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29. September 2007, 14:10 Uhr

Erwin Hubers CSU braucht Paulianer

Mit dem neuen Chef Erwin Huber und dem designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein hat in der CSU ein Duo die Führung übernommen, das einen nüchternen Stil prägen wird. Die Krise der CSU kann das nicht überdecken: Zwar steht Gabriele Pauli im Abseits, die Partei aber braucht Paulianer. Von Hans Peter Schütz

Der neue CSU-Chef nebst Gattin: Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (r.) und seine Frau Helma© Christof Stache/AP

Die CSU von gestern, die sich jetzt von Edmund Stoiber verabschiedet hat, gibt es morgen nicht mehr. Der alte Vorsitzende hat noch einmal die Partei zur politischen Spitzenmarke von globaler Bedeutung hochgejubelt, einflussreich vom Kreml bis in den Vatikan, mindestens. Natürlich auch zum eigenen Nachruhm. Na ja, so ist er eben der Stoiber. Der Allergrößte, mindestens so groß wie Strauß.

Beckstein und Huber vertreten eine Linie der Bescheidenheit

Unter der neuen Führung werden solche Töne wohl nicht mehr zu hören sein. Vielleicht tut das der CSU ganz gut. Günther Beckstein jedenfalls nahm seine Nominierung zum neuen Ministerpräsidenten jedenfalls mit wohltuender Bescheidenheit entgegen. Wer wie er mit dem sympathischen Satz antritt, er wisse, dass er nicht der Allerhöchste sei, sondern dem Allerhöchsten verantwortlich, wird keine Kopie des Vorgängers versuchen. Er dürfte sich in seinem Amt als Mann verstehen, dem ehrliche Gefühle und ruhiger Verstand als politische Leitlinie dienen. Kein Ministerpräsident, den bundespolitische Anmaßung und globaler Ehrgeiz umtreiben. Natürlich wird sich die CSU unter Beckstein nicht zur Landespartei wie ein CDU-Landesverband zurückentwickeln, aber sie wird vermutlich bundespolitisch verbindlicher daherkommen als dies unter den Vorsitzenden Strauß und Stoiber der Fall war. Dass Beckstein in der Person Erwin Hubers einen Partner im CSU-Vorsitz bekommen hat, der ihm vergleichbar ist, dürfte eine weitere Stärkung des neuen Führungsduos bedeuten. Die neue CDU-Führung scheut das Wort Demut nicht. Sie weiß um die Schwere der Aufgabe, die geschultert werden muss. Beckstein und Huber sind weniger auf der Suche nach ewigen politischen Wahrheiten als Stoiber es war, Politik ist für sie zunächst einmal die Suche nach zweckmäßigen Lösungen.

Eine kleinkarierte Bosheit im Umgang mit Pauli

Schade, dass der Parteitag den von Beckstein angeschlagenen neuen Ton im Umgang miteinander gegenüber Gabriele Pauli nicht gefunden hat. Ihr den Strom des Mikrofons abdrehen zu lassen, ist von kleinkarierter Bosheit gewesen. Buhrufe für eine andere Meinung beweisen demokratische Unreife. Eine Partei, die so mit Kritikern in den Reihen umgeht, sollte sich davor hüten, den Grünen "Harlekinaden" vorzuwerfen, wie dies Stoiber getan hat, weil die sich in aller Offenheit über die Afghanistan streiten. Gabriele Pauli hätte schon eine Antwort auf ihre berechtigte Frage verdient gehabt, ob denn nun sie allein den Sturz Stoibers betrieben und verschuldet habe. Unumstößliche Tatsache ist doch, sie gab den Anstoß, über ihn zu diskutieren. Gestürzt haben ihn all die Parteimitglieder, die auf dem Münchner Parteitag in den ersten beiden Reihen saßen und bis zum Auftauchen dieser Frau gekniffen haben. Zum Glück hat Beckstein dann doch noch die Souveränität zu dem Eingeständnis gefunden, er wolle mit der kritischen Gabriele Pauli künftig fairer umgehen und sie nicht in ihrer Persönlichkeit herabwürdigen. Nicht wenige in der CSU haben sich gegenüber Gabriele Pauli leider unanständig verhalten, auch wenn sie selbst manchen Fehler in ihrer Selbstdarstellung gemacht hat.

