der Ausgaben. Es gibt keinen öffentlichen Haushalt nach Fritz Schäffler (Schäffler-Turm), in welchem wirklich gespart worden wäre.
gokahe (21.10.2009, 17:50 Uhr)
Die Verteiler haben es halt schwer.
Wie schon mal angemerkt, CDU und auch CDU/FDP funktionieren eigentlich nur so richtig wenn es etwas zum verteilen gibt. SPD kam dann wenn man ein bißchen aufräumen mußte, d.h. eine gewisse Gerechtigkeit für ALLE mußte wieder einigermaßen hergestellt werden. Da die SPD sich inzwischen aber in der Tellermitte am wohlsten fühlt und von dort ab und zu gern und mit Eifer ein paar Wellen aussendet damit die am Tellerrand ab und zu mal vom Tellerrand fallen ist das heute alles ein bißchen anders. Schauen wir mal wie es weitergeht. Ach so meine Vermutung Tempelhofer sind wahrscheinlich die Glückwunschkarten ausgegangen.
gruß gokahe
knilch_59 (21.10.2009, 17:31 Uhr)
@fitzgadge (21.10.2009, 16:00 Uhr) ? Vorschlag, ja gerne!
1. Mehr Netto vom Brutto:
1.1 Abschaffen von Riester, der Möglichkeit der arbeitnehmerfinanzierten Pensionszusage, der Pflege-Pflichtversicherung = Steigerung des Nettolohns um rund 10%
1.2 Einführen eines erhöhten Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 3.000 Euro nur für Arbeitnehmer in Teilzeit- und Vollzeitjobs ? Minijobs, Aufstocker etc. bekommen den nicht. Damit sind aber auch alle Fahrtkosten, Arbeitszimmer, Arbeitsmittel usw. abgegolten und es kann lediglich in Extremfällen bei den außergewöhnlichen Belastungen noch etwas geltend gemacht werden.
1.3 Auflösen aller Dienstwagenpriviliegien = Es gibt keine PKW mehr zur privaten und dienstlichen Nutzung. Privatfahrten sind entsprechend des tatsächlichen Anteils anzusetzen und als geldwerter Vorteil dem Einkommen zuzuschlagen.
1.4. Abschaffen des Kinderfreibetrages und der Absetzbarkeit von Privatschulen, Ergänzungsunterricht und Kindermädchen, dafür Erhöhung des Kindergeldes auf 250 Euro je Kind
2. Innere Sicherheit:
2.1 Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung bei gleichzeitiger Erhöhung des Strafmaßes für Provider und User:
2.2. Verpflichtung der Gerichte dahingehend, dass binnen eines Monats ab Klage/Anklage die erste Verhandlung stattgefunden haben muss, Prozesse vor dem Amtsgericht haben regelmäßig binnen 3 Monaten beendet zu sein, Berufungsinstanz, Landgericht 6 Monate. Staatsanwälte, die die Fristen nicht einhalten, fliegen raus! Für Jugendgerichtsbarkeit gilt diese Frist zwingend
2.3 Abschaffen der Höchstsätze des Bußgeldkatalogs dahingehend, dass bei jedem Verstoß mindestens der sich hieraus ergebende Umsatz abgeschöpft wird. Also insbesondere bei Datenschutzverstößen und Schwarzarbeit
3. Außenpolitik: Zusätzlich zur Bundeswehr, die der reinen Vaterlandsverteidigung dient, wird ein Äquivalent zur frz. Fremdenlegion geschaffen. Diese Freiwilligenarmee kann im Rahmen internationaler Bündnisverpflichtungen nach Zustimmung des Parlaments eingesetzt werden.
4. Unmittelbare Koppelung der Entwicklungshilfe an Staaten an die Einhaltung der Menschenrechte. Staaten, in denen das nicht voll verwirklicht ist, erhalten keine Entwicklungshilfe, sondern werden nur über NGO-s gefördert. Verbot von Waffenexport außerhalb der Nato, Waffenlieferungen dürfen niemals über Entwicklungshilfe abgerechnet werden.
5. Hartz-IV: Nachdem Sie ja die Einführung des Mindestlohns quasi verboten haben (...auf Basis des Wählervotums vom 27.Sep ...), bleiben nur noch die Limitierung der Minijobs auf 10 pro Betrieb, das Verbot von Praktika (außer solchen, die zum Erlangen eines qualifizierenden Abschlusses im Rahmen einer Ausbildungsordnung nötig sind), die gesetzliche Gleichsetzung von Leiharbeitnehmern mit der Stammbelegschaft und das gesetzliche Verbot zur Ausbezahlung von Mehrarbeit, so dass Überstunden zwingend in Freizeit abzugelten sind, solange die Sockel-Arbeitslosigkeit dermaßen hoch ist wie derzeit.
.
So, das sind alles Sachen, die eine christlich-liberale Regierung schon fast automatisch machen müsste. Wetten, dass diese verlogene Saubande nicht einen einzigen Punkt davon verwirklicht? Enrichez-Vous ist die Devise, und wer in 4 Jahren die Taschen noch nicht voll hat, ist blöd und hat Schwarz/Gelb nicht verstanden.
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