Die CSU braucht viele, viele Paulis

Leicht wird es für die neue CSU nach dem schwierigen Kapitel der Ablösung von Stoiber nicht werden, ihre politische Stärke in Bayern und das bisherige bundespolitische Gewicht zu erhalten. Zwar: Die CSU steht nach bisherigen Wahlergebnissen und demoskopischem Befunde glänzend da. Aber: Bei weitem ist ihre Lage nicht so gut, wie von Stoiber behauptet. Die neue Führung stellt noch keinen neuen Aufbruch dar. Verjüngung ist überfällig, doch viele Talente in der jüngeren Generation sind nicht zu sehen. Und analysierte die CSU ihr letztes Wahlergebnis in Bayern mit 60,7 Prozent ehrlich, so müsste sie erkennen, dass es nur zustande kam, weil die Wahlbeteiligung dramatisch zurückgegangen ist. Dass auch in Bayern nur noch 57 Prozent überhaupt wählen gehen, ist eine Warnung. Offen diskutiert wird darüber in der Partei bisher nicht. Die einzige, die dies jetzt endlich getan hat, war Gabriele Pauli. Wenigstens im Nachhinein müsste die CSU dieser Frau dankbar sein. Und neue Gedanken - etwa in der Familienpolitik - zulassen und nicht so aggressiv abbügeln, wie dies bei der Diskussion über das neue Grundsatzprogramm geschehen ist. Noch ist die Partei nicht bereit, eine Wahrheit an sich heran zu lassen: Die neue CSU braucht ganz dringend viele, viele Paulis.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Filapensill (30.09.2007, 10:23 Uhr)
Verdienst von Pauli
Frau Paulis Verdienst ist es schon jetzt, gewisse Demokratiedefizite in der CSU sichtbar gemacht zu haben und die einzige gewesen zu sein, das ehrlich auszusprechen, was eine ganze Menge der CSU-Herren heimlich über Stoiber gedacht hat, die sie gerne für geisterkrank erklärern möchten. Also, eine mutige Frau. Ihre harmlosen "Latex"-Fotos sind nun gar nichts gegen eine geschwängerte Geliebte in Berlin (Seehofer) oder ein "Überfall" zweiter Prostituierten in New York (F.J. Strauß). Aber Mann versuchts halt mit allen Mitteln.

Das süddeutsche "Gammelfleisch", medial zum türkischen "Gammeldöner" umedikettiert, stammt ja nicht von ungefähr vor allem aus Bayern und seinen Fleischfabrikanten...
H.P. (30.09.2007, 10:01 Uhr)
Demokratieverständnis
++++schliesst sich einer vernuenftigen Partei an?+++
Welcher??
Am Ende sind sich die Parteien alle gleich in dem heutigen System. Wir brauchten ein völlig neues Welt-Demokratieverständnis.
angerston (30.09.2007, 09:30 Uhr)
PaulBrasch (29.9.2007, 16:47 Uhr)
Wann endlich verlaesst Frau Pauli diesen schwarz - braunen Verein und schliesst sich einer vernuenftigen Partei an?
KENNEN SIE EINE?
H.P. (30.09.2007, 09:18 Uhr)
mramorak (29.9.2007, 23:55 Uhr)Arbeiten, bitte
++++mramorak (29.9.2007, 23:55 Uhr)Arbeiten, bitte
In einer Demokratie entscheidet die Mehrheit und die Bayern haben sich immer für die CSU entschieden!++++
#
Wer die Macht der Rhetorik und die Medien beherrscht, kann Menschen besser manipulieren in einer Demokratie.
angerston (30.09.2007, 09:15 Uhr)
Sukram71 (29.9.2007, 19:12 Uhr)
Sie Schreiben u.a. "Das ist eine Benachteiligung aller anderer Parteien und undemokratisch."
Ich stelle mir aber die Frage ob UNSER Parteien-System so demokratisch ist.
Nur Mitglieder einer Partei haben ganz beschiedenen Einfluss.
Kleine Parteien haben im unverhältnismäßig großen Einfluss.
Parteien verbreiten sich Krebsartig in alle bereiche des gesellschaftlichen Lebens aus.
Bei etwas genauerer Betrachtung ist die Frage ob wir in einer art "Parteien-Diktatur" leben vielleicht nicht ganz Falsch.
Ermatrans (30.09.2007, 07:46 Uhr)
Bravo. Der Stern blickt doch tatsächlich einigermaßen durch.
Pauli hat nicht einmal einen Fehler in der Selbstdarstellung gemacht, denn sie hat die Aufmerksankeit auf sich gezogen und für den CSU-Vorsitz kandidiert, um die total verblendete und verstaubte CSU auf den richtigen Weg zu bringen und damit möglichst viele zuhören, was sie sagt. Sie selbst sagte, sie hat nicht kandidiert, um ein Amt zu bekommen, sondern damit kontroverse Meinungen von der CSU offen akzeptiert werden. Es ist doch ganz klar, dass eine “kleine” Landrätin, die Recht hat, aber wegen ihrer Meinung von der grossen CSU niedergemobbt werden und wie ein unerträglicher Fremdkörper abgestossen werden soll, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich ziehen muss, um gehört zu werden. Wenn sie dies nicht tut, wird sie 100 %-tig niedergebügelt. In der Bevölkerung haben bereits viel mehr erkannt, dass man Gabi Pauli dankbar sein muss für ihren genau genommen selbstlosen Einsatz und die Bewerfungen mit Schmutz, die sie dafür hinnehmen musste (z. B. von Beckstein "sie soll zum Psychiater gehen" oder von Ramsauer "weniger interessant wie der Dreck unter den Fingernägeln". Wie man gesehen hat, blicken bei der CSU immer noch viel zu wenige durch, es wird Ultra Low Level Niveau gezeigt und es kommen immer noch nur Leute in Spitzenpositionen, die das CSU-Grundsatzprogramm “Heuchelei und Intrigen um Posten” verinnerlicht haben.
hosentraeger (30.09.2007, 00:46 Uhr)
mramorak, nachdenken bitte
das Bayern, welches bis 1986 heftig durch den Länderfinanzausgleich subventioniert wurde? und erst seit 1994 so richtig floriert, zum Beispiel dank der "Deutschland AG" Siemens ("wir gehören zu La Familia") - aber das wird alles gern verschwiegen. Bayern war in Sachen Propaganda schon immer gut unterwegs. Mir san mir!
mramorak (29.09.2007, 23:55 Uhr)
Arbeiten, bitte
Mich hat einmal ein Macedonier gefragt, wie er kämpfen muß, damit sein Land stark wird. Als ich ihm sagte, dass er nich kämpfen snodern arbeiten muß, war er verschwunden.
Ja, meine Damen und Herren Hetz-Kommentarschreiber gegen Bayern und Herrn Stiober, nicht hetzen sondern arbeiten müssen Sie, wenn sie den Süddeutschen folgen wollen. Einholen können sie die ja doch nie.
In einer Demokratie entscheidet die Mehrheit und die Bayern haben sich immer für die CSU entschieden!
hosentraeger (29.09.2007, 21:31 Uhr)
egal ob abstoiber oder gschaftlhuber
Bayern hat viele Hände, die sich alle gegenseitig waschen, die CSU ist nur der offizielle Anstrich. Paulis können die nicht brauchen, die stört nur die Geschäfte.
Sukram71 (29.09.2007, 20:23 Uhr)
@tricky_dude
Nein es steht eben _nicht_ jeder Partei frei eine der CSU gleichwertige Partei zu günden.
WEIL:
Dazu müsste man nicht nur eine Regionalpartei gründen, sondern man müsste auch noch z. B. mit der SPD eine Absprache treffen, dass die SPD in Bayern nicht mehr bei Wahlen antritt und darüber hinaus im Bundestag mit der SPD eine Franktionsgemeinschaft bilden, welches es der unabhängigen Regionalpartei ermöglicht trotzdem im Bundestag zu sitzen.
--
Die CSU macht im Bundestag und in der Bundesregierung Politik für ganz Deutschland, muss sich jedoch nur in Bayern dem Wähler stellen. Das ist einzigartig und dürfte doch eigentlich gar nicht sein.
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